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Stadtentwicklung in Itzehoe : Neuer Streit um geplantes Baugebiet

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Eichtal/Kratt: Itzehoer Stadtentwicklungsausschuss beauftragt Verwaltung mit Entwicklung eines Wohngebiets. Kritik von Bürgerinitiative und Umweltverband.

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erstellt am 10.Nov.2017 | 05:02 Uhr

Die Stadt Itzehoe wird das geplante Baugebiet Eichtal/Kratt in eigener Trägerschaft entwickeln. Damit hat der Stadtentwicklungsausschuss die Verwaltung bereits im Oktober in nichtöffentlicher Sitzung beauftragt, wie nun bekannt gegeben wurde. Gegen die Entscheidung und die fortgesetzte Räumung der ehemaligen Kleingärten, auf denen bis zu 100 Baugrundstücke entstehen sollen, wird erneut Kritik laut. Mangelnde Transparenz und unverhältnismäßig große Schäden an Flora und Fauna lauten die Vorwürfe des Umweltverbandes BUND und einer neu gegründeten „Bürgerinitiative Eichtal“.

Vergeblich hatte die Stadt in den vergangenen Jahren einen privaten Investor gesucht, um das Gelände zu einem Wohngebiet zu entwickeln und zu vermarkten. Im Sommer wurde diese Suche dann beendet und von der Verwaltung geprüft, ob eine eigene Trägerschaft sinnvoll ist (wir berichteten). Diese Frage ist nun offensichtlich bejaht worden. Wie in der jüngsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses mitgeteilt wurde, hat dieser bereits am 10. Oktober der Verwaltung den Auftrag zur Entwicklung erteilt. Unklar ist noch, welche vorbereitenden Schritte als nächstes notwendig sind, um die baurechtliche Grundlage für das Wohngebiet zu schaffen. Auch dies prüfe nun die Verwaltung, erklärt Ausschussvorsitzender Sönke Doll (SPD). Fraglich sei unter anderem, ob ein früherer Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan durch die lange Suche nach einem Investor inzwischen zu alt sei. Inhaltlich seien die früheren Beschlüsse aber Grundlage für die weitere Entwicklung.

Genau daran entzündet sich die Kritik des BUND. Die Umweltschützer sehen ökologische Aspekte zu wenig berücksichtigt und beklagen mangelnde Transparenz. Im Oktober, wenige Tage nach der Entscheidung im Ausschuss, hatten Vertreter der Umweltverbände Nabu und BUND sowie Aktivisten, die sich für den Erhalt der Kleingärten im Eichtal einsetzen, in einem Gespräch im Rathaus mit Verwaltung und Politik das geplante Baugebiet diskutiert. „Dort wurde der konkrete Beschluss uns gegenüber nicht erwähnt“, sagt Rainer Guschel, Vorsitzender des BUND-Steinburg. „Wir hatten auf eine ergebnisoffene Diskussion gehofft, bei der wir nicht nur Stellungnahmen zu bereits sehr handfesten Plänen abgeben dürfen“, sagt Guschel.

Sönke Doll, wie Guschel ebenfalls Teilnehmer des Gesprächs im Rathaus, kann diese Kritik nicht nachvollziehen. Der Ausschluss der Öffentlichkeit sei von der Verwaltung empfohlen worden, weil es auch um die Belange von Eigentümern privater Grundstücke gegangen sei. Zudem sei inhaltlich aus seiner Sicht nichts Neues beschlossen worden. „Wir haben in dem Gespräch vereinbart, dass die Interessengruppen das weitere Verfahren begleiten und sich einbringen können.“ Dies sei kein Widerspruch zu der Entscheidung des Stadtentwicklungsausschusses. Im Gegenteil: Die Entwicklung des Baugebiets in eigener Trägerschaft ermögliche es gerade, mehr Einfluss zu nehmen als wenn ein privater Investor baue, der nur die Wirtschaftlichkeit im Blick habe. So könnten unterschiedliche Interessen besser berücksichtigt werden.

Für die Aktivisten, die sich für einen Erhalt der bestehenden Anlage als Naherholungsraum einsetzen, ist es angesichts der laufenden Räumungsarbeiten aktuell keine Option, sich mit Ideen einzubringen. Sie haben eine Bürgerinitiative gegründet. „Wir haben unsere Vorhaben erstmal zurückgestellt und wollen zunächst verhindern, dass im Eichtal alles zerstört wird“, sagt Christine Weber-Herfort, eine von drei gewählten Sprecherinnen der Initiative. Die aktuelle Räumung zur Wahrung der Verkehrssicherheit sei völlig unverhältnismäßig. Es werde wertvoller Baumbestand und ein schützenswerter Knick durch die Baumaschinen beschädigt. „Die Zusage der Stadt, möglichst schonend vorzugehen, können wir nur als völlige Verzerrung der Realität wahrnehmen.“

Mitglieder der Bürgerinitiative haben sich bei der Naturschutzbehörde des Kreises über das Vorgehen beschwert. Die kommt zu einer anderen Einschätzung. „Eine Unverhältnismäßigkeit der Maßnahme ist nicht erkennbar“, sagt Abteilungsleiter Ulf Schünemann. Der Abriss der Kleingartenanlage aus Gründen der Verkehrssicherheit sei erforderlich. Der Rückbau „hausähnlicher Lauben und befestigter Wege“ sei aus naturschutzfachlicher Sicht positiv zu bewerten, da Flächen „entsiegelt“ werden. Zudem werde teilweise mit Asbest belastetes Material nun fachgerecht entsorgt. Auch der Knick sei nicht erheblich beschädigt worden. Es habe eine „leichte Verdrückung von Bodenmaterial am äußersten unteren Knickfuß“ gegeben, so Schünemann, die nach Abschluss der Bauarbeiten durch „Nachprofilierung wieder hergestellt“ werden könne.

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