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Norddeutsche Rundschau

24. Oktober 2017 | 01:28 Uhr

Umgezogen : Neue Heimat für junge Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Via Nova bezieht mit zehn jugendlichen Ausländern umgebauten Wohnblock in Tegelhörn.

von
erstellt am 16.Dez.2016 | 17:00 Uhr

Der eine entschied sich für Grün. Ein anderer für ein knalliges Blau. In ihren Zimmern durften die jungen Bewohner selbst gestalten. Seit wenigen Tagen haben zehn minderjährige Flüchtlinge ein neues Zuhause: Sie sind mit der Jugendhilfeeinrichtung Via Nova in einen Wohnblock in Tegelhörn gezogen. Diesen hatte das Wohnungsunternehmen Wankendorfer zuvor umfangreich umgebaut.

Die Jugendlichen sind 14 bis 18 Jahre alt, kommen aus Eritrea, Afghanistan und Syrien und waren bisher in einem Haus in der Innenstadt untergebracht. Dieses hatte der Kreis Steinburg der Via Nova zur Verfügung gestellt, der mit dem Jugendamt für die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge zuständig ist. So hießen sie bisher, die neue Sprachregelung für rund 80 Betroffene im Kreis laute „unbegleitete minderjährige Ausländer“, sagt Torsten Tetzlaff, Einrichtungsleiter der Via Nova. „Auch nicht besonders glücklich.“

Während der Flüchtlingswelle im Herbst 2015 wurde schnell klar, dass die Unterbringung der Minderjährigen ohne Begleitung ein Problem werden würde. Der Kreis konnte mit seinem Gebäude nur vorübergehend helfen, die Via Nova nahm Kontakt mit der Wankendorfer auf. Dort fand sich das Gebäude in Tegelhörn, leer und teils entkernt. Die Voraussetzungen stimmten, der Antrag bei der Stadt auf Nutzungsänderung lief glatt durch. Bis zur endgültigen Entscheidung der Wankendorfer dauerte es danach. Tetzlaff wollte schon aufgeben, aber Via-Nova-Geschäftsführerin Marion Thiel blieb optimistisch. Zu Recht, bei der Wankendorfer fiel die „gute und richtige Entscheidung“, sagt Ulrik Schlenz, der erst danach in den Vorstand kam. 260  000 Euro wurden in das Wohnhaus gesteckt. „Diese Investition passt zur Ausrichtung des Unternehmens in Bezug auf Flüchtlinge“, so Schlenz mit Blick auf Bauprojekte in anderen Städten.

„Es geht viel darum, erstmal Sicherheit zu schaffen“, beschreibt Tetzlaff die Zielrichtung der Via Nova. Das sei die Voraussetzung dafür, dass den Flüchtlingen die Orientierung in der hiesigen Gesellschaft gelinge. Sie werden im Alltag begleitet und gefördert, so sollen sie auf ein selbstständiges Leben vorbereitet werden. Zudem hat jeder Jugendliche einen Vormund. Die Kosten für die Betreuung trägt das Jugendamt, und dieses habe, so Tetzlaff, Wert gelegt auf einen Standard, der der deutschen Jugendhilfe entspreche.

Ein sechsköpfiges Team der Via Nova kümmert sich rund um die Uhr um die jungen Flüchtlinge, hinzu kommt eine Hauswirtschaftskraft. Jeder hat ein eigenes Zimmer, auch die Bäder der früheren Wohnungen wurden hergerichtet. Diensträume und ein Büro für die Mitarbeiter entstanden, im Erdgeschoss gibt es einen großen Gemeinschaftsbereich mit Wohnzimmer und Küche. „Es sind ideale Bedingungen, die Sie hier bieten können“, freut sich Wankendorfer-Vorstand Schlenz. Es werde versucht, ein familiäres Gefühl zu erzeugen, sagt Gruppenleiterin Anita Bergen. Aber es sei schwierig: „Wir sind nicht ihre Familie, sie haben mit kulturellen Hürden zu kämpfen. Dafür schlagen sie sich recht gut.“ Und wer 18 Jahre alt werde, für den sei die Jugendhilfe in der Regel beendet. Der Übergang in eine eigene Wohnung sei eine echte Herausforderung. Hinzu komme, dass grundsätzlich alle einen unsicheren Status hätten, bis über ihren Asylantrag entschieden sei, sagt Anita Bergen. Jetzt liefen aber erst die Anhörungen – und gerade die Menschen aus Afghanistan seien verstärkt mit dem Thema Abschiebung konfrontiert.

Sicher gebe es Menschen in der Umgebung des Wohnblocks, die die neue Einrichtung kritisch sähen, weiß die Gruppenleiterin. Doch eine Einladung an die Nachbarn stieß auf gute Resonanz. Und nicht nur das: „Diejenigen, die da waren, waren uns zugewandt.“

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