Silja Paul aus Itzehoe : Nach Stammzelltransplantation: „Ich möchte im Sommer wieder auf dem Platz stehen“

Es gehe ihr gut, sagt Silja Paul.
Es gehe ihr gut, sagt Silja Paul.

Nach einer erfolgreichen Stammzelltransplantation beginnt das Itzehoer Hockey-Talent Silja Paul langsam wieder mit dem Training.

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16. März 2018, 05:00 Uhr

„Mein größter Wunsch ist es, mit meiner Mannschaft wieder auf dem Platz zu stehen“, sagte Silja Paul, als wir im September vergangenen Jahres mit ihr sprachen. Damals hatte das Itzehoer Hockey-Talent gerade erfahren, dass die akute myeloische Leukämie (AML) wieder ausgebrochen war, nachdem sie die Krankheit erst wenige Monate zuvor erfolgreich bekämpft hatte. Nun ist sie diesem Wunsch ein ganzes Stück nähergekommen: Seit kurzem trainiert die 20-Jährige wieder mit ihrer Mannschaft – zumindest beim Kraft- und Athletiktraining im Fitnessstudio und so weit es ihr Gesundheitszustand zulässt. Bevor es aber so weit war, musste Silja Paul einige Rückschläge hinnehmen.

Im vergangenen Oktober gab die Itzehoerin in einem kurzen Video auf der Facebook-Seite ihres Vereins bekannt, dass ein Stammzellspender gefunden ist – weiblich, Jahrgang 1994 und aus Köln, mehr weiß sie nicht. „Dann ging alles unglaublich schnell“, sagt Silja Paul. Sie kam sofort zurück in das Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE), keine Woche später wurde die Transplantation durchgeführt. „Es ist total schwer zu beschreiben, wie ich mich damals gefühlt habe“, sagt sie. „Es war ein Blutbeutel wie jeder andere auch.“ Doch dieser unscheinbare Beutel, aus dem für 90 Minuten das Spendermark in ihren Körper floss, hatte eine ganz andere Bedeutung: „Es war meine zweite Chance auf Leben.“

Wenn alles gut läuft, zeigen sich etwa 10 bis 14 Tage nach einer solchen Stammzelltransplantation die Leukozyten im Körper. „Für mich war das einfach nur ‚Wow‘“, versucht die 20-Jährige den Moment zu beschreiben, als sie die positive Nachricht erhielt. „Das größte Highlight danach war es, mit meiner Mutter auf dem Balkon der Klinik zu stehen, in der frischen Luft, und einfach nur durchzuatmen.“

Zweieinhalb Wochen hatte sie bis dahin komplett isoliert auf der Station verbringen müssen. Damit ihr Körper die neuen Stammzellen aufnehmen konnte, musste das alte Immunsystem weitestgehend zerstört werden. In diesem Moment aber waren die Strapazen der vergangenen Wochen und Monate ausgeblendet – die Mundschleimhautentzündung, die künstliche Ernährung, die schweren Schmerzen, der Schüttelfrost, das Fieber, das ständige Übergeben aufgrund der Schmerzmittel, die sie nicht vertrug, und all die Nebenwirkungen die die Chemotherapie mit sich zog. „Man darf in so einem Moment einfach nicht vergessen, was noch alles hätte eintreten können“, sagt sie.

Und auch die viele Unterstützung habe ihr durch die Zeit in der Klinik geholfen – die zahlreichen Nachrichten, die Typisierungsaktionen, wie die von ihrer Freundin Birte Voigt und ihrer Familie organisierte in Itzehoe, Geschenke und Besuche in der Klinik. „Wirklich jeder hat sich irgendwie beteiligt. Das war unglaublich, was für Unterstützung ich bekommen habe.“

„Manchmal will der Kopf schon mehr, als der Körper kann“

Nach etwa vier Wochen durfte Silja Paul die Klinik schließlich wieder verlassen – bis sie wenige Tage danach wieder zurückkehren musste. „Ich konnte nicht mehr schlafen, ich hatte den ganzen Tag Schmerzen.“ Die Diagnose diesmal: eine virale Blasenentzündung. Sie musste zurück in die Klinik, täglich wurde die Blase mittels eines Katheters mit mehreren Litern Wasser gespült. Sie bekam Krämpfe, die Ärzte fanden kein Mittel, um ihre Schmerzen zu stillen. „Das war die schlimmste Zeit, die ich je durchgemacht habe.“

Fünfeinhalb Wochen dauerte es, bis die Schmerzmittel schließlich anschlugen, Mitte Dezember durfte Silja Paul die Klinik wieder verlassen – und Weihnachten mit ihrer Familie in Itzehoe verbringen. „Das war das schönste Geschenk, das ich mir vorstellen konnte“, sagt sie.

Seitdem geht es für die 20-Jährige bergauf. Anfangs musste sie noch zwei Mal pro Woche zur Untersuchung ins UKE, inzwischen ist sie noch alle zwei Wochen zu Blutabnahme und Arztgespräch da. Und was für sie fast am wichtigsten ist: Sie darf wieder Sport machen. „Ich soll es nur nicht übertreiben“, sagt sie. „Manchmal will der Kopf zwar schon mehr, als der Körper kann. Aber in meinem Team gibt es Mädels, die auf mich achten und gucken, dass ich mich nicht übernehme.“

Wie ihre Zukunft aussieht, weiß sie noch nicht. Eigentlich wollte sie Maschinenbau studieren, doch die Krankheit hat Silja Paul verändert, sie will sich nicht mehr so sehr stressen lassen. „Vielleicht werde ich auch erst einmal ein paar Monate aussetzen“ – auch um das zu verarbeiten, was sie in den vergangenen zwei Jahren durchmachen musste. „Ich kann mir vorstellen, irgendwo Hilfsarbeit zu leisten. Nach der ganzen Unterstützung, die ich bekommen habe, möchte ich wieder etwas zurückgeben. Und noch etwas hat die Hockey-Torhüterin des Großflottbeker THGC sich fest vorgenommen – wenn der Fortschritt anhält und die Ärzte es zulassen: „Ich möchte im Sommer wieder auf dem Platz stehen.“


>Registrierung als Stammzellspender: www.dkms.de

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