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Wirtschaft : Neue Pläne für Flüchtlingswohnungen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Heute stellt Bürgermeister Andreas Koeppen auf der Bürgerversammlung im Theater sein Wohnkonzept für Deutsche und Ausländer vor

shz.de von
erstellt am 07.Mär.2016 | 05:09 Uhr

Der Plan steht. Und heute wollen ihn Bürgermeister Andreas Koeppen und Architekt Heyo Buurman auf einer Bürgerversammlung im Theater der Öffentlichkeit vorstellen. Zuvor hatte unsere Zeitung bereits Gelegenheit, einen Blick auf die Entwürfe für die beiden Häuser zu werfen, in denen nach dem Willen von Koeppen und Buurman noch in diesem Jahr Flüchtlinge einziehen sollen. „Uns ist aber wichtig, dass es Häuser für alle sind – für Menschen aller Nationalitäten, denen wir diese Wohnungen anbieten werden“, sagt Koeppen. Es gehe nicht darum, nur einer Bevölkerungsgruppe besonders attraktiven und modernen Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Allerdings ist auch ihm klar, dass die Stadt in den kommenden Monaten vor allem Kapazitäten für Flüchtlinge brauchen wird, denn alle offiziellen Stellen rechnen wieder mit einem Anstieg der Zahlen.

„Deswegen haben wir in den vergangenen Monaten intensiv verschiedene Standorte geprüft, um zu sehen, wo wir sinnvoll Wohnungen bauen können“, sagt Koeppen. Die Verwaltung habe auch „die Containerlösung“ in Betracht gezogen. „Es hieß, dass die schneller und günstiger verfügbar seien“, so Koeppen. „Aber das war ein Irrtum.“ Der Bau der beiden Häuser mit insgesamt 36 Wohneinheiten kostet 2,7 Millionen Euro und sei kaum teurer als der Kauf und das Aufstellen von Containern. „Die hätten auch etwas von Behelfsunterkunft. Container widersprechen unserem Integrationskonzept“, sagt Buurman.

Das beinhalte eine bewusste Auswahl des Standortes. Die Häuser, in denen maximal 104 Menschen wohnen können, sollen längs der Suder Höhe entstehen – einem Sandweg, der von der Suder Allee (Grafik) abzweigt. Die Gebäude fügten sich dort harmonisch in die bestehende Bebauung ein, so Buurman. So hätten die Flüchtlinge die Möglichkeit, sich gut zu integrieren. Dazu gebe es Anschluss an den Öffentlichen Personennahverkehr und genügend Geschäfte in der Nähe. „Und wir haben dort Baurecht, so dass wir schnell anfangen können.“ Wenn das Wetter mitspiele, könnten die Arbeiten noch im April beginnen. „Es ist ein strammes Ziel noch in diesem Jahr fertig zu werden, aber wir glauben, dass wir das schaffen können.“

„Integratives Wohnkonzept Suder Höhe“ hat Buurman seinen Plan genannt. Und das auch deshalb, weil die 36 Einzimmerwohnungen, die sich auf zwei hintereinander liegende Häuser verteilen, modifizierbar sind. „Ein Umbau ist extrem unproblematisch“, sagt der ehemalige Leiter der Bauaufsicht der Stadt. So könnten ohne große Kosten mehrere Wohnformen in den barrierefreien Häusern verwirklicht werden. Aus mehreren kleinen könnten durch einfaches Herausbrechen von Sollbruchstellen und Einziehen von neuen Leichtbauwänden an anderer Stelle, Zwei- oder Dreizimmerwohnungen geschaffen werden. Sogar Wohngruppen mit Flächen von bis zu 100 Quadratmetern seien möglich. „Dazu könnten ein Aufzug eingebaut oder Balkone und sogar eine Terrasse im Obergeschoss geschaffen werden. Barrierefrei sind ohnehin schon weite Teile der Anlage, so dass altersgerechtes Wohnen dort gut möglich ist“, so Buurman. Sogar während der Bauphase könne man die Pläne noch ändern und Einheiten zusammenlegen, wenn Bedarf da sei. Es soll aber keine Wartelisten geben, über die Belegung der Wohnungen soll laut Koeppen im Herbst entschieden werden.

Die Einzimmerwohnungen haben eine Grundfläche von 32 Quadratmetern, eine Küchenzeile, ein Bad sowie Abstellmöglichkeiten. Die Bewohner betreten die Häuser durch ein Treppenhaus, das in einen so genannten überdachten Laubengang mündet, von dem die Wohnungen abgehen. Das ermögliche später auch das Zusammenlegen von Wohneinheiten, so Buurman. Im Obergeschoss gibt es je Haus noch einmal neun Wohnungen, die ebenfalls von einem Laubengang abgehen.

Die Häuser, die am höchsten Punkt etwa sieben Meter hoch sein werden, bekommen begrünte Pultdächer. Zwischen den Häusern bauen die Stadtwerke ein Blockheizkraftwerk, die Wärme nimmt die Stadt ab. „Eine absolute Neuheit“ sei das, so Koeppen. Die Stein auf Stein gebauten Häuser sollen helle Ziegel bekommen. „Wir wollen damit ja auch ein bisschen Aufmerksamkeit erzielen“, sagt Buurman.

Durch die „qualitativ hochwertige Bauweise“ sei eine langfristige Nutzung garantiert, so der Bürgermeister. „Die Lage ist sehr gut, und wir brauchen modernen, bezahlbaren Wohnraum – nicht nur für Flüchtlinge.“

Garantiert sei auch, dass Flüchtlinge, die keine Leistungen mehr aus dem Asylbewerberleistungsgesetz, sondern vom Jobcenter bekommen, in den Wohnungen bleiben können. „Alles andere macht keinen Sinn.“

Koeppen will bei der Versammlung heute ab 19 Uhr für das Konzept werben. Er rechnet mit „großer Zustimmung“. Die Ratsversammlung hat es bereits ohne Gegenstimme beschlossen. Auch die Fraktionsvorsitzenden sind deshalb eingeladen, heute auf dem Podium Platz zu nehmen. Dazu wird der stellvertretende Landespolizeidirektor, Joachim Gutt, über die Sicherheitslage in Itzehoe Auskunft geben.

Koeppen rechnet damit, dass das Theater voll wird. „Und natürlich wird auch der eine oder andere dabei sein, dem unsere Pläne nicht gefallen werden – darüber werden wir dann reden müssen.“

> Die Bürgerversammlung zur aktuellen Flüchtlingssituation in Itzehoe beginnt heute um 19 Uhr im Theater Itzehoe. Einlass ist ab 18.30 Uhr.

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