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Norddeutsche Rundschau

24. August 2017 | 07:40 Uhr

Neuer Zaun für jüdischen Friedhof

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Schmiedeiserner Einfriedung für die Ruhestätte steht dank Spendengeldern / Weitere Sponsoren gesucht

Der neue schmiedeeiserne Zaun am jüdischen Friedhof steht. Nur noch die Steinsockel müssen verziert werden. Vorher gab es dort nur eine niedrige Begrenzung durch eine Betonmauer. Der Zaun war ein Wunsch der jüdischen Gemeinde und des Denkmalamtes. Das Gelände an der Pentzstraße ist seit vielen Jahren denkmalgeschützt und wurde 2014 für 40  000 Euro aus Mitteln des Denkmalschutzes des Landes saniert. Als die Arbeiten abgenommen waren, war klar: Eine optische Abgrenzung hin zur Straße wäre gut. Dadurch wirke der Friedhof in sich geschlossen.

Jetzt ist der grau glänzende Zaun an der Pentzstraße montiert. Seine Gestaltung wurde mit dem Landesamt für Denkmalpflege, der jüdischen Gemeinde und der Stadt Glückstadt abgestimmt. Die Umzäunung besteht aus 16 Elementen und einer Flügeltür. Letztere sind verziert mit zwei geschmiedeten Davidsternen. Die Zaunstäbe sind so filigran und ihre Abstände groß genug, dass der Blick auf die Ruhestätte quasi frei ist. „Er ist schlicht, baut eine angemessene Distanz zu einer Ruhestätte auf, ist aber dennoch nicht unüberwindbar. Die Türen stehen immer offen“, sagt Norbert Meinert, Vorsitzender des Fördervereins des Detlefsen-Museums. Das Gelände sei nicht abgeschottet, sondern heiße Besucher jederzeit willkommen.

Der Weg dahin war lang. Die jüdische Gemeinde hatte kein Geld für das Bauwerk, das 12  000 Euro kosten sollte. Deshalb waren sie auf Spenden angewiesen. Die Suche nach Gebern übernahm Esther Patyk vom Bauamt der Stadt Glückstadt in Zusammenarbeit mit Norbert Meinert. „Rund 4200 Euro sind dabei zusammengekommen. Wer noch spenden möchte, kann dies weiterhin weiterihn tun“, so der Vorsitzende. Im vergangenen Jahr nahm sich bereits der örtliche Maurermeister Sebastian Schmeelke des Sockels am Friedhofzauns an und mauerte ihn auf. Die Glückstädter Ziegelei spendete die Steine dafür.

Anfang des Jahres wurde der schmiedeeiserne Zaun bei der Metallbaufirma Tödt und Carstens in Steinburg in Auftrag gegeben. Jetzt schützt er die besondere Ruhestätte, die laut Denkmalamt die bedeutenste ihrer Art in Schleswig-Holstein ist. Denn auf dem Areal wurden zahlreiche sephardische und aschkenasische Juden begraben. Die ersten kamen um 1620, weil ihnen König Christian  IV. bei der Stadtgründung Glaubensfreiheit und Privilegien gewährte. Die historischen Grabplatten sind gut erhalten, keine Selbstverständlichkeit in Deutschland. In der Zeit des dritten Reichs wurden viele jüdische Friedhöfe geschändet und viele Grabplatten zerstört. In Glückstadt wurden sie während der Zeit des Nationalsozialismus beiseite gepackt. Von den 132 sephardischen und 30 aschkenasischen Grabsteinen sind noch 88 sephardische und elf aschkenasische erhalten. 1861 wurde der letzte Sepharde, der in der Elbe ertrunkene Elias Meldola aus Hamburg, beigesetzt.>Die Bankverbindung des Vereins der Freunde und Förderer des Detlefsen-Museums: IBAN: DE32 2225 0020 0021 2005 06 BIC: NOLADE21WHO, Sparkasse Westholstein.

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erstellt am 01.Jun.2016 | 17:30 Uhr

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