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Neuer Lehrberuf im Rettungsdienst – Kursus Notfallsanitäter startet in Heide

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

shz.de von
erstellt am 02.Okt.2014 | 15:36 Uhr

Seit Januar 2014 gilt im Rettungsdienst ein neues Gesetz, das zukünftig das Berufsbild bestimmt – das Notfallsanitätergesetz. Bereits zum zweiten Mal starten jetzt 23 Auszubildende ihre Lehrzeit nach der neuen Gesetzgebung bei der Rettungsdienst-Kooperation in Schleswig-Holstein (RKiSH) gGmbH. Der größte kommunale Rettungsdienst in Deutschland hat die Ausbildung in großen Teilen bereits in der Vergangenheit so gehandhabt, wie sie nun gesetzlich vorgeschrieben ist.

Nachdem Anfang August bereits 16 junge Menschen bei der RKiSH ihre dreijährige Ausbildung begonnen haben, startete jetzt der zweite Kursus. Zukünftig haben bis zu 45 Auszubildende pro Jahr die Möglichkeit, einen zukunftssicheren und abwechslungsreichen Beruf bei der RKiSH zu lernen.

Die Besonderheit in diesem Kursus ist, dass acht Teilnehmer aus dem Land Brandenburg die schulische Ausbildung in Heide absolvieren werden.

Der Gesetzgeber hat das neue Berufsbild geschaffen, damit die Bürger von den Besatzungen der Rettungswagen bestmöglich medizinisch versorgt werden, auch wenn kein Arzt vor Ort ist. Schon heute versorgen die Rettungsassistenten die Patienten bis ein Notarzt eintrifft, sofern dies erforderlich ist. Das neue Gesetz will so zur Lösung der Herausforderungen durch den demografischen Wandel beitragen. Außerdem ist die verbesserte, gesetzlich geregelte Ausbildung an die medizinische und technische Weiterentwicklung angepasst.

„Die Ausbildung zum Notfallsanitäter ist umfangreicher und wurde in vielen Inhalten vertieft. Damit wird sie den Anforderungen an die beruflichen Aufgaben deutlich gerechter“, sagt RKiSH-Geschäftsführer Michael Reis. „Und sie wird eine bessere Patientenversorgung mit sich bringen.“

Seit Beschluss Ausbildungs- und Prüfungsverordnung zum Notfallsanitätergesetz im November 2013 hat ein zehnköpfiges Team aus Dozenten und Berufspädagogen der Rettungsdienst-Akademie die Ausarbeitung eines Lehrplans für die neue, auf 2640 Stunden ausgeweitete theoretische und klinische Ausbildung vorangebracht. Bisher lernten die Rettungsassistenten den Beruf nur zwei Jahre. Insgesamt 1200 Stunden in Theorie und Klinik. Diese Ausbildung musste in der Regel durch die Berufseinsteiger selbst finanziert werden. Bei der RKiSH waren die Auszubildenden in der Vergangenheit vom ersten Tag an angestellt, vergütet nach dem Tarifvertrag für Auszubildende des öffentlichen Dienstes. Außerdem dauerte die Lehrzeit bereits drei Jahre, weil das Unternehmen dies zur Sicherheit der Patienten für notwendig hielt.

„Die bewährte, seit 2009 durchgeführte dreijährige Ausbildung zum Rettungsassistenten haben wir in die neue Ausbildung zum Notfallsanitäter überführt. Aufgrund unserer Erfahrungen der letzten fünf Jahre werden wir die Notfallsanitäterausbildung in der gewohnten Qualität anbieten und durchführen können“, so der Leiter der Rettungsdienst-Akademie der RKiSH, Sascha Langewand.

Bei Hilferufen über den Notruf 112 rücken in den nächsten Jahren nach und nach die neu ausgebildeten Rettungsdienst-Spezialisten aus. Im Gepäck haben sie noch umfangreichere Fähigkeiten und Kenntnisse rund um die Notfall-Behandlung von Patienten. Wie bisher kommen sie mit dem Rettungswagen – einer mobilen Intensivstation.

Die Auszubildenden lernen Grundsätzliches zum Aufbau und zur Funktion des menschlichen Körpers, zu akuten Krankheiten und Verletzungen und vor allem, welche Maßnahmen folgen müssen, um bei Notfällen Leben zu retten. Auch bei selteneren Fällen wie Geburten oder Vergiftungen wissen die neuen Notfallsanitäter genau, was zu tun ist.

Ein Ziel des Ausbildungskonzeptes der Rettungsdienst-Akademie ist das Angebot der Ausbildung auf qualitativ höchstem Niveau zur Sicherheit der Patienten über das gesetzliche Maß hinaus. Eine Besonderheit dabei: Die Auszubildenden trainieren als erstes an Simulatoren. Die Hightech-Simulatoren im Erwachsenen-, Kindes- und Babyalter sind so bundesweit noch sehr selten im Rettungsdienst. Mit ihnen kann realitätsnah trainiert werden. Sie reagieren auf Medikamentengaben, Atmung und Puls können kontrolliert werden, sie schwitzen und weinen. Außerdem werden in einer 142 Quadratmeter großen Halle komplexe Unfallszenarien geübt. So wird auch die Arbeit und Kommunikation im Team unter hohem Druck trainiert.

Nicht nur die Ausbildung ist intensiviert worden. Auch die Anforderungen an die praktischen Ausbilder sind gestiegen, so dass für Notfallsanitäter nur noch sogenannte Praxisanleiter mit einer 200-stündigen Zusatzqualifikation diesen Teil der Ausbildung übernehmen. Sie sorgen für die Verknüpfung von Theorie und Praxis und stehen den acht Frauen und 15 Männern in ihrer Ausbildung auf einer der 31 Rettungswachen bei dem 1960 Stunden umfassenden praktischen Teil der Ausbildung zur Seite.

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