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Norddeutsche Rundschau

17. August 2017 | 17:26 Uhr

Neuer Ausbildungsweg auf dem Bau

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Studium und Lehre parallel: Neues Modell „StudiLe“ für angehende Bauingenieure / Baubranche insgesamt mit Nachwuchssorgen

Zum Markt der Berufe lädt die Glückstädter Elbschule am Freitag, 2.  Oktober, ein. Von 9 bis 14 Uhr präsentieren sich dort in der Sporthalle 44 Unternehmen, die ihre verschiedenen Ausbildungswege vorstellen wollen. In einer kleinen Serie stellen wir verschiedene Berufssparten vor. Heute: Die Baubranche am Beispiel des Borsflether Unternehmens Peters Bau.

„Der große Vorteil ist, dass man genau weiß, wofür man studiert“, sagt Jan Ratjen. Der 24-jährige Wilsteraner hat in den vergangenen Jahren Pionierarbeit geleistet und einen in der Baubranche neuen Ausbildungsweg beschritten. Er kombinierte eine Ausbildung zum Beton- und Stahlbetonbauer mit einem Fachhochschulstudium im Bauingenieurswesen. „StudiLe“ heißt das Modell, das in anderen Branchen wie dem Maschinenbau schon länger praktiziert wird. Im Bauwesen war Ratjen in Schleswig-Holstein einer der ersten Auszubildenden.

„Die Idee kam von Herrn Ratjen selbst“, berichtet Jan Peters, Inhaber des Bauunternehmens Peters Bau in Borsfleth. Ratjen hatte bei ihm bereits Praktika absolviert und schlug nun den neuen Ausbildungsweg vor. „Er hat mich überzeugt, es zu probieren“, sagt Peters. Ein Jahr lang war Ratjen dann zunächst als Lehrling ganz normal im Betrieb beschäftigt. In den nächsten drei Jahren absolvierte er ein Bachelor-Studium (BA) an der Fachhochschule (FH) Lübeck und arbeitete in den Semesterferien im Unternehmen. Am Ende gibt es zwei Abschlüsse: Den Gesellenbrief des Betonbauers und den BA-Abschluss der FH. Die Ausbildung hat Ratjen bereits mit Auszeichnung abgeschlossen. Nun muss er in den kommenden Monaten noch seine Abschlussarbeit fertigstellen.

Aus Ratjens Sicht hat sich der kombinierte Ausbildungsgang schon jetzt gelohnt. „Das hat große Vorteile, da ich die Probleme auf der Baustelle bereits aus dem Berufsleben kenne“, erklärt er. „Insbesondere im Vergleich zu den Kommilitonen, die direkt von der Schule kommen, konnte ich mehr aus dem Studium mitnehmen.“ Und die Abwechslung in den Semesterferien draußen zu arbeiten, habe ihm gefallen. Auch aus der Sicht seines Arbeitgebers ist das Modell „StudiLe“ sinnvoll: „Die Absolventen kennen das Baugeschäft besser, weil sie praktische Erfahrungen haben“, sagt Peters. Inzwischen leitet Ratjen bereits eigene Projekte für Peters Bau. Sein Chef plant langfristig mit ihm. Der 24-Jährige will sich nach dem BA-Abschluss zunächst voll auf die Arbeit im Unternehmen konzentrieren, dann aber noch ein Masterstudium, das dann in Kombination mit dem BA dem früheren Diplomingenieur entspricht, absolvieren.

Trotz dieser Erfolgsgeschichte blickt Jan Peters eher mit Sorge auf den Ausbildungsmarkt. „Gutes Personal ist schwer zu finden“, sagt der 42-Jährige. Unabhängig vom StudiLe-Modell würde er gern jährlich einen Betonbauer in die Lehre nehmen. „Aber wir bekommen leider nicht jedes Jahr geeignete Bewerbungen.“ Seit etwa sieben bis acht Jahren sei es zunehmend schwieriger geworden die Stelle zu besetzen. Peters sieht mehrere Gründe für seine Nachwuchssorgen. „Auf beiden Seiten sind die Ansprüche gestiegen“, sagt er. Ein Lehrling müsse heute mit mehr Technik zurechtkommen als früher. „Jeder Bagger hat heute GPS“, nennt Peters ein Beispiel. Auch Mathematik-Kenntnisse seien wichtig. Auf der anderen Seite hat der Unternehmer das Gefühl, dass sich weniger gut qualifizierte Schulabgänger bei ihm bewerben. „Die Lehre in der Bauindustrie ist vielleicht etwas aus der Mode gekommen. Die meisten jungen Leute möchten lieber im Büro arbeiten statt draußen auf der Baustelle.“

Janine Hammler, Pressereferentin des Bauindustrieverbandes Schleswig-Holstein/Hamburg hört diese Klagen öfter aus den Betrieben. „Wir haben daher bereits verschiedene Initiativen gestartet, etwa in Verbindung mit der Messe Nordbau in Neumünster, um die Unternehmen in Kontakt mit Schulabgängern zubringen.“

Wirklich verstehen können weder Peters noch Hammler, warum es schwierig ist, die Lehrstellen zu besetzen. Die Arbeit in der Baubranche sei abwechslungsreich und im Vergleich zu anderen Lehrberufen bereits während der Ausbildung gut bezahlt. Auch die langfristigen Aussichten seien sehr positiv. „Fähige Betonbauer werden überall gesucht“, sagt Peters. „Als Unternehmen müssen wir uns schon jetzt Gedanken machen, wie wir die guten Leute dauerhaft halten können.“

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erstellt am 28.Sep.2015 | 17:25 Uhr

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