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Norddeutsche Rundschau

25. November 2017 | 03:08 Uhr

Kirche : Neue Stromkabel für Gotteshaus

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Für 180 000 Euro wird die Elektrik in der St.-Bartholomäus-Kirche modernisiert – und gleichzeitig eine drohende Brandgefahr gebannt

„Lieber finanziell abgebrannt, als Besitzer einer Brandruine.“ Nach dieser Devise will die Kirchengemeinde Wilster jetzt einen – im wahrsten Sinne – brandgefährlichen Zustand in der ehrwürdigen St. Bartolomäus-Kirche beseitigen. Mit einem Kostenaufwand von rund 180  000 Euro wird die gesamte Elektrik in dem Gotteshaus auf den neuesten Stand gebracht. Nächste Woche sollen die Arbeiten starten und dann in der Sommerzeit durchgezogen werden. Für den Vorsitzenden des Bauausschusses im Kirchengemeinderat, Thomas Urch, geht damit eine drei Jahre lange Vorbereitungszeit für eine höchst aufwendige Modernisierungsmaßnahme zu Ende. Zum Vergleich: Bis zur Fertigstellung des 1780 eingeweihten und von dem Hamburger Baumeister Ernst Georg Sonnin entworfenen Kirchengebäudes hatte es nur fünf Jahre gedauert.

Die lange Vorlaufzeit erklärt Urch mit einer Vielzahl von Beteiligten und Vorgaben. Den Grundsatzbeschluss hatte die Kirchengemeinde bereits vor drei Jahren gefasst – nicht zuletzt unter dem Eindruck inzwischen antiquiert wirkender Schalteinrichtungen. So wird die gesamte Elektrik der Kirche über einen hinter dem Altar befindlichen Hebel ein- und ausgeschaltet. „Sofern keine Probleme auftreten“, weist Urch darauf hin, dass es zuletzt immer häufiger Störungen gab. So fiel beim Weihnachts-Gottesdienst auch schon mal die Beleuchtung aus oder die Mikrofonanlage machte Zicken. Grundlegende Reparaturen waren nicht mehr möglich. Es gibt zum Teil nicht einmal mehr Ersatzteile für die offenbar aus den Anfangszeiten des Stromversorgers Preußen Elektra stammenden Schalteinrichtungen. Änderungen, so Urch weiter, seien auch deshalb nicht mehr möglich gewesen, weil die altersschwachen Verkabelungen nur noch Bestandsschutz hatten. So kam nur noch eine Komplettsanierung in Frage.

Die allerdings brachte den gesamten zuständigen Behördenapparat auf kirchlicher und staatlicher Ebene in Bewegung. Es mussten Anträge gestellt und eine Kostenschätzung durch eine Fachfirma eingeholt werden. Der Kirchenkreis befasste sich über den dortigen Finanzausschuss bis hinauf zur Synode mit dem Thema. Auf Landesebene wurden das Landeskirchen-Denkmalamt und die staatliche Denkmalpflege eingeschaltet. Schließlich musste auch noch ein Gutachten durch einen Elektroingenieur erstellt werden. Am Ende gab es neue gesetzliche Bestimmungen, die dann den ursprünglich gesetzten finanziellen Rahmen sprengten. „Hoffentlich gibt es jetzt keine weiteren Überraschungen“, sagt Urch, der sich freut, dass es jetzt endlich losgehen kann. In einem ersten Schritt werden ab 6. Juni allerdings erst einmal die Stadtwerke den Hausanschluss erneuern und auf die erhöhten Anforderungen ausrichten. „Der jetzige Anschluss war eher für ein Gebäude aus den 1950er Jahren gedacht“, erklärt Urch den Handlungsbedarf und fügt hinzu: „Vieles funktionierte zuletzt wohl nur noch aus Gewohnheit.“

Für die Kirchengemeinde Wilster ist es ein Kraftakt. „Wir gehen finanziell bis an den Rand“, so Urch. Immerhin müsse die Gemeinde rund ein Drittel der Kosten selbst aufbringen. Dafür werden aber nicht nur die allenfalls noch aus alten Scheunen oder Kellern bekannten schwarzen Drehschalter verschwinden. Das Gotteshaus bekommt eine komplett neue Verkabelung und ein modernes und energiesparendes Licht- und Stromkonzept. Urch: „Das kann ab Herbst dann zu stimmungsvollen und ungestörten Gottesdiensten und Veranstaltungen beitragen.“ So lässt sich die Beleuchtung künftig je nach Bedarf auch heller oder dunkler dimmen. Die Kronleuchter, auf denen einst Kerzen saßen, werden dazu mit Acrylkerzen ausgestattet. Durch zeitgemäße Leuchtmittel werden auch die im Betrieb recht heißlaufenden Halogenlampen in den Emporen ersetzt. Und die meisten noch auf Putz verlegten Leitungen sollen unsichtbar werden – was allerdings auch Kosten für Maler- und Tischlerarbeiten verursacht. Glück für die Kirchengemeinde: Sowohl die Heizungsanlage wie auch die Orgel sind bereits mit einer neueren Elektrik ausgestattet.

Thomas Urch rechnet damit, dass alle Arbeiten in den nächsten sechs bis acht Wochen abgeschlossen werden können. Bewusst sei die Maßnahme in die Sommerwochen gelegt worden, um Einschränkungen für Besucher so gering wie möglich zu halten. Auch seien die Termine mit anderen Aktivitäten wie Konzerten und Hochzeiten abgestimmt worden. Am Ende steht für die Gemeinde besseres Licht in der Kirche – und das mit einem geringeren Stromverbrauch. Und die Brandgefahr wäre auch gebannt.

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