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Naturschutz : Neue Brutplätze für bedrohte Vögel

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Glückstädter NABU-Gruppe bringt Nistinseln für seltene Trauerseeschwalben auf zwei Teichen im Naturschutzgebiet am Herrenfeld aus

Am Ende stand allen Beteiligten reichlich Schweiß auf der Stirn: Mitglieder der Glückstädter Ortsgruppe des Naturschutzbundes (NABU) und freiwillige Helfer leisteten bei hochsommerlichen Temperaturen Schwerstarbeit, um insgesamt vier künstliche, mit Kies befüllte Inseln, sogenannte Schwimmkampen, auf den Teichen im Naturschutzgebiet Herrenfeld auszubringen.

„Wir hoffen, dass die Schwimmkampen von Vögeln, die sich auf das Brüten im Kies spezialisiert haben, als Nistplätze angenommen werden“, erklärt die Vorsitzende des NABU Glückstadt, Dr. Sybille Petersen, die Idee hinter der Aktion. Insbesondere den bedrohten Trauerseeschwalben möchten die Naturschützer eine neue Heimat bieten. „Der Lebensraum der Trauerseeschwalben schwindet. Sie brauchen Grünland mit Wasserflächen und Kiesbetten, um ihren Nachwuchs groß zu ziehen. Leider gibt es davon durch die intensive Landwirtschaft immer weniger.“ Von der Halbinsel Eiderstedt, wo die Vögel früher in großer Zahl vorkamen, wurde in den vergangenen Jahren regelmäßig über sinkende Bestände berichtet. Im Teichgebiet Herrenfeld könnten die Tiere einen geschützten Lebensraum finden, glauben die Glückstädter NABU-Mitglieder. „Wir haben bereits öfters Trauerseeschwalben beim Jagen über den Teichen beobachtet“, so Sybille Petersen. Nur geeignete Nistplätze fanden die Kiesbrüter dort bisher nicht.

Seit mehreren Jahren gab daher die Idee künstliche Hilfen für die Vögel einzurichten. „Die Kosten für eine vernünftige Lösung waren aber für uns viel zu hoch.“ Hilfe kam nun von der Naturschutzbehörde des Kreises Steinburg. Dort waren für den Naturschutz vorgesehene Ausgleichsmittel verfügbar, die zum Beispiel von Windparkbetreibern gezahlt werden. Insgesamt rund 13 000 Euro stellte die Behörde für die Anschaffung der Schwimmkampen bereit. Abteilungsleiter Ulf Schünemann ist froh über die Zusammenarbeit mit den ehrenamtlichen Naturschützern vom NABU: „Das klappt seit vielen Jahren ausgesprochen gut. Als Behörde könnten wir so eine Maßnahme mit eigenem Personal ohne ehrenamtliche Hilfe nicht schaffen.“

Schünemann genehmigte nicht nur die Gelder für die Beschaffung der Schwimmkampen, sondern packte beim Zusammenbauen und Ausbringen auch selbst kräftig mit an. Unterstützt wurden die NABU-Mitglieder auch von Walter Magens aus Kollmar, der die Grünflächen um die Teiche von der Stiftung Naturschutz gepachtet hat und sie mit seinen Rindern begräst. Er transportierte die Bauteile der Kampen und den Kies mit Traktor und Anhänger an die Teichufer. „Er ist uns immer eine große Hilfe. Ohne ihn geht hier nichts“, bedankt sich Sybille Petersen.

Neben den selten gewordenen Seeschwalben könnten auch andere Vogelarten ihre Jungen auf den Schwimmkampen groß ziehen. „Flussuferläufer sind relativ häufig an den Herrenfeldteichen. Austerfischer könnten ebenfalls auf Kies brüten“, erklärt Sybille Petersen. „Auch eine Blässralle oder ein Haubentaucher könnte dort sein Nest bauen und natürlich alle Möwenarten.“ All diesen Vögeln bieten die Inseln einen gewissen Schutz vor Gelegeräubern wie Füchsen oder Marderhunden.

Die Schwimmkampen, die von einer Spezialfirma aus Tangstedt im Kreis Pinneberg produziert und weltweit exportiert werden, werden von schweren Steinankern an ihren vorgesehenen Plätzen gehalten. Spezielle Matten an den Seiten dienen insbesondere Jungvögeln als Aufstiegshilfe. „Der große Vorteil der Schwimmkampen ist, dass sie sich nicht nur wechselnden Wasserständen anpassen, sondern auch möglichen Eisgang im Winter überstehen und daher das ganze Jahr draußen bleiben können“, sagt Petersen. „Bei Bedarf müssen sie von Bewuchs gereinigt werden, aber sonst verursachen sie keine Arbeit.“

Ob die seltenen Arten wie die Trauerseeschwalbe, die sich bisher nicht in der Gegend zum Brüten niederließ, die schwimmenden Nistplätze wirklich annehmen, bleibt abzuwarten. Ulf Schünemann: „Wir wissen natürlich vorher nicht, welche Vögel die Kiesbetten schließlich besetzen. In dieser Hinsicht ist die Maßnahme auch ein Experiment.“

 

 

 

 



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