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Rettungsübung : Nächtlicher Einsatz auf der Eisenbahn-Hochbrücke

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Rettungsdienste testen die Zusammenarbeit nach Zugausfall. Schwachstelle an diesem Einsatzort: Zu wenig Platz für Fahrzeuge auf dem Brückendamm. Insgesamt sind die beteiligten DIenste aber mit dme Verlauf zufrieden.

Dichter Qualm dringt aus der Lok ER 20-011. Es gelingt dem Zugführer noch, einen Notruf abzusetzen und die Vollbremsung einzuleiten – dann wird er bewusstlos. Es ist 1 Uhr nachts. Der Zug der Nord-Ostsee-Bahn ist auf dem Weg von Sylt nach Hamburg. Direkt auf der Eisenbahnhochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal kommt er zum Stehen. Menschen schreien, ein Fahrgast rennt unter Schock auf die Gleise. Im Ernstfall eine außergewöhnliche Herausforderung für die Rettungskräfte. Aber auch als Übung ein ganz spezielles Szenario.

Das konnten die Helfer der Feuerwehren aus Hochdonn und Burg, das Technische Hilfswerk (THW) Burg-Hochdonn, der Katastrophenschutz des Kreises Dithmarschen sowie die Ärzte und Sanitäter der Rettungsdienstkooperation in Schleswig-Holstein (RKiSH) in der Nacht zu Sonntag schnell feststellen. Gleich mehrere Schwierigkeiten galt es für die Einsatzkräfte zu meistern.

Der ungewöhnliche Ort hoch über der Burger Straße bringt die ersten Probleme. Die Zufahrtswege, die nach oben ans Gleisbett führen, sind einspurig. Eine Verkehrslenkung ist nötig, damit es nicht plötzlich zu Begegnungsverkehr kommt. Außerdem können die schweren Einsatzfahrzeuge auf dem kleinen Areal neben den Schienen nicht wenden. „Zwei Feuerwehrfahrzeuge und der Notarzt können hier oben stehen“, erklärt Kay Ehlers von der Technischen Einsatzleitung des Kreises. Aber die Rückfahrt, auch für mögliche Krankentransporte, muss bis zum Wendeplatz im Rückwärtsgang erfolgen. Damit der Abtransport zügig erfolgen kann, fahren die Rettungsfahrzeuge schließlich rückwärts hoch, um dann vorwärts herunterzufahren. „Hubschrauber können hier aufgrund des begrenzten Platzes nicht zum Einsatz kommen“, ergänzt Hanspeter Schwartz, Pressesprecher der Bundespolizei. Allerdings seien im Ernstfall in der näheren Umgebung Übergaben vom Rettungswagen an einen Hubschrauber möglich, sagt Jan Meuter von der RKiSH.

Das nächste Problem: die Dunkelheit. Der abnehmende Mond erhellt den Unfallort kaum, die Lichtmasten an den Feuerwehrfahrzeugen schaffen erste Abhilfe. Taghell wird es, als das THW seinen Flutlichtstrahler in Position bringt.

Aus dem Zug werden über eine Rettungsplattform die ersten Personen herausgeholt – ein Fehler, wie sich kurze Zeit später herausstellt. „Wie viele Menschen haben inzwischen den Zug verlassen?“, will der Einsatzleiter wissen und ordnet an: „Bis auf weiteres dürfen keine Menschen mehr herausgeholt werden.“ Die Begründung liefert Jan Meuter: „Der Notarzt kategorisiert die Verletzten, entscheidet, wer zu erst abtransportiert werden muss. Er sichtet und entscheidet.“ Im Zug werden nur überlebenswichtige Maßnahmen getroffen. Kein Wunder: Wenn es um Personenrettung geht, ist in einem Großraumwagen nicht viel Platz. Auf engsten Raum wurden notwendige Infusionen gelegt, Blutungen gestoppt und die Verletzte beruhigt. Und das im flackernden Licht einiger Taschenlampen. Denn aufgrund des angenommenen Brands war die Lok ausgeschaltet worden, Strom gab es nicht und somit auch keine Zugbeleuchtung.

„Es sind wirklich außergewöhnliche Bedingen hier auf der Hochbrücke“, sagt Christian Rüsen, Leitender Verwaltungsdirektor der Kreisverwaltung Dithmarschen und Leiter des Katastrophenstabs. Aber gerade deshalb sei diese Übung sehr wichtig. „Sie zeigt, wie die Zusammenarbeit der verschiedenen Einheiten funktioniert und liefert auch den Einsatzkräften wichtige Erkenntnisse über diesen besonderen Einsatzort.“ Kreiswehrführer Hans-Hermann Peters hat bereits vor Abschluss der Übung eine Schwachstelle gefunden: „Der Wendeplatz auf dem Damm ist zu klein. Da könnte man sicherlich noch etwas verbessern.“

Während die letzten Kräfte die Ausrüstung zusammenpacken, zieht Kay Ehlers ein erstes Resümee. Außer dem Wendeplatz und der zum Teil gestörten Funkverbindung, gibt es kaum Kritik. „Es ging sehr koordiniert und ruhig zu.“ Auch die Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst sei reibungslos verlaufen.

Die Übung, die erstmals auf der Hochdonner Hochbrücke stattfand, wird jetzt ausgewertet. „Für die gesamte Bahnstrecke liegen Einsatzpläne vor“, sagt Ehlers. „Die Ergebnisse der Auswertung fließen in die Pläne ein.“ In der Hoffnung, dass diese niemals benötigt werden.

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erstellt am 25.Aug.2013 | 14:44 Uhr

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