zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

20. Oktober 2017 | 09:08 Uhr

Vereine : Neue Heimat für die echte Liebe

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Anhänger von Borussia Dortmund ziehen nach dem Feuer in neues Vereinsheim am Sandberg

shz.de von
erstellt am 07.Aug.2015 | 12:14 Uhr

Einer der kleinsten Fans fühlt sich schon pudelwohl. Die sechsjährige Ruby turnt durch das neue Vereinsheim des Fanclubs von Borussia Dortmund in Itzehoe, das gerade am Sandberg im ehemaligen Pankookenhuus entsteht. „Da muss jetzt nur noch der Jürgen Klopp an die Wand“, sagt die Sechsjährige. Denn Ruby ist Fan des Kulttrainers, der bis zum Ablauf der vergangenen Bundesligasaison Borussia Dortmund gecoacht hat. Sein Konterfei zierte die Wand des alten Fanclubs, der ein paar hundert Meter weiter am Sandberg war – und vor einigen Wochen ausgebrannt ist. Am 15. September soll das neue Vereinsheim, das auch ein Lokal für jedermann werden soll, offiziell eröffnet werden.

„Nach dem Feuer, das unser Vereinsheim Echte Liebe Treffpunkt Südtribüne verwüstet hat, waren wir erst mal schockiert“, sagt Rubys Vater Dennis Siemer, Vorsitzender des Fanclubs. Noch immer ist unklar, wer das Feuer gelegt hat. „Die Ermittlungen in Richtung Brandstiftung dauern an“, sagt Polizeisprecherin Merle Neufeld. Doch die Mitglieder des Fanclubs schauen nach vorn. „Weil wir nicht wissen, wann die Versicherung zahlt, und unklar ist, wann wir in unser altes Vereinsheim zurückgekonnt hätten, haben wir uns Ersatz besorgt“, sagt Siemer. Das Angebot von Guntram „Atze“ Horst, das leer stehende Lokal zu nutzen, kam ihm da gerade recht. „Wir haben das mit den Mitgliedern diskutiert und uns dann dafür entschieden“, sagt Siemer. Sein Vater spendierte ein paar Eimer gelbe Farbe, eine Tante ein paar Folien für die Fenster, dazu kamen Spenden für die Erstausstattung, die Renovierung haben die Vereinsmitglieder in Eigenleistung erbracht. Zwei Dartautomaten gibt es schon. „Was natürlich zu einem Vereinsheim fehlt, sind die Fernseher“, sagt Siemer, der hofft, dass er zur Eröffnung auch wieder Spiele seines Lieblingsclubs zeigen kann.

Noch immer trauert der 31-Jährige dem alten Vereinsheim nach. „Dort sind viele Erinnerungen verbrannt, Schals, Fahnen – vieles von dem, was uns mit Dortmund verbindet, ist unwiederbringlich weg“, sagt Siemer. Heute wird er mit einigen anderen Fans nach Dortmund reisen, um dort offizieller Fanclub des BVB Dortmund zu werden. „Das war schon immer ein Ziel von uns.“

Am meisten hat Siemer die Unterstützung beeindruckt, die sein Club nach dem Feuer bekommen hat. „Alle haben uns gesagt, dass wir weitermachen sollen – es gab Mails aus Leverkusen, Hamburg und sogar aus Gelsenkirchen. Alle wissen, dass so eine Aktion wie mit dem Feuer nichts mit Fußball zu tun hat.“

Dieser Rückhalt gab Siemer die Kraft weiterzumachen. Und das auch in deutlich kleineren Räumen, denn im neuen Vereinsheim haben die Mitglieder nur rund 50 Quadratmeter zur Verfügung, vorher waren es 130. Aber Siemer hat schon ausgerechnet, dass es für 30 Sitzplätze reichen müsste, die restlichen Fans müssten halt stehen – das schaffe ja auch ein bisschen ein Gefühl wie auf der Original-Südtribüne im Dortmunder Stadion. Und dann könne man positiv in die Zukunft blicken – sowohl die Fans als auch der Verein. Für seine Tochter Ruby ist das Saisonziel jedenfalls schon klar: „Wir werden wieder Deutscher Meister!“

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen