Historisches Gebäude in Glückstadt : Neues Geld für alte Fassade

Freuen sich über den Beginn der Arbeiten: Jan Witte (l.) und Berthold Köster.
1 von 2
Freuen sich über den Beginn der Arbeiten: Jan Witte (l.) und Berthold Köster.

Denkmalschutzbehörde und Deutsche Stiftung Denkmalschutz geben erhebliche Mittel für Sanierung eines Hauses in der Schlachterstraße.

von
26. Januar 2018, 05:00 Uhr

Das Haus in der Schlachterstraße 23 hat eine bewegte Baugeschichte. Die Denkmalschützer sind begeistert. Doch auf der anderen Seite ist das Haus zurzeit kaum bewohnbar. Das soll sich jetzt ändern. Zunächst haben die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und der Landesdenkmalschutz Geld gegeben, um die Fassade zum Hof hin zu sanieren. Das Denkmalamt gab 40 000  Euro, die Stiftung Deutscher Denkmalschutz ebenfalls und das Besitzer-Ehepaar, Mareike und Jörg Charles trägt die gleiche Summe. Denn die Außenfassade ist nicht mehr standfest genug, ohne ihre Sanierung könnte im Innen nicht saniert werden. Zur feierlichen Übergabe der Mittel kamen Bernhard Köster und Beate von Malottky sowie Anette Mittring von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz nach Glückstadt. Mit dabei war auch Jan Witte, Architekt der Familie Charles.

Ist die Außenmauer saniert, geht es im Inneren weiter. Denn in dem denkmalgeschützten Haus mit 400 Quadratmetern Fläche gibt es keine Heizung und die Privaträume sind beengt. Um voranzukommen, wird zunächst in einem Haus saniert.

Glückstadt wurde 1617 gegründet, das Haus ist von 1644. „Ein interessantes Objekt“, sagt Witte. Holzuntersuchungen an den Deckenbalken haben das frühe Datum ergeben. Die Balken sind sichtbar in der früheren Wohnstube von Jörg Charles’ Oma. Sichtbar ist in einem Teil auch, dass die Balken früher bemalt waren. „Schwungvoll“, sagt Witte zu den Ornamenten. Um 1688 wurde das Haus zum Süden hin erweitert. Unklar ist, ob in ein oder zwei Stufen. Für zwei Stufen sprechen Jahreszahlen, die im Dachgeschoss aufmoduliert gefunden wurden. „Der Dachstuhl ist nicht symmetrisch“, erklärt Witte. „Das erklärt die stufenweise Erweiterung des Hauses.“

1730 in der barocken Phase sei aufwendig restauriert worden. In dieser Zeit wurden die noch vorhandenen Stuckdecken eingebaut. Belegt ist, dass die Etatsrätin Doos – nach ihr ist in Wilster das Doos’sche Palais, beziehungsweise Neue Rathaus benannt – in dem Haus in Glückstadt gewohnt hat. In ihrer Zeit waren die Wände nicht tapeziert, sondern wahrscheinlich mit Seide oder Leder bespannt. Auch die Nische, in der einst der Ofen stand, ist von 1730.

„Sie haben viele Fürsprecher“, sagt Anette Mittring dem Ehepaar Charles bei der Übergabe der Fördermittel. Aber es sei auch ein wichtiges Haus. Ob die Deutsche Stiftung Denkmalschutz weiteres Geld geben wird für den Innenausbau, das entscheide sich im Februar.

„Einzigartig“, sagt Berthold Köster zu dem Gebäude. Der Landesdenkmalschützer aus Kiel schwärmt von den tollen Funden im Haus. Und das jetzt aufgrund der Fördermittel mit dem Bau der Fassade begonnen werden konnte, wertete er als Zugewinn. „Wir hoffen, dass wir Mitte 2018 damit fertig sind.“ Er attestierte dem Ehepaar Charles: „Es ist beachtlich, dass die Bauherren so viel Durchhaltevermögen beweisen.“

In dem historischen Fachwerkgebäude war einst eine Mädchenschule untergebracht. „Es ist stadtgeschichtlich von großem Interesse“, erklärt Mareike Charles, warum sie so viel Arbeit in das Haus steckten. Und viel hat sie bereits in Archiven recherchiert: „Aus jeder Epoche gibt es Belege, wer hier gewohnt hat.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen