Public Viewing : Nach dem 4:0 – Unfall bei WM-Party in Itzehoe

Ausnahmezustand: Am Adler wurde überschwänglich gefeiert, nachdem die deutsche Elf  gewonnen hatte.
Ausnahmezustand: Am Adler in Itzehoe wurde überschwänglich gefeiert, nachdem die deutsche Elf gewonnen hatte.

Die Kollision während eines Autokorsos am Adler in Itzehoe nach dem Sieg der deutschen Elf verläuft glimpflich – doch die Polizei ist für die nächsten Partien gewarnt.

von
18. Juni 2014, 05:00 Uhr

Abpfiff – und Sieg! Deutschland gewinnt sein erstes Vorrundenspiel 4:0 gegen Portugal. Damit war der Spaß für viele Itzehoer Fußballfans am Montagabend noch nicht vorbei – er ging erst los. Denn die Spieler in Brasilien waren noch nicht wieder in der Kabine, da war halb Itzehoe schon auf der Straße. Mit Autokorso, wehenden Deutschlandfahnen und Hupkonzerten ließen die Fans ihrer Freude freien Lauf.

Insbesondere im Kreisverkehr am Adler ging es dabei rund. Für einige Beteiligte hatte das allerdings ein unschönes Ende. Als eine 37-jährige Itzehoerin ihre Runden im Kreisel drehte, sprangen plötzlich ein 38-Jähriger und ein 24-Jähriger auf die Motorhaube ihres Autos. Um die beiden Männer durch ein Bremsmanöver nicht zu gefährden, ließ die Itzehoerin ihr Auto langsam weiterrollen. „Als sie es dann aber doch leicht abbremste, zog eine 66-jährige Pkw-Fahrerin aus Itzehoe daraus den Schluss, sie könne nun von der Edendorfer Straße aus ungehindert in den Kreisel einfahren“, heißt es im Polizeibericht. Doch die 37-Jährige, der die Sicht auf das weitere Verkehrsgeschehen versperrt war, rollte weiter. Die Fahrzeuge der beiden Frauen berührten sich. Es entstand Schaden in Höhe von etwa 400 Euro.

Als die Fahrerinnen hielten, um Haftungsfragen zu klären, stellte die 66-Jährige bei der Unfallgegnerin Atemalkohol fest. Die herbeigerufene Polizei ließ die Frau pusten – 0,52 Promille. Eine Blutprobe wurde angeordnet. Der Fahrerin droht nun ein befristetes Fahrverbot.

Doch nicht nur gegen die 37-Jährige wird ermittelt. Auch die ältere Fahrerin, die die Vorfahrt missachtet hat, wird zur Rechenschaft gezogen werden – genau wie die beiden Männer. Sie hätten als Beteiligte den Unfallort nicht unerlaubt verlassen dürfen.

Auf Facebook gehen die Meinungen über das öffentliche Feiern auseinander. „Hammer!“, finden die einen – „totaler Schwachsinn, nach dem ersten Vorrundenspiel, Eventvolk!“ sagen die anderen. Und auch Sven Pehl, Leiter des Polizeireviers, beobachtet es mit gemischten Gefühlen. „Geht man streng nach der Straßenverkehrsordnung, ist unnötiges Hupen und derartiges Fahren natürlich nicht erlaubt“, sagt er. „Aber die Polizei ist da auch nicht päpstlicher als der Papst.“ Man sei durchaus bereit, den Ermessensspielraum auszunutzen und Verständnis dafür zu zeigen, „dass Menschen ihre Freude so ausdrücken wollen“. Ähnlich sei es ja auch, wenn bei Hochzeiten laut gehupt werde.

Problematisch werde es allerdings, wenn durch das Verhalten gefährliche Situationen entstehen – so wie jetzt am Adler. „Das muss nicht sein“, sagt Pehl. „Es darf nicht sein, dass alles so zugefahren wird, dass nichts mehr geht. Dann ist die Toleranzschwelle überschritten.“ Es könne ja auch sein, dass ein Rettungswagen dringend durchkommen muss.

Schon in der Vergangenheit habe die Polizei deshalb ein Auge auf den Adler gehabt – allerdings erst bei Endspielen. „Ich war ein bisschen überrascht, dass der Adler schon nach einem ganz normalen Vorrundenspiel von so vielen Fans aufgesucht wird“, sagt Pehl. „Das scheint in Mode zu kommen. Wir werden das bei weiteren Spielen im Blick haben.“ Manchmal sei es dabei allerdings auch für die Polizei nicht leicht, Herr der Lage zu werden. Deshalb müsse man schlimmstenfalls auch über Absperrungen nachdenken. „Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, wenn es darum geht, die Sicherheit zu gewährleisten.“

Doch nicht nur Autofahrer, auch Fußgänger müssten sich an die Regeln halten – Freudentaumel hin oder her. „Sie haben den Gehweg zu benutzen und dürfen nicht auf der Straße herumtanzen.“ Wer das tue, könne nicht nur für andere gefährliche Situationen provozieren. „Er riskiert, verletzt zu werden. Das kann schnell ins Auge gehen.“

Auch bei der Polizei gebe es viele Fußballfans, sagt Pehl. „Es wäre schade, wenn wir an den Spielabenden die Kräfte hier erheblich verstärken müssten. Aber wenn es nötig ist, mache ich das natürlich.“ Und so verfolgt der Revierleiter auch die Erfolge der deutschen Elf mit einem lachenden und einem weinenden Auge: „Ich möchte nicht wissen, wie das aussehen würde, wenn Deutschland das Finale gewinnt.“

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen