Feste : Narr bekennt: „Ich bin lesbisch“

Initiierten das jecke Treiben im Atzehoe: (v. li.): Prinzessin Annett und Prinz Frank Rudolf, Christian Roß und Bernd Wiggers.
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Initiierten das jecke Treiben im Atzehoe: (v. li.): Prinzessin Annett und Prinz Frank Rudolf, Christian Roß und Bernd Wiggers.

1. Itzehoer Karnevalsgesellschaft feierte im Atzehoe ein jeckes Fest mit über 200 Gästen

shz.de von
19. Januar 2015, 16:55 Uhr

Musik, Männerballett, Tanzmariechen: Was kaum einer zu glauben und mancher nicht zu hoffen gewagt hatte – hier wurde es wahr: Am Wochenende wurde es jeck und bunt als die „1. Itzehoer Karnevalsgesellschaft“ (IKG) die Faschingszeit eröffnete.

Die Stimmungskanonen dafür kamen mit dem Bus: Kurz vor Beginn der Sitzung entstiegen ihm 35 Jecken der Marner Karnevalsgesellschaft (MKG), dazu kamen Narren aus Neumünster, Moorrege und Kiel, vom Norddeutschen Karnevalsverbund (NKV) sowie die „Radauhexen“ aus Wilster – alle karnevalesk-bunt verkleidet. Im Veranstaltungszentrum Atzehoe konnte nun für die versammelten Narren die erste Prunksitzung der erst 2011 gegründeten IKG über die Bühne gehen.

Die Neu-Karnevalisten feierten ihr jeckes Bunt-Programm auf unkonventionelle Weise. Mit mehr als 200 Gästen wurde es im mit Girlanden und Luftballons geschmückten Saal voll. Nach dem diesem Anlass entsprechenden Einlass um 19.11 Uhr ging es pünktlich um 20.11 Uhr mit einem Tusch von DJ Alexander Specht und der Begrüßung durch den Präsidenten, Prinz Frank Rudolf, los, der sich eigens im Stile des Steam-Punk verkleidet hatte. Sogleich etablierte dieser den neuen, eingängigen Schlachtruf der einheimischen Karnevalsgesellschaft: „Itze!“ – „Hoe!“

Theke, Eintritt und Garderobe regelte der Boxclub Itzehoe. Und Regisseur Rodriguez Sanchez (Martin Roß) wusste bis eine halbe Stunde vor Beginn der Veranstaltung gar nicht, dass er das sein würde. Es folgte ein närrisch-jeckes Karnevalsprogramm, dem Verein gemäß streng nach einem zuvor festgelegten Zeitplan getaktet. Als erstes gab die Vorstandscombo der IKG mit Christian Roß, Bernd Wiggers und Frank Rudolf ein musikalisches Ständchen mit Geige, Gesang und Akkordeon, gefolgt von der ersten Büttenrede durch Prinz Frank unter dem Titel „Wir aus Itze“. Kostprobe: „An Itze fließt die Stör vorbei, das finden wir eine schöne Schweinerei. Mit Fördergeldern hamma die Schleife zugemacht, mit Fördergeldern wird sie wieder aufgemacht.“

Zur Auflockerung intonierte der Oelixdorfer Musikzug gnadenlos traditionelle Karnevals-Songs wie „Humpa Täterä“ und „Hallermarsch“, bevor Tanzmajor Florian von der Stadtgarde Neumünster die Bühne betrat, und es hieß: „Hoch das Bein!“. Es folgte eine eine beeindruckende Performance – und heftiger Applaus dafür.

Bernd Harder als Amtmann Caspar von Saldern verlieh den Karnevalsorden der Stadtgarde Neumünster an das Itzehoer Prinzenpaar Annett und Frank. Erst in der Partypause konnte die jecke Zuhörerschar in einer Zigarettenlänge vor der Tür etwas durchatmen, dann ging es auch schon mit Hip Hop der Truppe O2P (Obsession to Passion) vom Tanzclub BlauGold weiter. „Meister Krech“, der ehemalige Pastor Winfried Krech, hielt die zweite Büttenrede des Abends, in der er sich outete: „Ich bin lesbisch!“

Das Männerballett der MKG sorgte schließlich noch einmal für Aufregung vor allem bei den Damen, bevor der Oelixdorfer Musikzug die allgemeine Heiterkeit mit seinem Programm zum Ausklang brachte und die Party mit einem dreifachen „Itze“ – „Hoe!“ in ein Open End mündete.

Vor allem der unkonventionelle Ablauf brachte die Schar der Gäste aus dem Häuschen, so das Prinzenpaar Sabine I. und Markus I. aus Moorrege (Kreis Pinneberg). „Es ist mal etwas Neues“, schwärmte Sabine. Und Markus steigerte das sogar noch ins Unermessliche: „Geradezu revolutionär.“

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