Aus Glückstadt nach Thailand : Nachhilfe im Urlaubsidyll

Stolz zeigen die Kinder Christine Berg die Ernte ihres biologischen Pilzanbaus.
Stolz zeigen die Kinder Christine Berg die Ernte ihres biologischen Pilzanbaus.

Christine Berg aus Glückstadt opfert ihre Freizeit für Kinder- und Jugendprojekt in Thailand.

shz.de von
08. März 2018, 05:00 Uhr

Ende Juli vergangenen Jahres nahm Christine Berg für ihren Arbeitgeber an einer großen internationalen Asienkonferenz in Chiang Mai, Thailand, teil. Auf der Suche nach einer Unterkunft stieß sie auf das „Joy’s Guesthouse“ im Norden Chiang Mais. „Schnell wurde mir klar, dass ich dieses charmant gelegene Gästehaus buchen muss“, erklärt die Glückstädterin.

Denn dort werden junge Menschen aus einem Hilfsprojekt beschäftigt, die Einnahmen fließen in die „Children’s Shelter Foundation Chiang Mai“. Das ist ein Hilfsprojekt für Kinder und Jugendliche aus den Bergdörfern Nord-Thailands und Myanmars, das gleich nebenan seine Räume hat. „Die verschiedenen Bergvölker zählen zu den ethnischen Minderheiten Thailands“, erklärt Christine Berg. „Als nicht thailändische Staatsbürger haben sie meist keinen rechtlichen Status, also wenig bis keine Rechte. Je nach Volksstamm erhalten sie zum Beispiel keine Ausweise oder haben nicht das Recht, die Schule zu besuchen.“

Jetzt nahm die Glückstädterin Urlaub, um wieder nach Chiang Mai zu reisen und die Kinder bei Hausaufgaben zu unterstützen. „Ich holte sie von der Schule ab, half ihnen bei Näharbeiten oder mit einfachen Memory- und Kartenspielen lernten sie Englisch.“

„Sawasdee ka“ („Hallo“, Red.) – so wurde sie von den Kindern begrüßt. Sehr beliebt waren Toffeebonbons, Stifte und Notizbücher, aber auch Kinderkleidung und Pflaster sowie die Spiele, die Christine Berg aus Glückstadt mitbrachte. Beeindruckend fand sie, dass die Größeren die Kleinen anleiten und sogar die jüngeren Kinder selbst ihre Wäsche waschen und für ihre Zimmer verantwortlich sind.

„Zum Beispiel teilen sich drei Mädchen ein Zimmer, teils nur mit der Matratze auf dem Fußboden. Aber die Möglichkeit des Schulbesuchs und der quasi familiäre Zusammenhalt und Schutz machen alles wieder wett.“ Nach dem Schulbesuch, der von 8 bis 16 Uhr dauert, versorgen die Kinder ihren biologischen Gemüse- und Pilzanbau, helfen beim Kochen und machen die Küche sauber. Die ganz wenigen Thai-Sprachkenntnisse Christine Bergs – sie kann die Zahlen bis 100 –, reichten aus, um die Kinder bei einfachen Rechenschulaufgaben auf Thai abzufragen.

„Da die Kinder meistens noch nie zur Schule gegangen sind, haben sie eine Menge auf- und nachzuholen und beginnen oft erst im Alter von acht bis zehn Jahren den Grundschulbesuch.“ Dieser findet in Thailand an staatlichen Schulen statt, die in der Regel einem buddhistischen Tempel angegliedert und auch kostenpflichtig sind. Daher hatte sich Christine Berg bereits im September vergangenen Jahres entschlossen, die Kinder mit einer Schulpatenschaft von Deutschland aus finanziell unterstützen zu wollen.

Da es das Projekt, gegründet von der Deutschen Ulrike Meister, inzwischen über zehn Jahre gibt, haben einige Jugendliche aus der Gründungsphase inzwischen ihren Universitätsabschluss gemacht, andere studieren, belegen Wochenendseminare oder arbeiten für das „Joy’s Guesthouse“ als Tourguide oder im Service-Bereich.

Christine Berg will wieder dort hinfahren und helfen. „Zumal Nord-Thailand auch eine wunderschöne Urlaubsregion ist. Die Verknüpfung Urlaub und Charity ist mehr als geglückt.“


> Weitere Informationen:

www.childrens-shelter.de/csf-kinderhilfsprojekt/

www.guesthouse-chiangmai.com

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