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Wasmer-palais : Neue Formsteine für historische Nordfassade

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ein denkmalgeschütztes Haus mit viel Geschichte: Die hintere Fassade des Wasmer-Palais in Glückstadt wird neu gemacht. Nach Bauhistorischen Erkenntnissen. Grund für die Sanierung ist der Abriss des ehemaligen Schulgebäudes.

Durch den Abbruch der ehemaligen Gebäude der Bürgerschule zwischen Königstraße und Kommandantengraben entstand an der Nordfassade des Wasmer-Palais eine große klaffende Wunde, weil die beiden Gebäude direkt aneinander gebaut waren. „Die offene Stelle im Dach war schnell geschlossen“, teilt Ester Patyk vom Bauamt der Stadt Glückstadt mit. Die Art und Weise jedoch, wie die Fassade zu schließen sei, wurde bis ins Detail mit einem Bauhistoriker, einem Restaurator und Vertretern der Denkmalbehörden „ausgetüftelt“. Diese Arbeiten sollen nun bis Ende Oktober abgeschlossen werden.

Das Wasmer-Palais stammt aus dem Jahr 1708 und ist eines der bedeutendsten Baudenkmale in Glückstadt. „Ereignisse aus seiner langjährigen Geschichte haben einige Spuren im Mauerwerk hinterlassen“, erklärt Ester Patyk. Diese galt es zu finden, zu lesen und zu entscheiden, welche Spuren besonders erhaltenswert sind.

In der baugeschichtlichen Dokumentation des Bauhistorikers Dr. Holger Reimers heißt es dazu: „Unter den Aspekten Substanzerhaltung und Bewahrung des historisch gewachsenen Zustandes als denkmalpflegerische Ziele für den Bereich, der außerhalb des Schulanbaus lag, kann auch für den aktuellen Bearbeitungsbereich ein Zustand in Anlehnung an den von 1879 angestrebt werden, wenn man die Gesamterscheinung der symmetrischen Fassade harmonisieren möchte.“

1879 wurde eine Mädchenschule angebaut. Das Wasmer-Palais selbst wurde bereits seit 1876 als Knabenschule genutzt. Der Anbau hatte zur Folge, dass sechs Fenster in der Nordfassade des Wasmer-Palais zugemauert wurden. Als Ersatz wurden an der Westfassade neue Fensteröffnungen geschaffen. „Die hervorstehenden gemauerten Faschen um die zugemauerten Fenster herum wurden abgeschlagen. Auch das Dachgesims wurde entfernt, um eine glatt senkrecht durchgehende Wand zu erzielen, die dann mit Innenputz versehen wurde.“

Nach Abbruch der Schule im vergangenen Jahr galt es, nicht nur das Dach in seiner ursprünglichen Walmdachform, sondern auch das Gesims und die Faschen wieder herzustellen. Für das Gesims wurden eigens dafür in Glückstadt gebrannte Formsteine verwendet. Die Vermauerung der Fenster wurde belassen als Zeugnis des Baus in 1879.

Patyk: „Das neue Erscheinungsbild wird ungewohnt sein, da der überarbeitete Teil der Fassade nicht mehr den rohen Stein zeigt, sondern die Art der Oberflächen und die Farbgebung sich an den vorgefundenen Farbresten aus der Zeit um 1879 orientieren.“ So waren gliedernde Elemente wie Gesims, Gurtbänder, Pfeiler und Faschen grau abgesetzt vor einer rötlich lasierten Steinoberfläche.

Es wurde, in enger Abstimmung mit den Denkmalschutzbehörden, Wert darauf gelegt, so viel wie möglich der alten Bausubstanz und der Spuren darin zu erhalten. Die Fassade erscheint dadurch beim ersten Anblick eventuell etwas rau und unfertig. Bei den Baumaterialien wurde, auch aus bauphysikalischen Gründen, traditionellen Produkte, wie Muschelkalkmörtel und Kalkfarbe genommen. „Es ist vorgesehen, die Fassade als Ganzes wieder zu harmonisieren, sobald auch die übrige Fassadenfläche überarbeitet werden kann.“

Die Baukosten liegen insgesamt bei rund 100 000 Euro brutto. Die Durchführung der Maßnahme war nur möglich, weil sie zu ungefähr 50 Prozent von der Aktiv-Region Steinburg finanziell unterstützt wurde. Patyk: „Das Landesamt für Denkmalpflege hat freundlicherweise das bauhistorische Gutachten und ein detailliertes Aufmaß finanziert.“

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