Glückstadt : Neue Leuchttürme entstehen

Im Frühherbst werden die alten Wegweiser für die Schifffahrt am Neuendeich und im Deichvorland abgerissen


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2017-03-31 05:12:38.0, 2017-03-31 05:12:38.0 Uhr

Der Leuchtturm am Neuendeich wird abgerissen. So sehen es die Pläne des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) vor. Für viele Glückstädter ist der 33 Meter hohe rot-weiße Bote fast ein Wahrzeichen. Auch wenn er mit seinen 140 Treppenstufen im Inneren bis zur dreieckigen Laterne hinauf nicht begehbar ist. Nach dem Abriss wird am selben Standort ein 42 Meter hoher Neubau stehen. Und: „Auch das kleinere Unterfeuer im Deichvorland in Höhe Glückstadt-Kimming wird noch in diesem Jahr einem Neubau weichen“, erklärt Jürgen Behm, Sachbereichsleiter für Verkehrswesen und Liegenschaften beim WSA in Hamburg.

Ein Trost: „Das Erscheinungsbild der beiden neuen Glückstädter Leuchtfeuer bleibt weitestgehend erhalten“, verspricht er. „Die neuen Türme werden ebenfalls rot-weiß gestrichen sein. Auch das Erscheinungsbild – Form und Leuchtfeuerhaus – versuchen wir weitgehend nachzubilden.“ Damit Kapitäne auf der Elbe nicht im Dunkeln tappen, wird übergangsweise auf dem Willi-Holdorf-Sportplatz ein „Behelfs-Leuchtfeuer“ errichtet.

Die beiden alten Leuchttürme sind inzwischen 80 Jahre alt und wurden seinerzeit in Stahlbetonbauweise errichtet. Beide Leuchtfeuer gehören nach Angaben des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) zur so genannten Richtfeuerlinie Glückstadt und sind in ihrer Funktion als Leuchtfeuerträger, aber auch als Tagessichtzeichen für die Schifffahrt auf der Unterelbe wichtig.

„Bringt man von See kommend das Unterfeuer und das Oberfeuer in Deckung, so befindet man sich genau in der Mitte der für die Schifffahrt bereit gestellten Fahrrinne in Fahrtrichtung Hamburg“, erläutert Behm. Auch im Zeitalter moderner elektronischer Seekarten und Ortungssysteme seien die althergebrachten Leuchttürme unabdingbar. Die moderne Technik könne auch in Sachen Schiffsverkehr „das Leuchtfeuer zwar ergänzen, aber niemals ersetzen“. Der Grund liegt dabei auf der Hand: Bei den immer größer werdenden Containerschiffe erreicht der Fahrstand eine Brückenhöhe von über 40 Meter über der Wasserlinie.

Baulich sind die beiden Glückstädter Leuchtfeuer aus Stahlbeton darum nicht nur sanierungsbedürftig, sondern müssen erhöht werden – wegen der beschriebenen Brückenhöhen moderner Containerschiffe ebenso wie wegen hoher Hausbauten. So wurden die Glückstädter Leuchtfeuer vor einigen Jahren tatsächlich bundesweit in Zusammenhang mit einem Schildbürgerstreich bekannt. Denn die Richtfeuer erfüllten ihren Zweck nicht mehr richtig, weil Hausbesitzer im Glückstädter Nobelviertel Kimming den Richtstrahl zwischen Ober- und Unterfeuer verbaut hatten. Ein Warfthaus war sogar zwei Meter höher als erlaubt gebaut worden. Die Schiffe auf der viel befahrenen Elbe hatten und haben damit auch heute noch ein Problem. Vor allem bei Niedrigwasser. Lange wurde gestritten, ob die Häuser zurückgebaut werden müssten. Sie stehen immer noch. Jetzt wird das Problem durch den Neubau der zwei Leuchtfeuer aus der Welt geschafft.

Der Abriss der bisherigen Leuchtfeuerbauwerke und die Neuerrichtung sind nach Darstellung des WSA die wirtschaftlichste Variante. Das Oberfeuer Glückstadt an der Straße „Am Neuendeich“ soll am bisherigen Standort mit einer Höhe von rund 42 Meter neu errichtet werden. „Hierzu wird es an der Ecke Am Neuendeich/Jahnstraße eine Gründung geben. Ob gerammt wird oder eine Bohrpfahlgründung zum Tragen kommt, steht nach Angaben von Jürgen Behm noch nicht fest. Fakt ist, dass der untere Teil des neuen Oberfeuers aus einem Betonsockel bestehen wird. Auf diesen werden dann die vorgefertigten Teile des eigentlichen Leuchtturmes montiert.

Dies gilt auch für das jetzige Unterfeuer im Deichvorland. Dieses soll nach Angaben des WSA durch ein etwa 21 Meter hohes Bauwerk ersetzt werden.

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