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Erster Bericht : Netzwerkerin für die Gleichstellung

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Wiebke Tischler, Gleichstellungsbeauftrage im Amt Kellinghusen, legt ihren ersten Tätigkeitsbericht vor. Nach mehr als einem Jahr der intensiven Einarbeitung ist sie „jetzt wirklich angekommen“.

shz.de von
erstellt am 25.Okt.2013 | 12:00 Uhr

„Wozu gibt es überhaupt eine Gleichstellungsbeauftragte? Können die Frauen nicht für sich selbst einstehen? Hat nicht jeder Mensch, egal welches Geschlecht, von Geburt an die gleichen Rechte und Möglichkeiten?“, heißt es in Wiebke Tischlers erstem Tätigkeitsbericht. Denn nicht nur so mancher Bürger stelle sich solche Fragen, sondern auch für die Gleichstellungsbeauftragte des Amtes Kellinghusen selbst war das Thema bis vor ihrer Amtszeit „ein Buch mit sieben Siegeln“, wie sie selbst sagt.

Nach mehr als einem Jahr der intensiven Einarbeitung, bei der sie von anderen Gleichstellungsbeauftragten aus Kreis und Land, Seminaren und einem Mentoring-Programm unterstützt wurde, ist Wiebke Tischler „jetzt wirklich angekommen“. „Ich übe diese Tätigkeit mit Freude aus und habe erkannt, dass die Aufgabe einer Gleichstellungsbeauftragten sehr wohl wichtig und erforderlich ist.“

Die 41-Jährige ist gebürtige Kellinghusenerin und lebt mit ihrem Mann und ihren zwei kleinen Töchtern in Störkathen. „Ich bin fest in der Stadt verwurzelt“, sagt sie. Nach mehr als zehn Jahren selbstständiger Tätigkeit in der Erwachsenenbildung als Betriebswirtin für Management im Gesundheitswesen und Qualitätsmanagerin kam ihr die wohnortnahe Beschäftigung im öffentlichen Dienst sehr gelegen. Seit April letzten Jahres ist Wiebke Tischler als hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte im Amt Kellinghusen mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von 19,5 Stunden bestellt.

Sowohl Verwaltungsmitarbeiterinnen als auch den Bürgern steht Tischler als Gleichstellungsbeauftragte zur Seite. Nicht nur für Kellinghusen selbst, sondern auch für alle anderen amtsangehörigen Gemeinden von Wulfsmoor bis Poyenberg, von Brokstedt bis Hohenlockstedt ist sie zuständig. Ihr Aufgabenbereich sei dabei sehr komplex, ihre Arbeitsschwerpunkte stammen aus den Gesetzesvorschriften und gliedern sich in drei Säulen: Zum einen sorgt Tischler sich um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – und zwar für beide Geschlechter. Diese wird durch die Schaffung entsprechender Arbeitsbedingungen ermöglicht. Beispielsweise arbeitet sie derzeit verstärkt daran, eine gesicherte Ferienbetreuung für Grundschulkinder in Kellinghusen auf die Beine zu stellen. „Der Karriereknick für viele Mütter kommt heutzutage sehr oft mit der Einschulung“, sagt sie. Denn kaum ein berufstätiges Elternteil habe die Möglichkeit, im Sommer sechs Wochen Urlaub zu nehmen. An geeigneter Betreuung fehle es derzeit.

Die zweite Säule, die sich Wiebke Tischler auf ihre Fahne geschrieben hat, ist die Kompensation von Nachteilen. Diese träfen meist Frauen aufgrund von geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung. „Dieser Bereich betrifft auch Gewalt“, erklärt Tischler. Einen runden Tisch, der von ihrer Vorgängerin Marion Pietsch ins Leben gerufen wurde und der zusammen mit dem Kik-Netzwerk (Kooperations- und Interventionskonzept gegen häusliche Gewalt) weitergeführt wird, bringt verschiedene Leute an einen Tisch, die mit Kindern und Frauen zusammenarbeiten und für die Gewaltproblematiken Schwerpunkte sind. Aber auch für Benachteiligungsverbote setzt Tischler sich ein: Aufgrund von Schwangerschaft, Familienstand oder Teilzeittätigkeit dürften keiner Arbeitnehmerin Nachteile entstehen.

Der dritte Aufgabenbereich von Wiebke Tischler erstreckt sich auf das weite Feld der gerechten Beteiligung von Frauen. Hier geht es um Frauenförderung, auch aus politischer Sicht: Zum einen sollten Frauen in Einstellungsverfahren bei Unterrepräsentanz und gleichwertiger Qualifikation vorrangig behandelt werden. Zudem sollen Fortbildungsangebote für Frauen und Männer gleichermaßen zugänglich sein, auch für Teilzeittätige. Regelmäßige Frauenförderpläne sollen dabei helfen, die Frauenquote in verschiedenen Bereichen quantitativ und qualitativ zu verbessern. Zudem ist Tischler Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Frauen in der Region Unterelbe und führte bereits ein Politik-Seminar durch. Weitere Seminare für Frauen im Amt Kellinghusen sollen folgen. „Es müssen mehr Frauen an die entscheidenden Orte, wo auch was bewegt wird“, mahnt sie und verweist auf die Frauenrate in der Politik im Amt Kellinghusen: Mit gerade einmal acht Prozent Frauenanteil steht das Amt landesweit hinter Glückstadt am zweitschlechtesten da. Immerhin sei die Rate in den vergangenen fünf Jahren stabil geblieben und habe sich nicht verschlechtert. Mit bestem Beispiel gehe Halstenbek voran, wo etwa das halbe Kommunalparlament weiblich ist.

Wiebke Tischler leistet die geforderten Verbesserungen wie beispielsweise eine Ferienbetreuung nicht selbst, sondern fungiert als Bindeglied. Als „Netzwerkerin“, wie sie sich selbst bezeichnet, bringt sie die richtigen Leute zusammen und entwickelt gemeinsam mit ihnen Ansätze und Ideen, so dass Ressourcen möglichst gut genutzt werden können. Darüber hinaus begleitet sie Sitzungen und Ausschüsse, kümmert sich um Personalangelegenheiten, wohnt dem Arbeitskreis soziale Bestandsaufnahme und dem kriminalpräventiven Rat bei, arbeitet mit Frau und Beruf zusammen und führte bereits ein Projekt zum Thema Gleichstellung in der Gemeinschaftsschule durch.

Ebenso wie sie sich selbst erst in ihre neue Rolle einfinden musste, müsse sich auch die Amtsverwaltung erst an die neue Frau im Haus gewöhnen. „Die Zusammenarbeit muss noch verbessert werden“, meint Tischler. Zudem verlange die Satzung, gemessen an Tischlers Arbeitsstundenzahl, recht viel. Allerdings hätten sich ein paar Dinge bereits zum Positiven geändert: „Seit Anfang August werde ich vermehrt in das Geschehen in der Amtsverwaltung eingebunden und bin bei verschiedenen Ausschüssen dabei“, berichtet sie. Für die Zukunft wünscht sie sich weitere Schritte in diese Richtung – und ein Büro, das nicht in der hintersten Ecke des Amtes, sondern zentral und für jeden gut erreichbar gelegen ist.

> Kontakt: per Mail an wiebke.tischler@amt-kellinghusen.de, telefonisch unter 04822/3948 oder persönlich in ihrem Büro in der Poststelle links neben dem Rathaus in Kellinghusen. Weitere Informationen auf www.gleichstellung-sh.de.

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