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Kultur : Neues Gesetz schützt 108 Denkmäler in Itzehoe

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Bauliche Veränderungen sind damit nur noch nach Absprache mit der Denkmalbehörde möglich. Die Interessengemeinschaft Haus und Grund befürchtet einen Wertverlust für die Immobilien.

shz.de von
erstellt am 10.Feb.2015 | 05:03 Uhr

Itzehoe | Viele haben eines und wissen gar nichts davon. Es wird sie in der Adolf-Rohde-Straße geben, in der Breitenburger Straße und auch anderswo in Itzehoe. Die Rede ist von den einfachen Kulturdenkmälern, die seit diesem Monat durch das neue Denkmalschutzgesetz geschützt sind. Bauliche Veränderungen sind nur noch möglich, wenn der Eigentümer diese mit der Denkmalbehörde abstimmt. Das kann sogar schon den Einbau neuer Fenster behindern. „Doch oft wissen die Eigentümer gar nicht, dass sie ein einfaches Kulturdenkmal haben“, sagt Landeskonservator Michael Paarmann.

„Das glaube ich auch“, sagt Heinz Körner, Vorsitzender von Haus und Grund in Itzehoe. „Vielen wird erst bewusst, dass sie ein Denkmal haben, wenn sie etwas umbauen oder ihr Haus verkaufen wollen.“ Gerade für Eigentümer, die ein Objekt hätten, das renovierungsbedürftig sei, sei die Einstufung als Denkmal ein Riesen-Wertverlust. „Solche Häuser kauft keiner mehr, weil auch bei öffentlicher Förderung eine Sanierung viel zu teuer wird“, sagt Körner.

Michael Paarmann sieht das anders. Wer ein gutes Objekt habe, für den könne die Einstufung als Denkmal auch eine Wertsteigerung bedeuten. Es gebe massive Steuervorteile für Denkmalbesitzer, sagt der 61-Jährige. Im Register im Landesamt für Denkmalpflege in Kiel liegen viele Blätter mit Gebäuden in Itzehoe, die mit einem „K“ versehen sind – für Kulturdenkmal. „Das Register ist in den 70er Jahren begonnen worden“, sagt Paarmann. Bisher war das „K“ für Eigentümer ohne Belang, weil es bei baulichen Veränderungen keine Einschränkungen gegeben habe.

Jetzt aber wolle das Land einen Überblick. Rund 16  000 einfache Kulturdenkmäler gibt es in Schleswig-Holstein, genau 108 sind es in Itzehoe, 487 im ganzen Kreis. Teams des Landesamtes reisen nach und nach durch Schleswig-Holstein und ermitteln per Schnelltest, welche Kulturdenkmäler in die Liste kommen. Also werde „quasi im Vorbeifahren“ entschieden, hatte der FDP-Politiker Wolfgang Kubicki kritisiert. Nein, sagt Paarmann, die Gebäude würden genau in Augenschein genommen – allerdings zum Großteil nur von außen. Nach Steinburg werden die Inventarisierer in den kommenden Monaten wohl nicht kommen, die seien im Moment in Ostholstein, Nordfriesland und dem Herzogtum Lauenburg unterwegs.

Zu den Kategorien gehören das Alter des Gebäudes, Bausubstanz und die Umbauten. Wenn ein Gebäude als schützenswert gilt, werde der Eigentümer informiert. Will er keinen Denkmal-Titel, bleibt ihm nur der Klageweg.

„Das wird doch nichts“, sagt Heinz Körner. „Das Gesetz bringt nur Nachteile, weil es den Besitzern übergestülpt wird.“ Den Eigentümern bleibe nur, sich mit den Denkmalbehörden zu verständigen – und die seien kompromissbereit, sagt Paarmann. „Wir sind ja am Erhalt der Denkmäler interessiert und wollen keinen Hauseigentümer an den Bettelstab bringen.“ Gegen den jetzt geltenden automatischen Schutz für einfache Kulturdenkmäler gibt es einen Kniff: „Wer nicht weiß, dass er ein Kulturdenkmal besitzt und das verändert, der riskiert keine Strafe“, sagt Paarmann. Allerdings werde der Kreis bei jeder Baugenehmigung darüber aufklären, ob es sich um ein Denkmal handele. „Und wer das weiß, muss auch die Auflagen beachten“, so Paarmann. Jeder Eigentümer müsse wissen, ob er nachfrage oder lieber auf eine Benachrichtigung warte. Der Landeskonservator erwartet nicht, „dass die Eigentümer von alten Häusern diese in Serie verkaufen“. Der Vorteil des Gesetzes, das nun denen anderer Bundesländer gleiche, sei der einheitliche Denkmalbegriff, jeder wisse, woran er sei. Für Itzehoe bedeutet das, dass bereits denkmalgeschützte Gebäude wie die Fassade des Bahnhofes auf einer Stufe mit Wohnhäusern in der Adolf-Rohde-Straße stehen könnten.

„Denkmalschutz bedeutet kein Veränderungsverbot, auch Abbrüche sind möglich“, sagt der Landeskonservator. So steht etwa der Zehn-Meter-Sprungturm des Schwimmzentrums als Denkmal zur Eintragung in das Denkmalregister an. „Das ist ja auch ein schöner Bau aus den 60er Jahren“, sagt Paarmann. Aber eines sei auch klar: „Wenn der Turm nicht mehr genutzt wird, und ein neuer her muss – dann kann er selbstverständlich abgerissen werden.“

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