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Norddeutsche Rundschau

20. August 2017 | 10:29 Uhr

Theaterprojekt : Neue Wege in den Arbeitsmarkt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ein Theater- und Qualifizierungsprojekt in Itzehoe soll die Teilnehmer fit für den Beruf machen. Nach der Premiere des Stücks geht es ins Betriebspraktikum.

Itzehoe | Sie sind schwer zu vermitteln, einige schon lange arbeitslos. Für viele sind diese Menschen nahezu hoffnungslose Fälle, was eine neue Beschäftigung betrifft. Nicht so für für die Macher von JobAct, einem Theater- und Qualifizierungsprojekt des Unternehmens Projektfabrik aus Witten. Es verbindet theaterpädagogische Methoden mit Bewerbungsmanagement, unter anderem sollen Teilnehmer ihre sozialen Kompetenzen stärken − und so wieder einen Job finden. Seit Ende des vergangenen Jahres gibt es auch in Itzehoe eine Gruppe.

20 Teilnehmer gibt es, der jüngste ist 21, der älteste 57 Jahre alt. Die Leitung hat Theaterpädagogin Manuela Stange. „Theaterarbeit als Förderung der Persönlichkeitsentwicklung“, – so beschreibt Stange ihre Arbeit. Ziel sei es, dass die Teilnehmer wieder Freude finden und Kontakte herstellen, so Stange. Denn viele hätten wegen der langen Arbeitslosigkeit den Mut verloren. „Hier bekommen sie Aufgaben und eine Struktur für den Tag.“

Auf zehn Monate ist das im November gestartete Projekt angelegt. In der ersten Phase, die derzeit läuft, proben die Teilnehmer ein Theaterstück. „Reichtum“ lautet der Titel, es stammt ursprünglich aus der Feder des griechischen Dichters Aristophanes.

Parallel zu den Proben durchlaufen die Teilnehmer ein Bewerbungsmanagement. Dafür ist Jil Lindenberg zuständig. „Wir trainieren unter anderem Körperhaltung und Sprache“, erläutert die Bewerbungsmanagerin und Sozialpädagogin. Zudem würden die Teilnehmer bei ihren Bewerbungen unterstützt. Denn nach Abschluss der ersten Phase sollen die Teilnehmer mehrmonatige Betriebspraktika absolvieren, bei denen sie weiter sozialpädagogisch unterstützt werden. Zuvor steht jedoch die Aufführung des eingeübten Theaterstücks auf dem Programm. Ende April soll Premiere sein. „Dazu werden wir unter anderem Arbeitgeber und Handwerksverbände einladen“, erläutert Martin Kreidt, Projektfabrik-Bereichsleiter für die Regionalvertretung Nord. „Wir wollen die Potenziale der Teilnehmer zeigen“, so Kreidt. Ganzheitlich, sozial, individuell − so beschreibt Kreidt den Ansatz des Projektes. Dazu gehöre auch, die Persönlichkeit der Teilnehmer zu entwickeln. Denn mit jeder Absage sinke deren Selbstvertrauen. „Und wir wollen den Fokus wieder auf das Positive lenken“, so Kreidt.

Und was sagen die Teilnehmer? Für Michelle Preiß aus Lägerdorf sind vor allem die Sprechübungen wichtig, denn der 24-Jährigen habe es in Vorstellungsgesprächen häufig an Ausdruck und Selbstvertrauen gemangelt. „Ich habe schon viel mitgenommen. Man spricht deutlicher und verhaspelt sich nicht mehr ständig“, sagt Preiß, die gern eine Ausbildung im kaufmännischen Bereich machen würde.

Steigendes Selbstbewusstsein − das hat auch Sandra Gertz festgestellt. „Man muss über den eigenen Schatten springen“, so die 38-Jährige Itzehoerin, die als gelernte Lack-Laborantin gern im Chemie-Bereich arbeiten würde.

Das Gemeinschaftsgefühl und der Austausch in der Gruppe sind für den 56-jährigen Thomas Pawletzki wichtig. „Man hat sich eingeigelt“, berichtet der gelernte Maschinenbauer. Er gibt offen zu, dass er dem Projekt anfangs skeptisch gegenüber stand. Doch das habe sich geändert, „denn wir erhalten viel Unterstützung“, so Pawletzki.

Finanziert wird das Projekt vom Jobcenter des Kreises Steinburg. „Wir haben lange überlegt, das Projekt beobachtet, uns mit den Verantwortlichen getroffen“, berichtet Bereichsleiter Axel Pietsch. Ergebnis: „Wir sind davon überzeugt.“

Selbes Ziel, neuer Weg − so beschreibt Mitarbeiterin Heike Reher die Intention des Jobcenters. Man suche nach Alternativen, um den Kunden den Weg in den Arbeitsmarkt zu ebnen. Und bei dem Theaterprojekt lernten die Teilnehmer viele Sachen nebenbei und spielerisch. Denn häufig scheitere eine Bewerbung lediglich an Kleinigkeiten. Entsprechend sagt Axel Pietsch: „Wir hoffen, dass wir für den Großteil der Teilnehmer, einen Arbeitsplatz finden.“

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erstellt am 04.Feb.2015 | 17:00 Uhr

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