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Marodes Gebäude in Itzehoe : Neubau für die Polizei?

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Für das Gebäude in Itzehoe gibt es einen erheblichen Sanierungsbedarf.

von
erstellt am 20.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Es geht nicht mehr. „Marode“ nennt die Gewerkschaft der Polizei (GdP) das Behördenhochhaus in der Großen Paaschburg. Peter Berndt von der Regionalgruppe Steinburg-Dithmarschen fordert einen Neubau. Diese Option steht tatsächlich im Raum: Die Untersuchungen laufen, heißt es aus dem Kieler Finanzministerium.

1973 wurde das zwölfstöckige Gebäude errichtet, Anfang des Jahrtausends dann drei Jahre lang saniert. Neue Sanitäranlagen, Wasserleitungen, Bodenbeläge, neue Fenster und vor allem eine Sanierung der Betonfassade – das kostete rund 2,7 Millionen Euro. Jetzt stellt Berndt für die Gewerkschaft fest: „Das Polizeidienstgebäude Große Paaschburg 66 ist mehr als sanierungsbedürftig und bietet nicht mehr genug Platz.“

Er macht eine lange Mängelliste auf: „Vor allem die Polizisten des Wachdienstes sind auf engstem Raum untergebracht.“ Nicht selten befänden sich drei Beamte in einem Raum mit mehreren Besuchern, die Anzeigen aufgeben wollten – keine Spur von Datenschutz. Die Sanitärbereiche seien zu klein: „Für Kollegen, die nach schwerwiegenden Einsätzen duschen müssen, gibt es keine Möglichkeiten“, klagt Berndt.

Dass die Bezirkskriminalinspektion wachse, verschlimmere die Lage. Die Anforderungen an die Spurensicherung seien gestiegen, doch den vielen Platz, den die Beamten dafür brauchten, gebe es nicht. Einige Dienststellen seien zudem über mehrere Etagen verteilt. Die Umkleideräume im Keller des Nebentraktes hätten keine Notausgänge, und in den Duschen des Gewahrsamsbereichs gebe es „unangenehme Fäkaliengerüche“, so die GdP. Auch die Sicherheit macht der Gewerkschaft Sorgen: „Es ist nicht auszuschließen, dass sich Unbefugte frei im Dienstgebäude bewegen können“, sagt Berndt. Apropos Sicherheit: Die Fassade sei instabil, teilweise lösten sich Gesteinsbrocken.

Um diese Gefahr auszuschließen, sei die gesamte Fassade untersucht worden, sagt Patrick Tiede, der sich als Sprecher des Finanzministeriums für die zuständige Gebäudemanagement Schleswig-Holstein äußert. „Die Absperrung von Flächen durch einen Bauzaun war eine reine Vorsichtsmaßnahme, eine konkrete Gefahr bestand und besteht nicht.“

Aber Tiede bestätigt auch: Am Polizeihochhaus sei ein „erheblicher Sanierungsbedarf“ festgestellt worden. Dabei gehe es um einen Umbau der Wache, eine „Grundsanierung des Gebäudekerns“ sowie die Sanierung von Dach und Fassade. Bei Letzterer könne der Aufwand sich noch vergrößern durch verschärfte energetische Anforderungen. Gerüchteweise hieß es zudem, dass die Planungen überdacht werden mussten nach dem verheerenden Brand des Grenfell Towers in London. Stimmt nicht, so Tiede: Daraus habe sich kein Handlungsbedarf ergeben. Eine flächendeckende Brandmeldeanlage sei bereits vor dem Londoner Feuer eingebaut worden. Auch an der Fassade gebe es keine bekannten Risiken.

Was ist wirtschaftlicher, eine Grundsanierung, ein Neubau oder eine Anmietung der benötigten Räume? Das werde derzeit untersucht ebenso wie die zeitliche Planung, erklärt der Sprecher. Vier Varianten seien zu bewerten: Sanierung, Aufgabe des Hochhauses und Anmietung anderer Räume oder Aufgabe und Neubau. Und wo? „Es käme nach heutigem Ermessen nur ein Neubau an einem anderen, polizeitaktisch geeigneten Standort infrage“, heißt es aus dem Ministerium. Die vierte mögliche Lösung ist es, das Haus teilweise zu räumen und andere Räume in Itzehoe zu nutzen – entweder in Gebäuden des Landes, an anderer Stelle angemietet oder neu gebaut.

Für GdP-Vertreter Berndt ist der Fall klar: Nur ein Neubau hilft weiter, eine Sanierung reicht nicht. Sie löse nicht die Raumprobleme und ergebe wirtschaftlich wie energetisch keinen Sinn. Von den Polizisten werde ein hoher Leistungsstandard gefordert, dazu gehöre ein vernünftiges Arbeitsumfeld. „Das ist hier nicht mehr gegeben.“ Genau das soll heute Innenstaatssekretär Torsten Geerdts gezeigt werden, der das Hochhaus besucht. Darauf, so Berndt, ruhten große Hoffnungen der GdP.

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