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Norddeutsche Rundschau

21. Oktober 2017 | 18:33 Uhr

Närrischer App-Store für die Fubama

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Fußballerinnen bereiten sich auf die große Faschingsparty vor – und kämpfen mit meterlangen Stoffen für die Tüllröcke

shz.de von
erstellt am 27.Jan.2016 | 09:05 Uhr

Mehr als 6000 Menschen, mehr als 6000 Verkleidungen: Bei der nun bevorstehenden „62. Fubama“ (Sonnabend, 6. Februar, 20 Uhr) im Colosseum in Wilster ist wieder ein Sammelsurium aus Kreativität und Ideenreichtum anzutreffen – vereint in den Kostümen der Nacht. Und der Heimvorteil verpflichtet: Gleich zwei Gruppen schickt die Damenmannschaft der SG Wilstermarsch bei der Kostümparade am nächsten Wochenende ins Rennen. Eine größere Gruppe junger Damen um die 20 Jahre, 13 an der Zahl, kommt als „SV App Store“, die zweite, siebenköpfige Frauen-Combo stellt „Super Woman“.

„Als Mannschaft gehen wir jetzt zum dritten Mal in Folge zusammen hin“, erzählt Abwehrspielerin Corinna Carstens (24). Und das zelebrieren sie als Gemeinschaftserlebnis – vom Basteln der Kostüme über das „Vorglühen“ bis hin zur Teilnahme am Kostümwettbewerb. Bei der Kostümwahl gehen die Fußballerinnen mit der Zeit: Beim „SV App Store“ stellt jede von ihnen eine andere App fürs Handy dar – von „Instagram“ und „Twitter“ über „Quiz Duell“ und „facebook“ bis hin zum Musikerkennungsprogramm „Shazam“ und der Fußball-App „Fußball.de“ ist alles dabei.

Alle tragen als Wiedererkennungszeichen ein knallfarbiges Top und einen gleichfarbigen Tüllrock, das Material haben sie aus dem Faschingsshop „Boutinette“ bestellt. Pro Person brauchten sie, um daraus den Rock zu basteln, acht bis zehn Meter Stoff, den sie aufwändig in einzelne Streifen schneiden und dann an einem Gummizug zusammenknoten. Die Technik dafür haben sie sich über ein Video angeeignet – bei „You Tube“.

Unterschiedlich aber die Herangehensweise der Damen an das Aufbringen ihrer Logos und die Herstellung von Armbändern, Ketten und Ohrringen. Einige haben ihre Logos auf ihr Top gemalt, andere darauf genäht, gebügelt oder geklebt. Dazu tragen sie ein Kopfteil aus Schleifen sowie Ohrringe, Armbänder und Kette. Jede von ihnen hat knapp 25 Euro für ihre Materialien ausgegeben. „Die kann man auch fertig bestellen, aber wir wollten eine Eigenleistung einbringen, denn wir wollen auch etwas gewinnen“, so Corinna Carstens. Im vergangenen Jahr haben sie als „Aerobicgruppe“ den 2. Platz bei den „Special-Preisen“ belegt und 50 Euro dafür erhalten. „Da gab’s für jeden zwei Euro, das reichte für zwei Kurze“, schildert sie. „Wir werden gegenüber der Jury dieses Mal betonen, wie viel Bastelaufwand unser Kostüm bedeutet.“

Sie haben sich einmal getroffen für die Röcke und ein zweites Mal für die T-Shirts, den Rest fertigen sie individuell zu Hause. „Es macht Spaß, zusammen zu basteln“, so Corinna Carstens, während die Klebepistole neben ihr heiß läuft. „Wir haben uns immer etwas zu erzählen, arbeiten zusammen auf ein Ziel hin, und es ist ein schönes Erlebnis, das zusammenschweißt.“ Teilweise haben sie drei Stunden für den Tüllrock und sieben Stunden am Rest der Verkleidung gesessen. „Der Tüllrock war hart. Das hat am meisten genervt, weil es so eine monotone Arbeit war“, sagt Corinna Carstens. „Aber alle haben durchgehalten, keiner ist abgesprungen.“

Mittelfeldspielerin Ann-Christin Heutmann (19) hingegen geht mit sieben weiteren Spielerinnen in der anderen Gruppe der Damen-Fußballmannschaft als „Super Woman“ – mit rotem Rock, blauem Oberteil und Kniestrümpfen. „Wir haben Rock, Strümpfe und Oberteil bestellt, einen Umhang als Cape nähen wir selbst. Vier Mal haben wir uns getroffen, um das hinzukriegen“, sagt sie. Sie benutzen ein Logo ähnlich dem von Superman und stellen Schmuck, Ohrringe, Kette nach dem Vorbild der Fußballerinnen vom „App Store“ her.

Wenn alle Kostüme gebastelt und angelegt sind, machen beide Gruppen vorher nachmittags Halt bei Abwehrspielerin Gyde Meiforth (24). „Das hat schon Tradition. Wir werden erst etwas essen und ein bisschen ,vorglühen’ und dann gegen 20 Uhr zu Fuß zum Einmarsch der Masken gehen“, erzählt diese. „In den vergangenen zwei Jahren war das immer sehr witzig.“ Dafür haben sie ein Plakat (Aufschrift „SV App Store“) auf ein 1,50 Meter hohes Holzschild mit Griff geklebt. „So wissen wir immer, wo unsere Gruppe gerade ist“, fügt Mittelfeldspielerin Anja Carstens (19) hinzu.

Nächstes Mal, da sind sie sich einig, sind sie wieder als Gruppe zusammen da. Als was, wissen sie natürlich noch nicht so genau. Problematisch wird das aber nicht: Die diesjährigen farbigen Kostüme wären ja zur Folgeverwertung für etwas anderes geeignet. „Wir könnten als Sesamstraße gehen“, meint Corinna Carstens lachend.

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