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Norddeutsche Rundschau

21. August 2017 | 01:14 Uhr

Bildung : Neue Grundschule für Herzhorn

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Schulverband Glückstadt investiert 3,5 Millionen Euro. 1556 erster Unterricht in einer der ältesten Landschulen in Schleswig-Holstein.

Im Oktober 1955 weihte Minister Ernst Engelbrecht-Greve die neue Grundschule in Herzhorn ein. Jetzt soll wieder eine neue gebaut werden. Geplant in den Jahren 2018 und 2019. Das hat der Schulverband Glückstadt, zu dem die „Schule am Deich“ gehört, entschieden. Auf der jüngsten Schulverbandssitzung wurden dafür 3,4 Millionen Euro für die nächsten beiden Jahre in den Haushalten eingestellt.

Hintergrund: Das jetzige Schulgebäude entspricht nicht mehr dem baulichen Stand und den pädagogischen Anforderungen. „Die Bausubstanz weist Feuchtigkeit und in einigen Bereichen Versackungen auf, der energetische Stand ist veraltet“, begründet Bürgermeister Wolfgang Glißmann den Handlungsbedarf. „Und es fehlt Platz für den differenzierten Unterricht mit Gruppenräumen. Außerdem ist die Nachmittagsbetreuung zurzeit nur provisorisch untergebracht und für ein Lehrerzimmer sowie den Hausmeister fehlen Räume.“

Ein Architekt stellte die Kosten für eine Sanierung und einen Neubau gegenüber. Dabei kam heraus, dass eine Sanierung über 70 Prozent der Neubaukosten erreichen würde. Deshalb wurde im Schulverband der Grundsatzbeschluss für einen Neubau gefasst. Zuständig für die Planung und Bauunterhaltung des Schulverbandes ist Ester Patyk im Fachbereich Technik und Stadtentwicklung im Glückstädter Rathaus.

Im vergangenen Sommer bereiste sie zusammen mit Herzhorner Lehrkräften Schulen, die erst in den letzten Jahren neu gebaut worden sind. Patyk: „Dabei haben wir interessante Erkenntnisse gewonnen und haben auf dieser Grundlage ein Raumprogramm entwickelt, das von der Schulleitung, den Bürgermeistern aus Herzhorn und Kollmar sowie der Schulverbandsvorsitzenden Manja Biel abgesegnet wurde und für uns die weitere Planungsgrundlage ist.“

Gebaut werden soll die neue Schule mit vier Klassenräumen mit jeweils einem Gruppenraum, sowie Fachräumen für Musik, Kunst und Kochen. Um ein geeignetes Planungsbüro für den Neubau zu finden, wurde kürzlich eine europaweite Ausschreibung veröffentlicht. „Aus den eingereichten Bewerbungen haben wir drei Architektenbüros, drei Statiker und vier Haustechnikplaner ausgewählt, die sich im Februar mit ihren Plänen vorstellen werden“, sagt Ester Patyk.


Auswahlgerium entscheidet


Ein Auswahlgremium aus Schulleitung, Bürgermeistern, Schulverbandsvorsitz und Verwaltung wird dann über die Auftragsvergabe entscheiden. Die veranschlagten Bau- und Planungskosten von 3,5 Millionen Euro sind auf der Grundlage des Raumprogramms mit standardisierten Einheitspreisen ermittelt. Patyk betont, dass dazu noch Kosten für den Abbruch, die Erschließung, eine eventuelle Gründung, die Außenanlagen, die Inventarausstattung und die Unterbringung der Schüler während der Bauzeit kommen. Als erste Baumaßnahme muss im kommenden Jahr die Trennung der Heizung von Schule und Sporthalle erfolgen, denn bisher laufen beide Gebäude über die Heizungsanlage in der Schule.

Wie die Schule später aussehen wird, ist noch offen und wird erst nach der Vorstellung der Planungsbüros entschieden. Denkbar ist eine eingeschossige oder zweigeschossige Bauweise. Auch der genaue Standort und die Unterbringung der Schüler während der Bauzeit sind noch in der Entscheidungsfindung.

Bei allen Planungen ist die Herzhorner Schulleiterin Carola Frank-Heyse mit eingebunden: „Ich bin dankbar für die gute Zusammenarbeit. Unsere Wünsche sind bisher alle berücksichtigt worden.“ Auch Schulverbandsvorsteherin Manja Biel steht hinter den Plänen: „Ich finde es gut, dass wir uns zukunftsfähig aufstellen und mit dem neuen Raumkonzept die pädagogischen Herausforderungen gerade im Bereich der Inklusion besser bewältigen können.“


Schule mit langer Tradition


Die Schule in Herzhorn ist eine der ältesten Landschulen in Schleswig-Holstein. Bereits 1556 wurde dort nach der Reformation eine Schule eingerichtet. Wie in der Herzhorner Chronik nachzulesen ist, soll der erste Unterricht in einer kleinen Kate abgehalten worden sein, die auf dem Kirchengrundstück stand. Neben den Aufgaben des Unterrichtens musste der Lehrer damals die Betreuung der Kirchengerätschaften und die Verrichtung der niederen Kirchendienste wie das Singen bei Beerdigungen übernehmen. 1818 erfolgte ein „Anbau von neuen Schulstuben“. Aber bereits im September 1823 brannte das Schulgebäude ab und wurde ein Jahr später als Neubau zusammen mit dem Diakonat neben der Kirche wieder eingeweiht. Dieses Gebäude stand bis 1955 als ortsprägendes Bauwerk an der Kirchenwettern. Die höchste Schülerzahl erreichte die Schule 1947 mit 287 Schülerinnen und Schülern, bedingt durch den Zuzug der Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg. Das jetzige Gebäude wurde im Oktober 1955 eingeweiht, es hat 230  000 Mark gekostet. Durch den Zusammenschluss zum Schulverband Glückstadt wurde aus der Volksschule eine Grundschule. Heute besuchen 90 Kinder diese Schule.

Der geplante Neubau wäre dann das vierte Schulgebäude in Herzhorn. Damit kann die 460-jährige Schulgeschichte an diesem Standort um eine weitere Epoche fortgeführt werden.

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