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Norddeutsche Rundschau

20. August 2017 | 19:33 Uhr

Neuer Schliff für „Nellie & Leslie“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Für Alexander Nürnberg und Klaus Dellmann gibt es am Traditionssegler immer etwas zu verbessern oder zu restaurieren

Ein Blickfang direkt am Hafenkopf: Auf dem Gelände der ehemaligen Werft ist seit Ende des vergangenen Jahres der Elbsegler „Nellie & Leslie“ aufgebockt, der von seinen beiden Besitzern und ihren Söhnen in Eigenleistung restauriert wird.

Es ist ein Schiff mit viel Geschichte: Der Elbsegler wurde in Boston an der Ostküste Englands gebaut. Später motorisiert, gingen Fischer bis 1977 damit auf Fang. 1981 haben vier Freunde, darunter der heute 55-jährige Alexander Nürnberg, den Segler gemeinsam gekauft. Damals waren die Männer knapp über 20 Jahre alt und hatten gerade ihr Abitur gemacht. „Wir haben den Mast wieder aufgebaut und innerhalb von fünf Jahren bis 1986 alles selber umgebaut und restauriert“, sagt Nürnberg. Wie das gemacht wird, haben sie nachgelesen – denn handwerklich geschickt waren sie schon damals.

Den Sport-Küstenschifffahrts-Schein hatten sie schon bestanden, ab 1988 ging es dann mit der „Nellie & Leslie“ auf die Nord- und Ostsee. „Wir waren überall: in England Frankreich, Dänemark, Schweden.“ Damals wohnten sie noch im Ruhrgebiet, sind an den Wochenenden immer hoch gefahren und haben an Bord übernachtet. Das Schiff lag bis 2000 in Bremerhaven.

Alexander Nürnberg, Ingenieur für Schiffsmaschinenbau, ist in Duisburg geboren und hat in Hamburg studiert. 1992 zog er mit seiner Familie nach Krempe und 2003 nach Glückstadt. Den Segler hatte er bereits im Jahr 2000 nachgeholt. Heute besitzt er das Schiff gemeinsam mit Klaus Dellmann, einem Arzt, der am Niederrhein wohnt. Die Männer waren seit der ersten Klasse Schulkameraden. Jetzt restaurieren sie den Elbsegler gemeinsam mit ihren sechs Söhnen im Alter von 23 bis 33 Jahren.

„Ein altes Schiff ist wie ein altes Haus. Daran ist eigentlich immer etwas zu bauen“, sagt Alexander Nürnberg. Der Segler ist 104 Jahre alt, und nun müssen einige Holzplanken ausgetauscht werden, die mit den Jahren etwas morsch geworden sind. „Das machen wir mit Hilfe eines Schiffsbauers.“ Der Platz, auf dem das Schiff zurzeit „hoch genommen“ wird, war ursprünglich ein Werftgelände. „Das ist gut, weil wir die Reparaturarbeiten direkt vor Ort ausführen können.“ Das Schiff liegt seit November auf der Slipanlage.

An der Außenhaut am Rumpf müssen die alten Holzplanken mit der Säge in kleinen Stücken heraus geschnitten werden, damit die alten Planken nachgebaut werden können. Zunächst werden Vorlagen gemacht aus einem dünnen Holz, etwa Lärche oder Eiche. Erst dann beginnt der Nachbau. Die neue Holzplanke wird ausgeschnitten und an diese Vorlage angepasst. Gebogen werden die geraden Holzteile durch eine eigens entwickelte Technik. „Dafür haben wir extra eine lange ,Dampfkiste‘ gebaut.“ In diese wird Wasserdampf hinein gelassen und auf 100 Grad erhitzt. Das so erwärmte und biegsame Holz wird an den Schiffsrumpf angelegt und mit Schraubzwingen in die richtige Stelle eingepasst. „Das ist körperlich ganz schön anstrengend, aber zu zweit oder dritt geht es.“

Eine Bohle hat bis zu 30 Kilogramm Gewicht. Zwölf Planken von bis zu sechs Metern Länge werden ausgetauscht. Insgesamt sind es 50 laufende Meter, fünf Zentimeter stark und bis zu zwölf Zentimeter hoch. Die Fugen werden mit Baumwolle oder Hanf als Verfungungsmasse „kalfatert“. „Das heißt, die Masse wird in die Naht hineingehämmert und gedrückt. Das Ganze wird dann mit Kitt abgedeckt.“ Kitt ist ein Klebe- und Dichtungsmittel. „Die Hauptproblembereiche haben wir mittlerweile erneuert.“

Alexander Nürnberg und Klaus Dellmann haben auch noch Kontakt zu der englischen Familie, die das Schiff bis 1976 zur Fischerei nutzte. 2011 sind sie am 100-jährigen Geburtstag des Seglers hinüber nach England gefahren. „Wir sind dort schon bekannt und hatten gewaltig viele Besucher – auch solche, die auf dem Schiff gearbeitet haben“, erzählt Nürnberg „Der älteste war 96 Jahre alt und damit nur etwas jünger als das Schiff selber. Es war für sie eine große Freude, dass es so lange im ursprünglichen Zustand erhalten bleibt.“

Ende März soll das Schiff wieder zu Wasser gelassen werden. Dann wollen sie erst einmal nach Helgoland fahren. „Dafür brauchen wir aber keine Probefahrt. Es kann gleich losgehen.“

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von
erstellt am 14.Mär.2016 | 16:54 Uhr

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