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Neues Buch mit alten Schriften aus der Druckerei J. J. Augustin

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erstellt am 17.Aug.2013 | 07:26 Uhr

Glückstadt | Artur Dieckhoff steht am alten Setzerpult in der Druckerei Augustin. Mit einer Schnur bündelt er Buchstaben. Es ist ruhig in dem Raum, in dem früher die Schriftsetzer gearbeitet haben. Eine Reihe weiter stehen Helmut Bohlmann und Mike Krüger. Hochkonzentriert setzen sie Buchstaben.

In der Glückstädter Druckerei, die einst weltbekannt war, entsteht das außergewöhnliche Buch mit dem Titel "Gefischtes". Ein Werk mit Gedichten und Holzschnitten. Doch das Besondere ist: Jede Überschrift und jeder Text hat andere Buchstaben. Das Werk wird die Einzigartigkeit der Fülle an Schriften zeigen, die einst im Bleisatz bei J.J. Augustin verwendet wurden. Ein historischer Schatz, den die Männer bewahren wollen. Sie alle sind ehrenamtlich beim Museum für Arbeit in Hamburg tätig. Inzwischen waren sie so häufig zu Gast bei Augustin, dass sie in den Druckereiräumen arbeiten dürfen. Das Ehepaar Michael und Cornelia Reimers, denen die Druckerei gehört, schenkt ihnen ihr volles Vertrauen und freut sich über das Engagement.

Das Grundgerüst für das Buch steht, vieles ist schon gesetzt. Unter anderem sind es Gedichte von Ringelnatz und Morgenstern sowie moderne von Arezu Weitholz. Das Thema ist in vielen Gedichten der Fisch. Und das immer mit einem humorvollen Augenzwinkern. Da geht es um den "Aalphabet", einen Fisch im Meer, der liebt die Buchstaben sehr. "Einige Gedichte sind auch etwas deftiger", verspricht Dieckhoff.

Das Buch wird ehrenamtlich produziert und hat einige Unterstützer. Neben der Druckerei Augustin ist es das Museum für Arbeit, in dem gedruckt wird. Herausgeber ist wiederum Catharina Berents, Direktorin des Detlefsen-Museums. Verantwortlich ist der Verlag "Schwarze Kunst", es erscheint in der Edition "Die Holzschnittbücher".

"Farbige Holzschnitte von mehreren Künstlern, natürlich vom Original auf einem Heidelberger Zylinder gedruckt, werden das Buch sinnlich illustrieren", sagt Klaus Raasch. Der Hamburger hat bei Augustin alle historisch wertvollen Arbeitsgegenstände und Bücher im Auftrag der Landesregierung fotografiert, im Buch veröffentlicht er jetzt Illustrationen. Klaus Raasch studierte von 1981 bis 1986 an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Mit Artur Dieckhoff gründete er 1984 die Buchdruckwerkstatt "Schwarze Kunst" und ist seit 1986 als freier Künstler in Hamburg tätig. Weitere Illustrationen kommen von Anne von Karstedt.

Das Buch geht jetzt in den Druck. Artur Dieckhoff zur Arbeit: "Wir sind ein eingespieltes Team." Am 1. September soll es fertig sein. "Die Idee kam uns bei der Ausstellung Zwiebelfische im Detlefsen-Museum", sagt Dieckhoff, der nicht nur am Film "Zwiebelfische Jimmy Ernst und die Druckerei J. J. Augustin Glückstadt - New York" beteiligt war, sondern auch an der Ausstellung. "Wir wollen die alten Schriften erhalten." Auch für ihn und die anderen Setzer ist das Buch eine Herausforderung. Denn die Fülle der Schriften in den Kästen bei Augustin galt es neu zu entdecken. Ihr Zusammenspiel ist dann nochmal eine besondere Kunst. Solch ein Buch zu setzen, würde keine Druckerei machen. "Wir sind die letzten unserer Zunft, aber die Eifrigsten", sagt Dieckhoff.

Vorgestellt wird das Buch in Glückstadt im Oktober, wenn im Detlefsen-Museum die neue Ausstellung über das Erbe von Dr. Gerhard Köhn gezeigt wird. Es hat, wie das Buch, auch den Fisch zum Inhalt. Geplant ist auch, dass Arezu Weitholz dann zu einer Lesung nach Glückstadt kommt. Sie haben am Buch mitgewirkt: Texte und Zeichnungen: Arezu Weitholz, Herausgeber: Catharina Berents, Redaktion: Jürgen Bönig, Artur Dieckhoff, Bleisetzer: Erich Hirsch, Daniel Janssen (Monotype-Maschinensatz), Helmut Bohlmann, Artur Dieckhoff und Mike Krüger (Handsatz), Buchdruck: Lothar Schumann und Walter Fischer vom Museum der Arbeit, Holzschnitte: Anne von Karstedt, Artur Dieckhoff, Klaus Raasch, Christian Peter.

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