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Norddeutsche Rundschau

24. Oktober 2017 | 10:07 Uhr

Druckerei : Neue Jobs nach Prinovis

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

61 Beschäftigte der Itzehoer Druckerei Prinovis, die im April 2014 geschlossen wird, haben bereits eine neue Stelle gefunden, zum Beispiel bei Vishay in Heide. Die Agentur für Arbeit hilft direkt im Werk.

von
erstellt am 12.Dez.2013 | 05:00 Uhr

„Ich habe gerne bei Prinovis gearbeitet“, daran lässt Sebastian Schmidt aus Reher keinen Zweifel. Doch als bekannt wurde, dass die Itzehoer Druckerei Ende April 2014 geschlossen wird, war für den 31-Jährigen klar: „Es muss weitergehen.“ Abfindung, Transfergesellschaft – für den langjährigen Mitarbeiter war das keine Option. Schon im Februar, als ein Sozialplan noch gar nicht zur Debatte stand, bemühte er sich um einen neuen Arbeitsplatz. Und er wurde schnell fündig: Als Hersteller von Druckformen beherrscht er auch die chemische Technik des Galvanisierens. Damit war er für das Heider Werk des Halbleiter-Herstellers Vishay wie geschaffen. Früher beschichtete er Druckformen, jetzt verzinkt er elektrische Widerstände und ist damit einer der ersten der rund 600 Stammarbeiter von Prinovis, die einen neuen Job gefunden haben.

Auch neun weitere Kollegen von Sebastian Schmidt kamen bei Vishay in Heide unter – alle mit Zwei-Jahres- oder Festverträgen, der Älteste von ihnen ist 51 Jahre alt. Dank einer guten Auftragslage entschied sich das Unternehmen in diesem Jahr für eine Erweiterung um insgesamt 60 Mitarbeiter. „Die Galvaniseure von Prinovis kamen uns wie gerufen“, sagt Personalchefin Maren Dobelstein. Und nachdem sie das Berufsbild des Druckers differenziert betrachtet habe, habe sie auch dort Überschneidungen mit der eigenen Produktion erkannt. Bei Vishay sind die Drucker jetzt Maschinenführer: „Viele Arbeitsabläufe sind dieselben. Bei Prinovis kamen aus den Maschinen Zeitschriften heraus, bei uns sind es Elektroteile“, so Dobelstein.

Mehr als 1000 Mitarbeiter sind von der Prinovis-Schließung betroffen – davon neben den 600 Stammarbeitnehmern knapp 300 Leiharbeiter. 61 sind bislang bei anderen Unternehmen in Lohn und Brot. Fachkräfte wie Industriemechaniker, Elektroniker oder Betriebsschlosser hätten gute Chancen in der Region, sagt der Geschäftsführer der Arbeitsagentur Heide, Ronald Geist. Einige haben jedoch auch ihre Koffer gepackt und in Süddeutschland Arbeit gefunden oder in der Schweiz, wo momentan Drucker sehr gefragt sind. 15 Mitarbeiter hätten sich bereits für eine Umschulung zum Beispiel zum Maler, zum Sanitär- und Anlagenmechaniker oder zum Elektroniker entschieden. Alle Auszubildenden seien versorgt, zwei übernahm zum Beispiel das Zementwerk Holcim in Lägerdorf (wir berichteten).

25 Mitarbeiter hätten sich zudem entschieden, Angebote zum Wechsel an andere Standorte anzunehmen, erklärt Unternehmens-Sprecher Alexander Adler auf Anfrage. „Weitere Angebote werden derzeit geprüft.“

Gemessen an der Gesamtzahl der Beschäftigten sind diese Zahlen noch klein. Die Arbeitsagentur, die mit fünf Mitarbeitern im Prinovis-Werk berät, wünscht sich teilweise mehr Resonanz bei Beratungsgesprächen und Bewerbungstrainings. Vielleicht habe noch nicht jeder realisiert, dass er sich schnell um einen neuen Arbeitsplatz bemühen müsse, meint Ronald Geist. Denn noch hat niemand eine Kündigung in der Hand, die gibt es erst zum Jahresende. „Ich denke, dass der Wille, weiter zu arbeiten, noch stärker sichtbar wird, wenn die Kündigungen ausgesprochen, wenn Aufträge ausgelagert und erste Maschinen abgebaut werden.“

„Viele haben den Klick noch nicht gehört“, meint auch Sebastian Schmidt. Für ihn sei von vornherein klar gewesen, dass er den Tag X nicht abwarte. Auf eine Abfindung könne er gerne verzichten, wenn er dafür eine neue Perspektive habe. „Es liegt an jedem selbst“, sagt der 31-Jährige. Wer sich bemühe, habe durchaus Chancen auf eine neue Beschäftigung. Eng werde es nur für ältere Mitarbeiter: „Gerade für viele ältere Kollegen wird es wahrscheinlich keine Möglichkeiten geben.“

> Die Arbeitsagentur berät die Prinovis-Mitarbeiter direkt vor Ort in Itzehoe. Es werden Seminare „Wege in den Job“ angeboten. Arbeitgeber, die offene Stellen oder Umschulungen für ehemalige Prinovis-Kräfte anbieten, können sich bei der Arbeitsagentur melden. Ansprechpartnerin rund um Prinovis ist Yvonne Stichnau, 04821/9595-420, Yvonne.Stichnau@arbeitsagentur.de.

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