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Sanierung : Neues Energiekonzept mit kleinen Blockheizkraftwerken

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Experten stellen ein energetisches Quartierskonzept für den Bereich östlich der Hindenburgstraße in Itzehoe vor.

Dämmen ist gut. Doch ein anderes Vorgehen bei der Energieversorgung ist besser. Das vermittelten Experten bei einer Informationsveranstaltung zum energetischen Quartierskonzept für den Bereich östlich der Hindenburgstraße. Ins Theater-Studio kamen rund 60 Interessierte.

Architekt Thomas Dittert aus Hamburg stellte insgesamt sechs Varianten vor, die sich in zwei große Lösungsblöcke fassen ließen. In den ersten drei Varianten ging es darum, die Häuser zu dämmen, von denen die meisten etwa seit 1905 entstanden sind und privat genutzt werden. „Damit ließen sich 40 bis 70 Prozent an Energiebedarf einsparen, bei den Fenstern etwa 50 Prozent.“ Aber: Für eine flächendeckende Dämmung sei ein gewaltiger Finanzaufwand nötig. „Der CO2-Verbrauch könnte zwar um das Dreieinhalbfache gesenkt werden, dafür lägen die Kosten je Wohneinheit zwischen 10 000 und 25 000 Euro.“ Zudem teile er kritische Berichte über Risiken von Dämmung.

Dr. Andreas Pfadt aus Hamburg fasste zusammen: „Wir erreichen das Ziel mit Dämmung alleine nicht.“ Zu einem Bruchteil des Preises funktioniere es aber. Diese zweite Lösung beschrieb Dittert in den Varianten 3 bis 6: Bei einer besseren Wärmeversorgung seien deutlich effektivere Investitionen möglich. „Wir haben Energie im Übermaß, wir müssen sie nur nutzen.“ Man dürfe nicht ständig nur Ressourcen verbrauchen, sondern müsse die angebotene Energie von Wind, Sonne und Biomasse besser umwandeln und nutzbar machen. Bedarf bestehe hier besonders im Norden und im Süden des Gebietes. Die Tatsache, dass Abwärme von herkömmlichen Kraftwerken derzeit nicht genutzt wird und diese nur eine Effizienz von 40 Prozent erzielen, während der Rest verpufft, machen sich seine Varianten 4 bis 6 zunutze.

Darin wird die Abwärme eines noch zu bauenden Blockheizkraftwerks (BHKW) genutzt, das gleichzeitig Strom erzeugt. „Die Effizienz der genutzten Energie würde steigen.“ Dazu könne eine Gasabsorptionspumpe mit einem „Kalten Saisonalspeicher“ betrieben werden. „Dieser kann die Wärme im Sommer aufnehmen und erst im Winter wieder abgeben.“ Pfadt ergänzte: So würden auf dem Weg zum CO2-Einsparungsziel die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Privateigentümer berücksichtigt, aber auch Stadtbild und Denkmalschutz. Möglich seien private Erzeugergemeinschaften, die etwa mit zehn Einheiten in einer Straße gemeinsam ein BHKW zu betreiben. Dafür gebe es auch Fördermittel. Möglichkeiten der Förderung erläuterte auch Henning Martens von der Investitionsbank, dem Förderinstitut des Landes.

Die Gutachter schlagen sie Bereiche vor, aus denen heraus das Gebiet mit Nahwärmenetzen versorgt werden könnte. „Wärmespeicher würden unterirdisch angelegt, etwa in der Größe von 50-Meter-Bahnen im Freibad“, so Pfadt. „Davon gibt es bereits etliche in Deutschland.“ Wer es realisiere – die Stadt oder private Gemeinschaften – sei zu klären.

Im Publikum gab es Bedenken: „Wo soll so ein Speicher gebaut werden, und müssen Leitungen nicht auch durch andere Gebiete gelegt werden?“ Bauamtsleiterin Bettina Bühse entgegnete: „Das muss nicht so sein. Wir können die lange Erfahrung von Blockheizkraftwerken nutzen.“ Die gebe es schon im Klosterforst und dem Gebiet Elbeblick. Fortgeführt werden solle die Maßnahme mit einem Sanierungsmanager in den kommenden Jahren.

Dittert machte deutlich, dass nichts verordnet werde, sondern eine Diskussion mit allen Beteiligten folge. Bühse: „Wir werden die Wünsche beachten und nichts unterdrücken.“

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erstellt am 02.Okt.2013 | 20:31 Uhr

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