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Neue Ansätze bei der Erziehung : Neue Autorität aus eigenen Werten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Via-Nova-Akademie bietet Schulungen und Workshops aus dem Erziehungsbereich mit Themen wie Aggression oder Traumabewältigung an.

shz.de von
erstellt am 24.Okt.2017 | 14:00 Uhr

Mike ist 17, fährt S-Bahn und hat die Füße auf den Sitz gegenüber gelegt. Ärger bahnt sich an. Und nun? Wie kann die Eskalation vermieden werden? Genau das möchte Ralf Bongatz mit den zwölf Teilnehmern im Raum ausprobieren. „Kommunikation in schwierigen Situationen“ ist der Titel des Seminars mit dem Schauspieler und Deeskalationstrainer. Er ist ehemaliger Polizist – und das merkt man ihm auch an.

Götz Goedeke hat Bongatz in die Via-Nova-Akademie geholt. Sie gehört zu der Einrichtung für Kinder-, Eltern- und Jugendhilfe und will Pädagogen schulen. Doch der erste Eindruck ist eher der einer Ausstellung moderner Kunst: Im Treppenhaus hängt ein Motorrad an der Wand, im oberen Stockwerk ein Propeller über den schrägen Dachfenstern. Kreativ gestaltete Räume wurden von den Elementen Wasser, Erde und Luft inspiriert.

Im Büro von Geschäftsführer Goedeke dominiert die Farbe Orange. „Wenn das Licht durch die Fenster kommt, spürt man die Energie dieses Raumes“, sagt er. Vor sechs Jahren kam er zur Via Nova, die Kombination von Theorie und Praxis in der Jugendhilfe habe ihn fasziniert. Er gestaltet das Programm der Akademie mit halber Stelle, mit der anderen Hälfte seiner Zeit wirkt Goedeke in Wohngruppen in Herzhorn und Oelixdorf mit. Er kennt die Basisarbeit – doch es sei für Sozialpädagogen sehr wichtig, aus dem Alltagstrott und der Routine auszubrechen und neue Ansätze kennen zu lernen. „Sonst läuft man Gefahr, das Herzblut zu verlieren“, sagt Goedeke. Viele Seminare drehen sich um „Neue Autorität“, sein Steckenpferd in der Sozialpädagogik.

Wenn alte Erziehungskonzepte scheiterten, herrsche ein altes Verständnis von Macht und Autorität vor. Die Zeit habe sich verändert, und viele Eltern müssten eine neue, alternative Haltung aus den eigenen Werten heraus anwenden, sagt Goedeke. Diesen Ansatz will er bekannter machen und bietet in der Akademie deshalb Schulungen und Workshops an. Themenschwerpunkte sind Aggression, fordernde Situationen für Erzieher, Traumabewältigung und Persönlichkeitsentwicklung. Außerdem könne eine Ausbildung als Sozialpädagoge absolviert und so das Zertifikat zum staatlich anerkannten Erzieher erworben werden, so Goedeke. Die anderthalbjährige Ausbildung läuft in Zusammenarbeit mit einer Schule in Baden-Württemberg.

Im Seminar von Bongatz geht es theoretisch zu. Um einen Konflikt zu lösen, könnten fünf Stufen der Kommunikation angewendet werden. Bongatz mischt diese Einheit immer wieder mit kurzen Theaterepisoden und Fragerunden. Denn die Dynamik der Diskussion sei wichtig für die Teilnehmer. Das sehen diese ebenso und tauschen sich über den Berufsalltag aus.

Und was ist mit Rüpel Mike in der S-Bahn? Nachdem Bongatz die Szene vorgespielt hat, bilden die Teilnehmer Zweierteams. Die Pädagogen legen die Füße hoch und versuchen, die Situation untereinander zu klären. Es zeigt sich: „Connect to direct“, also „eine Verbindung schaffen, um zu führen“ – das heißt, nicht direkt das zu sagen, was man will, sondern zunächst etwas Neutrales vorzuschieben, um schließlich zum Ziel zu kommen. Dieses Vorgehen funktioniert am besten, so das Ergebnis der Teilnehmer.


Weitere Informationen zum aktuellen Seminarangebot unter www.vianova-akademie.de/veranstaltungskalender.html

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