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Norddeutsche Rundschau

20. Oktober 2017 | 18:33 Uhr

auf der suche : Neue Wege mit alten Fotos

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Kreis- und Stadtarchiv geht mit Bildern von Arthur Zachger an die Öffentlichkeit. Im Internet werden Informationen zu den Fotos gesammelt. Das Vorgehen ist landesweit einmalig.

von
erstellt am 30.Aug.2013 | 05:00 Uhr

Er hatte das Stadtgeschehen immer im Blick: Als Bildjournalist war Arthur Zachger in den 1950-er und 60-er Jahren für unsere Zeitung im Einsatz. Wo immer etwas los war, er war dabei – bei Ereignissen wie Festumzügen, Maifeiern oder Radrennen ebenso wie beim Neubau der Meierei oder Modenschauen von B & H. Doch auch das ganz normale Alltagsgeschehen hielt er fest: spielende Kinder, Schifffahrt auf der Stör, Arbeiter, die im Klosterhof fegen.

Rund 30 000 Negative aus dem Nachlass Zachgers, der 1969 starb, lagern im gemeinsamen Archiv des Kreises und der Stadt. Helmut Lauschke, der ehemalige Inhaber von Foto Albrecht, hat sie digitalisiert. Das Sortieren übernahm Bastian Didszuhn. Während seines Studiums der Informationswissenschaften an der Universität Darmstadt hat er ein Praktikum im Itzehoer Archiv gemacht. In mühevoller Kleinarbeit hat er einen Teil der Bilder geordnet und aufbereitet. Doch das ist schwierig, denn die allermeisten sind nur mit wenigen Schlagworten versehen. „Ich bin nicht in der Lage, alle Bilder zu beschreiben“, erklärt der Bad Bramstedter. Und auch die Mitarbeiterinnen im Archiv wissen zwar vieles und erkennen viele Ansichten wieder, aber nicht alle. Und bei Personen aus der damaligen Zeit müssen auch sie passen: Wer sind etwa der Mann und die Frau, die hinter der Theke einer Itzehoer Schlachterei in die Kamera lächeln? Oder was machen die fünf Männer in dem Boot auf der Störschleife?

„So entstand die Idee, die Bilder der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen“, erklärt Bastian Didszuhn. Unter http://bilder.stadtarchiv-itzehoe.de sind 1700 Zachger-Bilder in Rubriken wie Wirtschaft, Natur oder Veranstaltungen zu sehen. Interessierte können dort einfach nur stöbern oder sich registrieren und dann über eine Kommentarfunktion – auch anonym – etwas schreiben, falls sie eine Person erkennen oder genauere Angaben zu der Situation auf dem Foto machen können. „Im Gegenzug zu der Arbeit, die die Bürger leisten, sind die Bilder für private Zwecke für jeden frei verfügbar“, erklärt Didszuhn.

Über den Sommer habe es bereits einen Testlauf gegeben, bei dem mögliche Benutzer beispielsweise über Facebook zur Mitarbeit animiert wurden, erklärt Archivleiterin Kirsten Puymann. Das habe sehr gut funktioniert. So wurde etwa von Nutzer „Goethe“ eine komplette Fußballmannschaft, die auf einem Bild zu sehen war, namentlich benannt. „Ich hoffe, dass sich ein Stamm an Interessierten herausbildet“, sagt Kirsten Puymann. „Es sind eine ganze Menge Erinnerungen, die beim Betrachten wach werden“, weiß sie. Nicht nur für das Archiv sei die Verschlagwortung wertvoll, sondern zum Beispiel auch für Personen, die zu Zwecken der Ahnenforschung recherchieren. „Man würde die Bilder sonst nie wiederfinden.“ Die Registrierung sei ganz einfach und mit keinerlei Kosten oder Risiken verbunden. Allerdings kann es einige Tage dauern, bis die Nutzer und die Kommentare freigeschaltet sind.

Für das Archiv war der Einsatz Bastian Didszuhns ein Glücksfall. „Wir könnten diese Arbeit nie leisten“, betont die Leiterin. „Es braucht jemanden, der die Zeit und das technische Wissen dafür mitbringt.“ Und nicht nur in der Itzehoer Einrichtung ist man gespannt auf die Resonanz – auch Puymanns Kollegen im ganzen Land schauen sehr genau auf das, was mit dem Zachger-Archiv passiert: „In Schleswig-Holstein sind wir das einzige Archiv, das so mit einem Bildarchiv an die Öffentlichkeit geht.“


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