zur Navigation springen

Asiaten kaufen Markt leer : Nach Skandal in China: Itzehoe geht das Milchpulver aus

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Wer Säuglingsnahrung kaufen will, hat es schwer in Itzehoe. Die Regale sind oft leer. In Supermärkten wird der Verkauf bereits beschränkt.

Itzehoe | Die Nachfrage ist enorm. Sogar so groß, dass in den vergangenen Monaten in Itzehoe einige Supermarkt-Regale leer blieben, Kundenwünsche nicht erfüllt werden konnten. Die Rede ist von Säuglingsnahrung, genauer gesagt Milchpulver. Verantwortlich für die große Nachfrage sind unter anderem in Deutschland lebende Chinesen, die Freunden und Verwandten in der Heimat das Pulver schicken. Supermärkte und Drogerien reagieren mit einer Beschränkung der Abgabe.

Auch Nguyen Quoc Tuan (Foto) hat es schon getan. Der Besitzer des chinesischen Restaurants Rickshaw in Itzehoe hat Milchpulver für Verwandte in der Heimat besorgt. Dabei stammt er gar nicht aus China, sondern aus Vietnam. Doch die chinesischen Verhältnisse seien eins zu eins auf den Nachbaarstaat zu übertragen, so Nguyen Quoc Tuan. Denn 95 Prozent der Waren in Vietnam kämen aus dem „Reich der Mitte“.

Nguyen Quoc Tuan schickt Milchpulver an seine Verwandten nach Vietnam.
Nguyen Quoc Tuan schickt Milchpulver an seine Verwandten nach Vietnam. Foto: Dickersbach
 

Doch warum kaufen so viele Ostasiaten das deutsche Milchpulver? „Die Menschen vertrauen der Qualität in China nicht“, sagt Nguyen Quoc Tuan. Und das nicht zuletzt wegen eines Lebensmittel-Skandals im Jahr 2008. Damals war mit der giftigen Chemikalie Melamin verseuchtes Milchpulver in den Handel gelangt. Doch mangelndes Vertrauen in die heimischen Produkte gebe es nicht nur bei Säuglingsnahrung, so Nguyen Quoc Tuan. Auch bei Spielzeug, Schuhen, Süßigkeiten und Kosmetika würden viele Ostasiaten − wenn möglich − lieber auf deutsche beziehungsweise europäische Produkte zurückgreifen. Und das spürt der Restaurantbetreiber, der seit 25 Jahren in Deutschland lebt, selbst. Denn auch er ist auf der Suche nach Milchpulver für seine zwei Kinder schon leer ausgegangen.

Von leeren Regalen kann auch Thomas Krey (Foto), Warenhausleiter bei Famila in Itzehoe, berichten. „In Stoßzeiten kamen wir mit der Versorgung nicht nach“, so Krey. Immer wieder hätten Kunden gestoppt werden müssen, die den gesamten Einkaufswagen mit Milchpulver-Packungen beladen hatten. Doch mittlerweile habe sich die Situation verbessert. Ein Grund: Die Packungen werden nur noch in haushaltsüblichen Mengen abgegeben, sprich drei Stück pro Kunde. Dazu erklärte Famila-Pressesprecherin Bärbel Hammer: „Wir wollen nicht, dass ein Kunde alles leer kauft. Jeder soll eine faire Chance erhalten, etwas zu bekommen.“ Und auch Thomas Krey betont, dass nur so die Versorgung aller Kunden einigermaßen gewährleistet werden könne. Einigermaßen, weil es auch Fälle gebe, in denen Kunden einfach mehrmals oder in großer Gruppe kämen. Doch dafür bieten Krey und seine Mitarbeiter einen besonderen Service an: Kunden können sich am Info-Tresen melden und dort ihre Daten hinterlassen. Trifft wieder eine Milchpulver-Lieferung ein, wird etwas für sie zur Seite gelegt.

Thomas Krey ist Filialleiter in Itzehoe.
Thomas Krey ist Filialleiter in Itzehoe. Foto: Dickersbach
 

Diesen Service bieten auch die beiden Edeka-Frauen-Märkte in Itzehoe an. „Sollten Sie dieses Regal leer vorfinden, wenden Sie sich an unsere Mitarbeiter“, heißt es auf einem Schild. Anschließend erhalten die Kunden die Ware direkt aus dem Lager. Denn: „Wir hatten es immer wieder, dass Regale leer waren“, berichtet Ingolf Dithmer, Assistent der Geschäftsleitung. Es habe auch vereinzelt Beschwerden deswegen gegeben. Um die Probleme in den Griff zu bekommen, habe man sich deswegen für die Begrenzung der Abgabe entschieden. Entsprechende Hinweisschilder habe man jüngst vom Großhändler erhalten. „Sie werden diese Woche angebracht“, so Dithmer.

Bei Rossmann hängen die Schilder bereits seit Februar vergangenen Jahres. Damit werde auf die Abgabe in haushaltsüblichen Mengen hingewiesen, so Pressereferentin Anna Kentrath. Zwischenzeitlich habe man die Beschränkung   zwar aufgehoben, doch diese dann wieder einführen müssen. Denn: „Das Regal soll nicht von einer Person komplett leergekauft werden“, so Kentrath. In den vergangenen drei Wochen sei die Nachfrage besonders hoch gewesen. Ein möglicher Grund: das chinesische Neujahrsfest am 19. Februar. Aus diesem Anlass schicken viele Chinesen ihren Familien traditionell Lebensmittel. Im vergangenen Jahr ebbte die Nachfrage Anfang März übrigens wieder leicht ab.

zur Startseite

von
erstellt am 25.Feb.2015 | 17:58 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen