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Kammerorchester : Neujahrskonzert mit guter Laune

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Das Preußische Kammerorchester überzeugt mit hervorragenden Solisten im fast ausverkauften theater itzehoe.

shz.de von
erstellt am 07.Jan.2014 | 16:30 Uhr

So kennt man hier das Preußische Kammerorchester: Gleichsam preußisch korrekt spielen sie ihr Neujahrskonzert. Musikalische Mätzchen, nachgeholte Silvester-Gags, witzige Aphorismen – das unterbleibt bei der Stabführung von Urs-Michael Theus, der sich hier viele Sympathien erwarb als pantomimisch begabter Dirigent. Zwar kommt der Humor in der Musik, zum Beispiel in Johann Strauß’ „Auf der Jagd“ keineswegs zu kurz, aber die Uckermärker punkten mit ihrer passionierten Programmpräsentation. Unabhängig davon, dass der Auftritt im fast ausverkauften Theater bestimmt nicht ihr erstes diesjähriges Neujahrskonzert war, verbreiteten sie gute Laune.

Und dann natürlich die beiden Gesangssolisten! Die Opern- und Operettenarien von Otto Nicolai, Eduard Künneke, Pablo Sorozábal und Franz Lehár bieten die solistischen Filetstücke: Die Sopranistin Su-Youn Kang glänzte mit ihren waghalsigen Koloraturen und der Tenor Daniel Magdal schmetterte sich so richtig in die Höhen, dahinschmelzend mit brechendem Timbre und oszillierendem Tremolo. Auch in den beiden Liebesduetten aus Lehárs „Land des Lächelns“ und „Die lustige Witwe“ lag das Publikum den beiden Solisten mit Bravos und Trampeln zu Füßen: „Bei jedem Walzerschritt Lippen schweigen, ’s flüstern Geigen: Hab’ mich lieb!“ Ja, da tanzt dann auch die Seele mit!

Den musikalischen Höhepunkt des Konzerts allerdings bildete das Solo des Cellisten Balint Gergely in Johann Strauß' Romanze (op. 255). Nicht nur, dass Johann Strauß (Sohn) hier einmal nicht operetten- und walzerselig, sondern als Meister einer romantischen Melodie präsentiert wird, nicht nur, dass hier ein akzentuierter Kontrast zur Walzer- und Polka-Melange eines Neujahrskonzertes gesetzt wurde: Es war der Solist selber, der mit seiner Phrasierungsintelligenz für einen poetischen Moment intensiver Verinnerlichung sorgte, sozusagen für ein paar Stern-Sekunden. Weil er der einzige war, der im Finale keine Blumen erhielt, seien sie ihm hiermit nachgereicht.

Auch die Theater-Chefin Ulrike Schanko, die sich in ihrer wiederum angenehm kurzen Neujahrsansprache über den 1000. Abonnenten der Spielzeit freute, sorgte für ein Highlight in der literarisch-musikalischen Sparte: „Seid allegro im Entschließen/ und adagio im Genießen. Wer forte seine Pflichten übt, piano das Vergnügen liebt,/ wer, wenn ihn jemand presto beißt, crescendo Toleranz beweist,/ wer niemals nicht vivace prahlt und moderato Steuern zahlt,/ der lebt in reinster Harmonie des Lebens schönste Symphonie.“ Prosit Neujahr!

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