zur Navigation springen

Glückstadt : Neuer Bauplan für den Binnenhafen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der Papierhersteller Steinbeis soll als Arbeitgeber erhalten bleiben. Der Binnenhafen soll attraktiver gestaltet werden. Der neue B-Plan vereint viele Anliegen.

von
erstellt am 19.Sep.2014 | 17:00 Uhr

Es war keine Kleinigkeit, über die der Glückstädter Bauausschuss zu entscheiden hatte: Auf dem Tisch lag der neue Bebauungsplan für ein rund 70 Hektar großes Gebiet westlich der Stadtstraße zwischen dem Binnenhafen im Norden und der Straße Im Neuland im Süden. Mittendrin: Die Papierfabrik der Firma Steinbeis. Mit dem Plan werden die Weichen für die zukünftige Entwicklung des weitläufigen Areals gestellt.

An der Ausarbeitung des Entwurfes ist fünf Jahre gearbeitet worden. Mehrere umfangreiche Gutachten, etwa zum Schallschutz oder zu Fragen der Umweltverträglichkeiten, wurden erstellt und berücksichtigt. Die Kosten hat sich die Stadt mit der Firma Steinbeis geteilt. Vor gut drei Wochen war der Bebauungsplan bereits Thema im Bauausschuss. Die Entscheidung wurde vertagt, weil die Politiker noch Zeit für die Prüfung der Gutachten benötigten und diese innerhalb ihrer Fraktionen beraten wollten (wir berichteten). Inzwischen wurden offenbar die verbleibenden Fragen geklärt und der Entwurf in der jüngsten Sitzung einstimmig gebilligt.

Mit der neuen Bauleitplanung verfolgt die Stadt laut Beschlussvorlage zwei Ziele: Zum einen sollen „Planungssicherheit und Erweiterungsmöglichkeiten für vorhandene Gewerbe- und Industriebetriebe“ geschaffen werden, um nach dem Verlust vieler Arbeitsplätze in der Vergangenheit die vorhandenen Betriebe zu halten und zu fördern – darunter insbesondere Steinbeis als größten Arbeitgeber der Stadt.

Zum anderen soll die Südseite des Binnenhafens attraktiv gestaltet und im Hinblick auf den Tourismus aufgewertet werden. Dabei sollen aber „bestehende Nutzungskonflikte mit dem angrenzenden Industriestandort tendenziell aufgelöst beziehungsweise reduziert werden.“ Insbesondere soll mit der neuen Bauleitplanung „jeder Verschärfung der Konfliktlage entgegengewirkt“ werden.

Um diese Ziele zu erreichen, sieht der nun gebilligte Entwurf eine Dreiteilung des Gebietes vor: Während im mittleren Bereich, dem heutigen Gelände der Papierfabrik, auch zukünftig die intensive industrielle Nutzung möglich sein soll, sind im Süden Erweiterungsflächen vorgesehen, auf denen später „papierindustrieaffine“ Betriebe angesiedelt werden könnten. Für diesen Bereich sind jedoch Auflagen, wie zum Beispiel „Lärmkontingente“ festgesetzt worden, um Konflikte mit den Bewohnern von Wohnhäusern westlich der Stadtstraße zu vermeiden.

Der nördliche Bereich zwischen Rhin und Binnenhafen wird in den Planungen als „Sondergebiet Hafen und hafennahe Nutzung“ definiert. Dort soll die Schaffung von Wohnungen für die dauerhafte Nutzung künftig nur noch in Ausnahmefällen möglich sein. Im Fokus stehen hafenbezogene Gewerbebetriebe wie Werften oder touristische Nutzungen.

Glückstadts Bürgermeister Gerhard Blasberg begrüßt die Entscheidung des Bauausschusses: „Ich bin erleichtert, dass diese wichtige Entscheidung einstimmig getroffen wurde.“ Gerade für Steinbeis als Glückstadts bedeutendstes Unternehmen sei es ein „existentiell wichtiger“ Beschluss.

Auch bei dem Papierhersteller wird die Entscheidung zufrieden aufgenommen. Geschäftsführer Dr. Michael Hunold: „Der Beschluss ist gefasst. Das ist positiv für unser Unternehmen und entspricht unseren Erwartungen. Uns ist es wichtig, dass Rechtssicherheit geschaffen wird – nicht nur für unser Unternehmen, sondern auch für alle anderen Anlieger.“

Mit der Billigung des Entwurfes durch den Ausschuss ist der neue Bebauungsplan noch nicht rechtsgültig. Im nächsten Schritt werden die umfangreichen Unterlagen nun vom 6. Oktober bis zum 3. November im Rathaus zur Einsicht ausliegen. Betroffene Bürger haben so die Möglichkeit, den Entwurf zu prüfen und eventuell Einspruch einzulegen. „Ich gehe nicht davon aus, dass es keine Einsprüche geben wird“, sagt Bürgermeister Gerhard Blasberg. „ Das ist auch völlig normal. Vieles beruht eventuell auf Missverständnissen und lässt sich in Gesprächen klären“, so Blasberg. „Natürlich ist es möglich, dass dann eventuell Einzelfragen auch noch gerichtlich geprüft werden müssen. Auch das ist normal.“

Dass nicht alle betroffenen Grundstückseigentümer mit dem Entwurf ähnlich zufrieden sind wie die Firma Steinbeis, wurde bereits deutlich: Während der Sitzung gab es bereits kritische Nachfragen von zwei Anliegern. Sie befürchten, so war ihren Äußerungen zu entnehmen, dass sie bei der zukünftigen Nutzung ihrer Grundstücke durch den neuen Bebauungsplan eingeschränkt werden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen