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Norddeutsche Rundschau

20. Oktober 2017 | 04:03 Uhr

Neue Nutzung : Natur oder Gewerbe auf Alsen ?

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Vier mögliche Varianten für die weitere Nutzung des Alsengeländes stehen zur Auswahl – die Entscheidung soll Ende des Monats fallen.

von
erstellt am 11.Sep.2014 | 05:00 Uhr

Das „Treibhaus“ wird es auf Alsen nicht geben – das haben die Bürger entschieden. Aber was soll es dann geben? Mögliche Antworten auf diese Frage hat die Verwaltung in Abstimmung mit dem Innenministerium und der BIG-Städtebau als Sanierungsträger entwickelt. Die Varianten wurden im Stadtentwicklungsausschuss vorgestellt. Ausgenommen sei dabei das Gebäude, das vom Verein planet-alsen genutzt wird, „da die rechtliche Klärung noch in der Schwebe ist“, erklärte BIG-Geschäftsführerin Christina Ebel. Ein externer Jurist prüft den Pachtvertrag mit dem Verein.

Vier Szenarien seien für die rund fünf Hektar denkbar, sagte Christina Ebel: Ein Bewegungspark, die Erschließung als Festplatz, die gewerbliche Nutzung oder die Naturierung. Bewegungspark und Festplatz seien dabei mit jeweils mehr als zwei Millionen Euro Gesamtkosten die teuersten Varianten. Ein Bewegungspark würde zwar die Ziele des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts umsetzen, widerspreche aber offenbar dem Bürgerwillen – schließlich ähnele er den Treibhaus-Ideen.

Die Erschließung als Festplatz wäre für den städtischen Haushalt die schlechteste Wahl, da Erschließungskosten nicht förderfähig sind. Zudem gebe es ja bereits eine Veranstaltungsfläche auf den Malzmüllerwiesen.

Die gewerbliche Variante sei mit knapp unter 1,5 Millionen Euro auf den ersten Blick günstig, erklärte Christina Ebel. „Aber sie birgt zwei Risiken.“ Es sei nicht abzusehen, ob es Nachfrage nach den Gewerbeflächen gibt. Und wenn eine Vermarktung im Rahmen der Städtebauförderung nicht gelinge, müsse die hergerichtete Fläche aus dem Treuhandvermögen in das städtische Liegenschaftsvermögen übernommen werden – erhebliche Mehrbelastungen für die Stadt wären die Folge.

Die günstigste Variante sei mit Gesamtkosten von rund 650 000 Euro und einem städtischen Anteil von etwa 300 000 Euro die Naturierung, bei der jedoch ein Bezug zur früheren Nutzung bestehen bleiben soll.

Auf die Schnelle wollte die Politik das nicht entscheiden, zunächst soll nun in den Fraktionen beraten werden. Bürgermeister Dr. Andreas Koeppen mahnte zur Eile: Das Land wolle „lieber heute als morgen wissen, wie wir mit dem Gelände umgehen wollen“. Eines stehe dabei aber fest: „Wir wollen nicht die alten Planungen um das Treibhaus wieder aufleben lassen!“ Doch es sei schwierig. „Alles, was an Wünschen und Ideen da war, wurde in die alten Pläne eingebracht. Neue Ideen fallen nicht vom Himmel.“

Koeppen warf die Frage auf, ob man nicht Gebäude, die in Zukunft nicht mehr gebraucht werden, abreißen solle – auch um Gefahren zu vermeiden. In erster Linie dachte er dabei an das Gebäude, das für das Treibhaus vorgesehen war, sowie den Schornstein. Dieser werde über kurz oder lang womöglich „in sich zusammenfallen“.

Joachim Leve (IBF) wollte nichts übers Knie brechen. Gerade, wenn bei der Naturierung der Bezug zur Geschichte sichtbar bleiben solle, dürfe der Schornstein nicht fehlen. „Warum jetzt diese Eile?“, fragte auch Dr. Kirsten Lutz (DAF). „Die Entscheidung für Alsen war eine der schnellsten, die ich in der Politik je erlebt habe – und danach wurde nie über Gefahren gesprochen. Wenn wir Industriegeschichte erhalten wollen, was sollen wir dann sonst erhalten?“

Es könne jederzeit etwas passieren, fürchtete dagegen Heinz Köhnke (CDU) und erinnerte an frühere Unfälle. Er deutete an, dass die CDU die Gewerbe-Variante bevorzugt. Nicht zuletzt mit Blick auf das Kreishaus. Falls das womöglich neu gebaut werden solle, könne die Stadt die Fläche vorhalten. „Wenn jemand etwas sucht, können wir flexibel sein – so, wie damals beim Jobcenter.“

Es seien auch Zwischennutzungen und „Grauzonen“ möglich, sagte Ebel auf Nachfrage von Jörg Frähmcke (FDP). So könne gemixt werden – oder ein Teil der naturierten Fläche wieder für Gewerbe nutzbar gemacht werden. Man müsse über die Verkehrssicherungspflicht reden, sagte sie. „Aber ein Abriss ist ein großer Eingriff.“ Ihr Vorschlag: Die vier Wochen bis zur Entscheidung über die Nutzung abwarten – „und dann sehr schnell handeln“.

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