zur Navigation springen

Strafprozess : Nach Messerstecherei: Geldstrafe für Angreifer

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

27-jähriger Glückstädter übte Selbstjustiz / Angeklagter zeigt sich vor Gericht einsichtig

,,Man lernt aus seinen Fehlern“, sagte der 27-jährige Hartz-IV-Empfänger am Ende des Prozesses. Da hatte Strafrichterin Katja Komposch den Glückstädter gerade zu 900 Euro Geldstrafe (90 Tagessätzen von je zehn Euro) verurteilt. Er wurde schuldig gesprochen wegen vorsätzlicher Körperverletzung – begangen in Tateinheit mit Sachbeschädigung.

Oberamtsanwalt Hartmut Lübke hatte für den geständigen Angeklagten 70 Tagessätze als ausreichend erachtet. Der Angeklagte schloss sich Lübkes Antrag an. Doch auch mit Richterin Komposchs deutlich härterem Urteil hatte der junge Mann kein Problem. Er nahm es sofort an, womit es rechtskräftig ist. Überaus höflich und mit dem Versprechen keine neuen Straftaten zu begehen, verabschiedete sich der 27-Jährige aus dem Itzehoer Amtsgericht. Ob ihm das gelingen wird, bleibt zumindest in Sachen Schwarzfahren fraglich, denn hierfür fing er sich seit 2010 bereits fünf saftige Geldstrafen ein. Freimütig bekannte er dazu: ,,Die Bahn ist Abzocke.“

Die nun in Itzehoe verhandelte Tat wurde am 22. Juni vergangenen Jahres begangen. Damals spielte Deutschland während der Fußballweltmeisterschaft gegen Ghana. Er habe mit Kumpels das Spiel gesehen und Alkohol getrunken. Anschließend sei er in die Stadt gezogen, habe dort weiter getrunken, so umriss der Angeklagte den Verlauf des Abends. Mit einer 19-jährigen Bekannten kam er ins Gespräch. Unter Tränen berichtete die ihm, dass ihr Halbbruder sie unsittlich berührt habe. Da sah der 27-Jährige rot. ,,Meine Schwester und meine Ex-Frau haben das auch durchgemacht“, erklärte der 27-Jährige seinen Ausraster.

Mit gut 1,5 Promille Alkohol und weiteren Drogen im Blut zog er zum etwa gleichaltrigen Halbbruder der 19-Jährigen. Als der auf sein Rufen hin seine Tür nicht öffnete, trat er die kurzerhand ein. Drinnen erwartete ihn der Halbbruder offenbar schon mit einem Messer in der Hand, wie ein 18-jähriger Augenzeuge der Tat, ein Freund des Angeklagten, vor Gericht aussagte. Das Messer nahm der Angeklagte in seiner Rage offenbar gar nicht wahr. Mit den Worten ,,Jetzt bist du dran, du Hurensohn“ ging der Angeklagte auf den Halbbruder der Bekannten los.

Sofort nahm der sehnige Mann den Halbbruder in den Schwitzkasten und verabreichte ihm Faustschläge gegen Kopf und Körper, während ihm der Halbbruder das Messer mindestens zweimal in den Rücken rammte. Der 18-Jährige Zeuge schilderte, wie er daraufhin den Halbbruder mit einem Tritt wegstieß und den Angeklagten aus der Wohnung zog. Erst unten auf der Straße bemerkte der, dass sein T-Shirt am Rücken durchgeblutet und er schwer verletzt war.

Die Männer riefen Polizei und Rettungsdienst. Wenig später trat auch der Halbbruder ins Freie und brach, ebenfalls schwer verletzt, bewusstlos zusammen. Auch er hatte Schnittwunden am Hals sowie an den Händen. ,,Die muss er sich selbst zugefügt haben“, sagte dazu der Angeklagte. Beide Männer kamen ins Krankenhaus. ,,Ich weiß jetzt, dass man Selbstjustiz nicht macht. Das war dumm von mir“, zeigte sich der Angeklagte einsichtig. Er hat seit der Tat eine fünfmonatige Drogentherapie erfolgreich absolviert, strebt jetzt eine Lehre an. ,,Machen Sie so etwas nie wieder“, gab Richterin Komposch dem Glückstädter noch mit auf den Weg.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 10.Apr.2015 | 17:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen