zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

23. November 2017 | 10:15 Uhr

Prozess : Neun Jahre Haft für Vergewaltiger

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Richter haben keine Gnade mit dem 28-jährigen Angeklagten. Staatsanwältin fordert geringeres Strafmaß.

Jan-Henning F. (28) muss für neun Jahre ins Gefängnis. Dieses Urteil sprach gestern Strafrichter Eberhard Hülsing am Landgericht Itzehoe. Die große Strafkammer verurteilte den voll schuldfähigen Elmshorner wegen Vergewaltigung in zwei besonders schweren Fällen.

Mit ihrem Urteil überstieg die Kammer zudem die Forderung von Staatsanwältin Maxi Wantzen. Sie hatte acht Jahre Freiheitsstrafe für den brutalen Gewalttäter gefordert. Die Kammer sprach den beiden Opfern zudem hohe Schmerzensgeldsummen zu. Dem ersten Opfer, einer 16-Jährigen, muss der Täter 15 000 Euro, seinem zweiten Opfer, einer 18-Jährigen, 30 000 Euro zahlen.

Die 18-Jährige ist noch heute schwer traumatisiert. Sie leidet an einer Amnesie, die die Tat betrifft. Und sie ist noch nicht in der Lage, etwas alleine zu unternehmen. Die 16-Jährige soll die Tat relativ gut verarbeitet haben. Sie lasse sich ihre Lebensfreude nicht nehmen, soll sie in ihrer unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführten Zeugenvernehmung gesagt haben. Durch eine Adhäsionsentscheidung ersparte das Gericht den Opfern den Gang zum Zivilgericht, bei dem sie zunächst einmal selbst Geld hätten vorlegen müssen, um klagen zu können und Schmerzensgeld zu bekommen.

Rund 20 Zuschauer verfolgten den Prozess, darunter auch die Eltern der Opfer. Das Gericht bemühte sich, den Angeklagten – einen etwa 1,75 Meter großen unscheinbaren Mann in Handschellen – vor den Objektiven der Kameras zu schützen und schleuste ihn gestern durch das Hinterzimmer in den Gerichtssaal, in dem während der Verhandlung nicht fotografiert werden durfte. Dieses Bemühen diente weniger dem Täter als vielmehr dem 18-jährigen Opfer, das im Vorfeld angab, kein Bild vom Täter in der Presse sehen zu wollen, so der Richter.

Am 29. Juli 2012 fuhr Jan-Henning F. nach einem Discobesuch mit seinem Kleinwagen durch die Elbmarsch. Um 3.30 Uhr kam ihm nahe Kollmar eine Radfahrerin entgegen. Es war die 16-Jährige. Er wendete und holte das Mädchen vom Rad. Dabei schlug er ihr seine Faust ins Gesicht und kündigte an, dass er sie vergewaltigen werde. Im Kofferraum seines Wagen verschleppte er das Mädchen ans Ufer des bei Barmstedt gelegenen Rantzauer Sees. Er versuchte ihren Mund mit Panzertape zu verkleben, dann vergewaltigt er sie auf dem Beifahrersitz und fuhr sie anschließend zurück zu ihrem Fahrrad.

Bis zur zweiten Tat am 3. August 2013 bestand das Sexualleben des Gebäudereinigers aus dem Konsum von bevorzugt Vergewaltigungspornofilmen und Masturbation. Sexualmediziner Prof. Hartmut Bosinski zog hieraus als Gutachter im Prozess gegenüber Jan-Henning F. sein Fazit: ,,Notgeil waren Sie nicht. Das Problem ist, dass die Vergewaltigung für Sie geiler ist als normaler Sex.“

Bei der zweiten Tat kam der Elmshorner erneut aus der Disco, wieder war es spät nachts, als er in Horst gegen 2.30 Uhr zwei junge Frauen auf dem Fahrrad entdeckte. Als die Frauen sich trennten, lauerte er der einen Radfahrerin, damals 18 Jahre alt, ein Stück weiter auf. Wieder holte er sein Opfer brutal vom Fahrrad. 15 mal schlug er ihr anschließend mit der Faust ins Gesicht, gestand er selbst vor Gericht. Ihre Nase blutete, ein Auge schwoll zu. Wieder verschleppte er sein Opfer im Auto, diesmal in ein Waldstück unweit vom Rantzauer See. Wieder vergewaltigt er die Frau rücksichtslos. Sein Opfer ließ er einfach zurück.

Am 21. Juli 2013 kam es im Raum Glückstadt zu einer weiteren versuchten Vergewaltigung, die die Kripo ebenfalls dem Angeklagten zuordnet. Das Opfer, ebenfalls ein junges Mädchen um die 17, konnte fliehen, bevor es zur Tat kam. So gab es hier keine Anklage. Zum Täter führten die Kripo intensive Kontrollen in der nächtlichen Elbmarsch. Jan-Henning F. fiel durch seine langsame Fahrweise auf. Als er daraufhin zum DNA-Test eingeladen wurden, gab er die Taten sofort zu. Sein frühes Geständnis wog am Ende wenig. Richter Hülsing betonte: ,,Das Leid, was Sie über die Opfer und Ihre Familien gebracht haben, erlaubt kein geringeres Urteil.“

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen