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Villa Fernsicht : Neues Leben für Traumhaus gesucht

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Villa Fernsicht in Kellinghusen hat eine bewegte Vergangenheit. Jetzt wird ein Käufer für das Gebäude gesucht, in dem 1883 das Dichtertreffen stattfand.

„Es ist ein Traum“ – sagt Robert Heins. Gemeint ist die von ihm ersteigerte Villa Fernsicht. Der Glanz des Hauses, in dem sich 1883 die Dichterfürsten Detlev von Liliencron und Theodor Storm trafen, ist freilich längst vergangen. Zuletzt verbrachten Senioren im „Haus Fernsicht“ ihren Lebensabend. Nachdem dort die Lichter ausgingen, lag das Haus verlassen, wuchs sich die Gartenanlage zu einem Dornröschengrün aus.

Bessere Zeiten gesehen hatte die Villa im 19. Jahrhundert. Eng verknüpft ist ihre Geschichte mit dem einst blühenden Tonabbau in der Stadt. Weit über ihre Grenzen hinaus bekannt war die Ziegelei der „Fernsichter Thonwaaren Fabriken“ von 1847 bis 1903. Gegründet hatte sie der Hamburger Kaufmann Camille Vidal (1809-1882). Um 1845 erwarb er als Wohnsitz Villa und Hof „Fernsicht“. Das Anwesen bildete den geschäftlichen Erfolg ab und bot zudem viel Raum für die große Vidal-Familie mit acht Kindern. In seiner Thonwaarenfabriken ließ Vidal gelbe Ziegel, Tönröhren, Kachelöfen sowie keramischen Haus- und Gartenschmuck herstellen. Mit ihren Produkten glänzte die die Kellinghusener Firma sogar auf der Weltausstellung in Paris 1855 und der Industrieausstellung in London 1862.

Heute ist das Gebäude mit der großen Glasveranda den meisten Menschen vom Vorbeifahren auf der B 206 vertraut. Neuerdings lenken rote Verkaufsschilder die Blicke auf sich. Robert Heins sucht einen Käufer für das Liebhaberobjekt. Bevor er zu einem Gang durchs Haus einlädt, verweist er auf das Eingangsportal. Zwei Sandsteinsäulen rahmen die noch gut erhaltene hölzerne Flügeltür, darüber befindet sich ein Wappen. Seit 1996 ist im Windfang eine viereckige Tafel angebracht. Ein kurzer Text informiert über das Dichtertreffen.

Seit Heins die Villa und die dazugehörigen Gebäude 2012 ersteigerte, hat er enorm viel Arbeit geleistet. Durch die unterschiedlichen Nutzungen kam es zu zahlreichen Umbauten und Eingriffen, die dem Haus nicht guttaten. „Gott sei dank konnten wir große Teile wieder herstellen“, sagt Heins. Tonnenweise Müll habe er beim Entrümpeln aus mehr als 1000 Quadratmeter Gebäudefläche entfernt. Was dabei zum Vorschein kam, ließ das Herz des kunstsinnigen Quickborners höher schlagen. Ein Teil vom alten Glanz kehrte in die Räume zurück, als die aufgenagelten dicken Spanplatten entfernt waren. „So breite Dielen gibt es heute gar nicht mehr“, sagt Heins mit Blick auf den massiven Holzfußboden. An den meist 3,50 Meter hohen Decken sind die Original Stuckverzierung noch erhalten. Wenn sich im ehemaligen Arbeitszimmer mit dem alten Kamin die Gardinen im Wind bauschen, braucht es nur wenig Fantasie, um sich das frühere Leben vorzustellen. Ein Blick aus den Fenstern auf die saftigen grünen Störwiesen verzaubert zusätzlich. „Im Winter sieht man von hier bis zur beleuchteten Kirche“, kommt auch Heins ins Schwärmen.

Doch der Fachmann, seit 40 Jahren im Immobiliengeschäft tätig, bleibt realistisch. Er berichtet von Wasserschäden und verweist auf die maroden Naßzellen, die zu Zeiten des Seniorenheims in jedem Zimmer eingebaut wurden. Als sei das nicht genug, hätten sich zuletzt ungebetene Gäste Zugang verschafft. Fast ein Hektar Gartengelände umgeben die Villa, das Kavaliershaus und ein weiteres Gebäude. „Auch hier haben wir Ordnung geschaffen und einige morsche Pappeln gefällt.“

Mehr will Heins nun nicht mehr investieren, die weitere Gestaltung soll nach den Ideen des Käufers erfolgen. Was aus der Villa Fernsicht werden könnte? Geeignet wäre sie für einen gastronomischen Betrieb mit Hotel, auch als Unternehmenssitz könnte sie dienen. Heins: „Es muß halt der Richtige kommen.“

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