Inklusion : Neue Perspektiven für junge Menschen

Stolzer Praktikant vor einem  Traktor: Betriebsbesichtigung  bei Hauschildt in  Quarnstedt.
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Stolzer Praktikant vor einem Traktor: Betriebsbesichtigung bei Hauschildt in Quarnstedt.

Wie ein Berufsprojekt Wege in den allgemeinen Arbeitsmarkt öffnet. Ein erster Teilnehmer hat schon einen festen Arbeitsplatz.

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08. März 2014, 08:23 Uhr

Jahrzehntelang war der Lebensweg für Schüler mit Behinderungen vorprogrammiert: Nach dem Besuch der Steinburg-Schule gab es einen Arbeitsplatz in den Werkstätten. Hier wird wertvolle Arbeit geleistet – es gibt jetzt aber auch Alternativen. Das macht das Projekt Übergang Schule und Beruf deutlich. Es soll jungen Menschen mit Förderschwerpunkten in den Bereichen der geistigen, körperlichen und motorischen Entwicklungen helfen, die bislang hohe Hürde zum allgemeinen Arbeitsmarkt zu überspringen. Grundlage ist die Erkenntnis: Mit der richtigen Förderung können auch viele Menschen mit Behinderungen vollwertig am Leben in der Gesellschaft teilhaben.

In enger Kooperation mit der Steinburg-Schule hat für den Kreis das Regionale Bildungszentrum (RBZ) die Projektkoordination unter Federführung des Lehrers und Sozialpädagogen Rainer Albath übernommen.

Die praktische Umsetzung erfolgt unter der Regie der Brücke SH. Und deren Mitarbeiter Miriam Kaufmann und Ingo Gaube können zweieinhalb Jahre nach Projektstart eine positive Bilanz ziehen und auch erste Erfolge vermelden.

Im Kern läuft es für die beteiligten Schüler so ab: Im ersten Jahr – stets neben dem regulären Schulunterricht – wird eine persönliche Zukunftsplanung erarbeitet. „Dabei steht immer der Betroffene im Mittelpunkt. Wir sprechen über spezielle Interessen, besondere Stärken, und wo die jeweiligen Fähigkeiten liegen“, erläutert Miriam Kaufmann.

Im zweiten Projektjahr stehen zum Teil längere Praktika im Vordergrund. Dabei können Verantwortungsbewusstsein und Durchhaltevermögen beobachtet werden. Im dritten Jahr gibt es dann eine Nachbetreuung – vor allem, um die zuvor gemachten Erfahrungen und Erkenntnisse zu verstetigen. Hier kommt dann auch eine weitere große Herausforderung auf die Schüler zu. Sie müssen sich und ihre Fähigkeiten erstmals selbst präsentieren.

Der Startschuss war mit 14 Schülern gefallen. Von dieser Gruppe haben sechs jetzt bis zum Ende durchgehalten. In jedem Jahrgang kommen allerdings auch zwölf bis 14 neue Schüler hinzu. „Für viele sind die Werkstätten schon der richtige Weg“, weiß Miriam Kaufmann. In den Praktika werde allerdings auch deutlich, dass es andere Perspektiven gibt. „Für viele Teilnehmer bietet sich damit auch einmal ein ganz anderer Blick auf die Dinge“, umschreibt Rainer Albath einen Vorteil. Hinzu komme, dass zahlreiche Praktikanten mit ihrem Einsatz so manchen Arbeitgeber positiv überrascht hätten. „Wir haben von allen nur gute Rückmeldungen erhalten“, freut sich Albath. Miriam Kaufmann lobt in diesem Zusammenhang die dem Thema Inklusion gegenüber sehr aufgeschlossen gegenüberstehenden Arbeitgeber.

Ein weiterer Erfolg ist für Rainer Albath, dass sich allein schon durch das Projekt „in vielen Köpfen etwas bewegt hat“. Sein eigenes Haus geht dabei offenbar mit bestem Beispiel voran. Einer der Teilnehmer hatte hier ein Praktikum in der Hausmeisterei absolviert – was, wie Albath bekennt, durchaus diskutiert worden sei. Das Ergebnis aber ist ein voller Erfolg: Der junge Mann hatte sich am RBZ so gut gemacht, dass er jetzt eine feste Stelle als Hausmeistergehilfe bekommt.

Ingo Gaube ist ohnehin davon überzeugt, dass das kein Einzelfall bleiben wird. „In allen Menschen, auch in den Schwächsten, steckt noch etwas drin“, ist er von weiteren Erfolgsmeldungen aus dem Projekt „Übergang Schule und Beruf“ überzeugt. Hinzu kommt, so ergänzt Miriam Kaufmann, dass bei dem Thema „alle Beteiligten an einem Strang ziehen“. Den weiteren Weg soll zudem eine große Regionalkonferenz zu diesem Thema ebnen, die am 14. April stattfindet.

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