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Itzehoe : Nach der Schließung: Wie es für die Mitarbeiter der Prinovis-Druckerei weiterging

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Vor zwei Jahren schloss die Itzehoer Prinovis-Druckerei ihre Tore. 174 der ehemaligen Mitarbeiter sind noch immer ohne Job. Einer von ihnen erzählt.

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erstellt am 02.Mai.2016 | 04:56 Uhr

Itzehoe | „Hast Du schon eine Arbeit gefunden?“ – eine Frage, die Ralf Bendlien in den vergangenen zwei Jahren häufig gestellt wurde. So häufig, dass er sie nicht mehr hören kann. „Noch bevor sich Freunde oder Verwandte nach meinem Wohlergehen erkundigen, fragen sie nach meiner Arbeit. Das ist ein unheimlich großer Druck“, sagt der 49-jährige Winseldorfer, der sich nichts sehnlicher wünscht als einen Job. Bendlien ist einer der knapp 1000 ehemaligen Angestellten der Itzehoer Prinovis-Druckerei, die am 30. April 2014 ihre Tore schloss. Gleichzeitig ist er einer der 174 Leute, die zwei Jahre später immer noch keine Arbeit gefunden haben.

Fast 25 Jahre lang war er bei der Prinovis-Druckerei beschäftigt. Nachdem er eine Lehre zum Groß- und Außenhandelskaufmann abgeschlossen hatte, begann er im September 1989 als Fachhilfsarbeiter in dem Itzehoer Werk, wo er für das Wechseln der Papierrollen zuständig war. Die Bezahlung war gut. Und auch wenn die Schichtarbeit manchmal an seinen Kräften zehrte, war Bendlien doch mit den Bedingungen zufrieden. Vor genau zwei Jahren war es mit der beruflichen Sicherheit allerdings plötzlich vorbei. Ein Jahr lang sorgte eine Transfergesellschaft dafür, dass ehemalige Angestellte wie Bendlien, die keinen neuen Job fanden, weiter entlohnt wurden. Seit Mai 2015 erhält er Arbeitslosengeld.

Die Arbeitsagentur ist ständige Anlaufstelle des alleinerziehenden Vaters einer 14-jährigen Tochter. Öffentlich über seine Arbeitslosigkeit zu reden fällt ihm nicht leicht. Beim Gespräch hält er immer wieder inne und wendet den Blick ab. Rund 150 Bewerbungen habe er geschrieben, sich regelmäßig beraten lassen und an einem viermonatigen Lehrgang für den Fachbereich Lager und Logistik teilgenommen. Auf diesem Feld zu arbeiten könne er sich ebenso vorstellen wie im Garten- und Landschaftsbau. Auch darüber, in seinen Lehrberuf als Kaufmann zurückzukehren, habe er schon nachgedacht. Einmal habe er schon eine Stelle gefunden: Im vergangenen Jahr nahm ihn ein Landschaftsgärtner im Kreis Pinneberg in Lohn und Brot. „Das war eine Tätigkeit, die mich interessiert hat und die mir Spaß gemacht hat.“ Leider hätten die Arbeitsbedingen nicht gestimmt, sodass er nach einigen Wochen hinschmeißen musste. „Das ging einfach nicht mehr.“

„Herr Bendlien ist ein motivierter, zuverlässiger, gut ausgebildeter Kunde“, lobt sein Berater bei der Arbeitsagentur, Jürgen Klein. Nach dem Lehrgang, den er mit Bravour bestanden habe, besitze er eine weitere Qualifizierung, die auf keinen Fall schaden könne. „Flexibilität ist das A und O. Gerade weil die Tätigkeit bei Prinovis sehr speziell war.“ Genau das werde einigen der ehemaligen Druckerei-Mitarbeiter jetzt zum Verhängnis. Allerdings hätten viele bereits erfolgreich umgeschult. Dass über 800 der ehemaligen Prinovis-Angestellten bereits einen neuen Job gefunden haben, wertet man in der Behörde als „Erfolgsgeschichte“.

Von Erfolg mag Ralf Bendlien im Moment nicht reden. Er erzählt, dass er bislang lediglich zu vier Vorstellungsgesprächen eingeladen wurde. Einmal sei er sogar bis nach Lübeck gefahren. Die erhoffte Zusage sei jedes Mal ausgeblieben. „Eigentlich kann ich das nicht verstehen“, sagt Jürgen Klein. Er habe bereits Kunden mit ähnlichem Profil wie Bendlien in feste Jobs vermittelt, eine entsprechende Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt sei vorhanden. „Aber manchmal braucht es eben auch ein bisschen Glück.“ Genauso wie seinen 173 Schicksalsgenossen rät er Bendlien, auf keinen Fall aufzugeben. „Dass eine gewisse Resignation eintritt, ist völlig normal“, sagt Klein. Er versuche deshalb regelmäßigen Kontakt zu seinen Kunden zu halten – mindestens alle vier Wochen. Noch seien nicht alle Optionen ausgeschöpft. Nicht zuletzt sei eine Zeitarbeitsfirma eine Möglichkeit, wieder Fuß zu fassen – eine Branche, die mittlerweile besser sei als ihr Ruf.

Bendlien nickt zustimmend. Mittlerweile sei ihm alles recht: „Es wird Zeit, dass ich eine Arbeit finde. Ich merke, dass meine Motivation jeden Tag nachlässt.“ Seine größte Sorge sei, in Hartz IV zu rutschen, wenn Ende Juli die Zahlung seines Arbeitslosengelds auslaufe. „Davor habe ich richtig Angst.“


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