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Autobahn-Ausbau : Nächste Klage gegen den A20-Elbtunnel: Schlammpeitzger bedroht

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Nach dem Fledermaus-Streit wird nun ein seltener Fisch Gegenstand zweier Klagen vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig.

von
erstellt am 21.Apr.2015 | 10:00 Uhr

Kollmar | Die Richter des Bundesverwaltungsgerichtes werden sich mit ihm beschäftigen müssen: mit dem Schlammpeitzger, der auch „Gewitterfurzer“ genannt wird. Der Fisch gilt als zäh – diejenigen, die sein Revier verteidigen wollen, auch. Ein Teil seines Lebensraumes gilt als bedroht, denn dort soll die Bundesautobahn 20 (A20) gebaut werden – inklusive Elbtunnel. Und wie es aussieht, wollen gleich zwei Kläger für den Schlammpeitzger vor Gericht ziehen – der Landesnaturschutzverband und die Gemeinde Kollmar.

„Der Schlammpeitzger ist das intelligenteste Tier unter der Sonne“, sagt Bürgermeister Dr. Klaus Kruse ironisch. „Denn er hat gewusst, dass die A20 geplant wird und hat sich deshalb verzogen.“ Damit bezieht er sich auf die Vorlagen des Landes. In diesen sei zu lesen, dass der Fisch auf dem Trassenverlauf der A20 nicht mehr vorhanden sei. Was Dr. Kruse interessant findet. Denn: „Der Fisch lebt in den Wettern und diese sind alle miteinander verbunden.“

2003 gab es große Aufregung in Kollmar: Wissenschaftler hatten den vom Aussterben bedrohten Süßwasserfisch in der Kollmaraner Marsch mit Hilfe von Elektroden aufgespürt. Denn er lebt im Schlamm – kaum einer hat ihn je zu Gesicht bekommen. Die wissenschaftliche Sensation hatte zur Folge, dass die Kollmaraner Marsch an die EU gemeldet und 2010 vom Land zum FFH-Gebiet (Fauna, Flora, Habitat) erklärt wurde. Selbst der spätere Ministerpräsident Peter Harry Carstensen kam 2003 nach Kollmar, um sich die Problematik anzuhören. Denn die Bauern wollten kein FFH-Gebiet.

Was ihnen und dem Bürgermeister beim Verfahren um A20 und Elbtunnel dann sauer aufstieß: „Bei der Ausweisung des FFH-Gebietes wurde der Bereich für die A20 ausgespart“, erklärt Dr. Kruse.

Auch der Rechtsanwalt der Gemeinde, Dr. Wilhelm Mecklenburg, stellte schon früh fest, dass „die Schlammpeitzger-Vorkommen in der Langenhalser Wetter auf wundersame Weise in der Planung gar nicht mehr auftauchen“.

In der Klageschrift des Landesnaturschutzverbandes heißt es: „Die Klage weist bereits hier darauf hin, dass jedenfalls derzeit dort solche Probleme aufgrund der fehlerhaften Abgrenzung des FFH-Gebiets „Wetternsystem Kollmarer Marsch“ bestehen, das naturschutzfachlich weit über die Trasse hinaus reichen sollte.“

Die aktuelle FFH-Gebietsabgrenzung würde nur unvollständig erfassen, dass der Fisch dort vorkomme. Dies sei aber durch die Elektrobefischung, bei der die Tiere kurz schonend betäubt und gezählt werden, aktuell belegt.

In der Klageschrift heißt es auch: „Der Landrat des Kreises Steinburg hat im Rahmen des Informations- und Beteiligungsverfahrens schriftlich vorgeschlagen, den derzeitigen FFH-Gebietsvorschlag um den weiteren Verlauf der Langenhalsener Wettern bis zum Schöpfwerk in Bielenberg zu erweitern. Dieser Vorschlag führt zu einer Überschneidung mit der A20-Trasse.“ Zudem wird darauf hingewiesen, dass der Lebensraum auch für weitere Fische wie den Bitterling, den Rapfen und den Steinbeißer von Bedeutung ist, „die eine Ausweisung als FFH-Gebiet jedenfalls rechtfertigen“.

Das Besondere am Schlammpeitzger ist, dass er ein Dasein im Verborgenen führt: Er gräbt sich tief in den Schlamm ein und überlebt, indem er durch den Darm atmet. Der Schlammpeitzger gilt als scheuer Süßwasserfisch. Genießbar ist er nicht – er hat zu viele Gräten. Obwohl er nicht gegessen wird, gilt er doch als vom Aussterben bedroht. Häufiges Ausbaggern der von ihr bewohnten Gewässer bereiten der Art Probleme. Weil der Schlammpeitzger vor einem Gewitter unruhig wird, wird der zirka 30 Zentimeter lange Fisch auch Gewitterfurzer genannt.

Gegen den Elbtunnel im Zuge des A20-Ausbaus gibt es noch weitere Kläger:

Die Elbfähre

Die Elbfähre-Betreiber argumentieren in ihrer Klage vor dem Bundesverwaltungsgericht, im Planfeststellungsbeschluss sei die Folge einer Mautgebühr auf das Verkehrsaufkommen auf der Autobahn nicht berücksichtigt. Möglicherweise wäre eine Elbquerung bei Lauenburg östlich von Hamburg auch aus naturschutzrechtlichen Gründen geboten.

 

Der Kreis Steinburg

Der Kreis Steinburg hat am 12. März 2014 eine Klage angekündigt. Grund dafür ist die geplante Regelung für den Brandschutz im Tunnel: Für den soll die Freiwillige Feuerwehr von Kollmar zuständig sein. Die nördliche Tunneleinfahrt liegt in der 1700-Einwohner-Gemeinde. Der Kreis Steinburg verlangt die Einrichtung einer Werksfeuerwehr für den Tunnel.

Die Gemeinde Kollmar

Die Gemeinde Kollmar klagt nicht nur wegen dem Schlammpeitzger. Sie will sich ebenfalls vor dem Bundesverwaltungsgericht dagegen wehren, dass ihre Feuerwehr für Brandschutz und Hilfeleistung in dem sechs Kilometer langen Tunnel zuständig sein soll. Sie fühlt sich überfordert.

Nabu und BUND

In ihrer gemeinsamen Klage bemängeln die beiden Naturschutzverbände, dass bei der Planung des Tunnels die Belange des Umwelt- und Artenschutzes nicht ausreichend beachtet worden sind.

 
Der Kalkberg in Bad Segeberg beherbergt etliche Fledermäuse. Ihretwegen wurde der Bau der A20 gestoppt.
Der Kalkberg in Bad Segeberg beherbergt etliche Fledermäuse. Ihretwegen wurde der Bau der A20 gestoppt. Foto: Carsten Rehder, dpa
 

Bereits gestoppt wurde der A20-Ausbau bei Segeberg. Dort waren gefährdete Fledermäuse der Grund. Die Richter des Bundesverwaltungsgerichts monierten, der Schutz der rund 20.000 Fledermäuse, die jedes Jahr in den Kalkhöhlen in Bad Segeberg überwintern, sei nicht hinreichend beachtet worden.

 
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