Kritik vom NABU : Nein zu neuen Baugebieten

Aus Nabu-Sicht unantastbar: Vorsitzender Leonhard Peters vor dem Spökelweg durch die Kleingartenanlage Eichtal.
Aus Nabu-Sicht unantastbar: Vorsitzender Leonhard Peters vor dem Spökelweg durch die Kleingartenanlage Eichtal.

Nabu Itzehoe fordert Richtungswechsel in der Siedlungspolitik: Entwicklung im Innenraum statt neuer Flächen.

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29. Dezember 2014, 11:45 Uhr

Neubaugebiet im Kratt? Oder doch an der Viertkoppel? Für den Naturschutzbund (Nabu) ist klar: weder das eine noch das andere. Der verband fordert in einem Schreiben an Bürgermeister Andreas Koeppen eine andere Linie bei der Stadtentwicklung.

Unter der Führung des Vorsitzenden Leonhard Peters und seiner Stellvertreterin Inge Gramer ist der Nabu auf mehr als 300 Mitglieder angewachsen. Nun will er sich verstärkt in politische Diskussionen einmischen. Seit längerer Zeit beobachte man mit Sorge die Siedlungspolitik in Itzehoe, die ständig Naturräume und Freiflächen beeinträchtige oder beseitige: „Es wird genau das zerstört, was die Menschen in Itzehoe suchen und schätzen“, sagt Peters.

Er steht im Nabu-Garten in der Kleingartenkolonie Eichtal – wenn die Neubaupläne verwirklicht werden, grenzt der Garten irgendwann an ein Privatgrundstück. Im Wald ruft ein Bussard, verschiedene Spechtarten gebe es dort, zum Teich im Kleingarten komme der Eisvogel. Schützenswerte Natur werde durch die Pläne in Mitleidenschaft gezogen, auch durch den verstärkten Verkehr. Die Zufahrt ist noch nicht geklärt, auf gar keinen Fall dürfe diese über den redderartigen Spökelweg durch das Kleingarten-Areal führen: „Da werden wir der Stadt intensiv auf die Finger schauen.“

Doch die Frage der Zufahrt geht dem Nabu schon zu weit, er hält die Neubaupläne insgesamt für überflüssig. „Wir fordern eine nachhaltige und in die Zukunft blickende Siedlungspolitik, nicht das, was alle machen“, sagt Peters. Diese Zukunft sieht er in der langfristigen Entwicklung des Innenraums. Denn der Bedarf für neue Baugebiete sei stark zu bezweifeln, zumal es noch freie Grundstücke in der Stadt gebe. Das Argument, dass Itzehoe Schritt halten müsse mit dem Umland, lässt der Vorsitzende nicht gelten: „Eine unsägliche Entwicklung.“ Die Bevölkerung gehe zurück, und sie werde älter, so dass absehbar viele Immobilien frei würden – das müsse untersucht werden. Wenn neue Flächen ausgewiesen werden sollten, so fordert der Nabu, müsse vorher eine Bedarfsanalyse zeigen, dass der Eingriff mittel- und langfristig gerechtfertigt sei. Kleingärten dürften nicht unreflektiert zu Bauflächen werden, denn sie seien wertvolle Grün- und Erholungsflächen sowie Lebensräume. Würden doch neue Baugebiete geplant, müssten erst Standort-Alternativen geprüft werden, wie es das Baugesetz vorsehe.

Der Nabu sei nicht grundsätzlich gegen Neubauten, unterstreicht Peters. „Aber es fehlt mir im Ganzen die Innovation.“ Es gebe genug positive Beispiele wie Kaltenkirchen oder Horst, die zeigten, wie dank Innenraum-Entwicklung nicht Fläche unnötig versiegelt und Landschaft zerstört werde.

Zudem verweist Peters auf das Modellprojekt Wohnlotsen des Landes, mit dem seit 2011 kommunale Wohnberatung in Mölln, Lübeck, Flensburg und dem Kreis Nordfriesland stattfindet. Neue Baugebiete allein machten die Stadt jedenfalls nicht attraktiver: „Attraktivität fördert man, indem man die Stärken und Potenziale der Stadt ausnutzt.“

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