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Auswanderer : Nach Australien – der Liebe wegen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der Musiker Florian Lindemann verlässt seine Heimat Wilster. Den 35-Jährige zieht es wegen seiner großen Liebe nach Down Under.

Das Vorhaben kam eher aus Zufall zustande, und es fing auch ganz harmlos an. Nun will der Musiker Florian Lindemann (35) aus Wilster das Wort Tapetenwechsel aber wörtlich nehmen und der Liebe wegen nach Australien auswandern – erst einmal auf Probe, aber wenn es klappt, auch ganz dort bleiben.

„Aus einer Affäre heraus, die nicht funktioniert hat, bin ich im vergangenen Jahr an einem Punkt angekommen, an dem für mich eine Veränderung nötig wurde“, schildert er. „Deshalb nahm ich mir eine Auszeit und bin auf den Jacobsweg gegangen.“ Er legte in Nordspanien in den Pyrenäen in sieben Wochen 900 Kilometer zurück.

Alleine gestartet, hat er schnell viele Mitwanderer aus aller Welt kennen gelernt und nach zwei Wochen – „dagegen konnten wir uns gar nicht wehren“ – auch die Australierin Neilly (32). Sie lebt in der Nähe von Melbourne in dem Ort Port Fairy, einer 3500 Einwohner-Kleinstadt direkt am Meer und arbeitet dort als Kellnerin. Der Ort auf einer Route an einem Coast Trail gelegen, ist (ähnlich wie Wacken) für ein Folk Festival mit 20  000 Leuten bekannt.

Wieder zurück in Deutschland, ist sie anschließend für zweieinhalb Wochen nach Wilster gekommen. „Da haben wir festgestellt, dass wir gemeinsam alt werden möchten.“ Aus diversen Gründen war es da günstiger, wenn er nach Australien geht, als umgekehrt, wie er erzählt.

Seit zweieinhalb Jahren ist der Wilsteraner nun schon als Berufsmusiker mit dem Künstlernamen „Maverick“ unterwegs und gibt Gitarrenunterricht an der Volkshochschule. „Man wird nicht reich damit“, sagt er, „aber ich kann überleben und fühle mich auf andere Weise reich im Leben.“ Zuvor war er in der IT-Branche tätig und hat auch den Beruf des Einzelhandelskaufmanns gelernt. „Das ist eine Kombination fürs Leben, mit der man auch im Ausland gut über die Runden kommen kann“, meint er, „und Englisch spreche und schreibe ich sowieso sehr gut.“

Sein Plan auszuwandern, biete für seinen weiteren Lebensentwurf viele Vorteile. Denn gerade auf dem Jakobsweg habe er festgestellt, dass ihm das Materielle nicht mehr so wichtig sei. „Ich möchte mich frei machen vom weltlichen Besitz.“ So versucht er nun alles, was er nicht unbedingt zum Leben braucht, zu verkaufen. „Es ist ein gutes Gefühl, sich zusammen zu schrumpfen.“

Der Flug am 18. Oktober über London und Kuala Lumpur mit Ankunft am 20. Oktober in Melbourne ist schon gebucht. Dann sind in Australien gerade Temperaturen um die 40 Grad. „Auch damit komme ich aber besser zurecht als mit dem norddeutschen Schmuddelwetter“, sagt Lindemann. Alle bürokratischen Erfordernisse bereitet er gerade vor.

„Wenn ich darf und kann, möchte ich dort auch als Musiker tätig sein.“ Das dafür benötigte Visum für eine Arbeitserlaubnis sei allerdings nicht einfach zu bekommen, dessen ist er sich bewusst. „Da muss ich mich überraschen lassen.“ Da er sich ohnehin Gedanken über Familienplanung macht, wäre es aber auch eine Option für ihn zu heiraten. Die Familie ist unterdessen traurig, dass er geht, aber Freunde und Verwandte unterstützen ihn bei seinem Vorhaben.

Als Sänger der Wilsteraner Band „Dayfly's Diary“ hat Lindemann schon im Februar aufgehört – einvernehmlich, wie er betont, seine Auswanderungs-Pläne waren einer der Hauptgründe dafür. Nun haben sie im Oktober in der Mühle in Wilster noch einen Abschluss-Auftritt zusammen. „Es war eine tolle Zeit, die mir viel Spaß gemacht hat.“

Seine Umzugskartons mit Sammlerstücken will der Musiker erst einmal hier zwischenlagern. „Eine Gitarre kann ich mir für das Transportgeld dort auch neu kaufen. Erst mal reise ich mit leichtem Gepäck, das war auch in Spanien ein schönes Gefühl.“ Und da er gerne wandern geht, freute er sich schon auf die Natur in Down Under. Verwirklichen will er nun noch die Idee, auf www.florianlindemann.de (mit Verlinkung auf „Maverick“ bei facebook) einen Blog mit seinen Erfahrungen zu eröffnen.

Auf sein neues Leben freuen kann er sich auf alle Fälle, denn seine Freundin hat ihm schon einmal den Unterschied erklärt: „Australien ist wie Deutschland“, stellte sie fest, „nur wärmer und entspannter.“

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erstellt am 08.Jun.2017 | 05:09 Uhr

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