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Norddeutsche Rundschau

13. Dezember 2017 | 19:58 Uhr

Gastronomie : Nach 36 Jahren am Herd ist Schluss

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Nach Umbau neuer Gastwirt im Restaurant Stückers in Wilster. Besitzer von Traditions-Gasthaus will sich nur noch auf Hotelbetrieb konzentrieren.

shz.de von
erstellt am 22.Dez.2016 | 12:05 Uhr

Das Gerücht hatte sich in Windeseile in der Marschenstadt verbreitet: „Stückers Hotel-Restaurant macht zum Jahresende dicht!“ So schlimm allerdings wird es nicht. Der Eigentümer des gastronomischen Betriebes mit über hundertjähriger Tradition, der Koch Jürgen Bock, beruhigt seine Gäste aus Stadt und Land: „Es geht weiter – zum Teil unter neuer Führung.“
Er selbst bleibt Konzessionsträger für das gesamte Haus und wird den Hotelbetrieb auf eigene Rechnung ohne Unterbrechung aufrechterhalten. Dabei ist ihm bewusst, dass er die 16 Einzel- und Doppelzimmer seines Hotels mit zusammen 23 Betten nach und nach sanieren muss, um sie für die Ansprüche der Gäste fit zu machen.

Für die Gaststätte im Erdgeschoss hat Jürgen Bock einen Nachfolger gefunden. „Sie wird vom griechischen Koch Ioannes Ionas als Mieter übernommen“, freut sich der 64-jährige Hotelier über diese Lösung. So wird er morgen letztmalig seine Gaststätten- und Restaurantbesucher bewirten. Danach bleibt der Betrieb für gut einen Monat geschlossen. Der 46 Jahre alte Grieche, der eine langjährige Küchenerfahrung vorweisen kann, will im Januar die Räume renovieren und möglichst Anfang Februar wieder eröffnen. Seinen Gästen will der neue Mieter künftig regionale und griechische Küche anbieten.

„Ich bin meinem Stil als Koch immer treu geblieben“, blickt Jürgen Bock zurück. Zu der gut bürgerlichen Küche gehörten auch viele regionale und saisonale Gerichte. Renner waren dabei vor allem Grünkohl-Spezialitäten mit Schweinebacke, Kassler und Kohlwurst, graue Erbsen und Rübenmus mit Krörken. „Es hat mir immer viel Spaß gemacht“, zieht er Bilanz. Fasziniert sei er davon, dass er im Laufe der Jahre in seiner Gastwirtschaft drei Generationen Gäste habe erleben dürfen. Erheblich geändert hätten sich aber die Stammtisch-Gewohnheiten im Laufe der Zeit: „Anfangs gab es hier noch jeden Abend einen Stammtisch.“ Heute freue er sich, wenn einmal wöchentlich noch eine zünftige Männerrunde in seinem Lokal zusammenkommt.

Vor rund hundert Jahren hatte der Gastwirt und Viehkaufmann Karl Stücker mit der Eröffnung von „Stückers Gasthof“ die Familientradition im gastronomischen Gewerbe gestartet. Sie endete 1974 mit Egon Hoinke und seiner Frau Hilge, geb. Stücker, die den Betrieb 1951 übernommen hatten. Sie gaben ihn nach 23 Jahren an die Eheleute Ernst-Otto und Irmgard Buddenhagen ab, bis Jürgen Bock und seine spätere Frau Elke Beimgraben 1980 Gaststätte und Hotel übernahmen. Anfangs nur als Pächter, waren sie ab 1992 auch Eigentümer des Hauses.

Die Übernahme des Gastronomiebetriebes wurde von der Bauphase des Kernkraftwerks Brokdorf begünstigt. „Wir hatten unser Haus sechs Jahre lang nahezu komplett mit Monteuren belegt“, erzählt Jürgen Bock. Auch die jährlichen Revisionen in Brokdorf und Brunsbüttel führten zu einer guten Auslastung des Hotels. Heute sind es die Monteure von Windkraftanlagen, die im Hause Stücker übernachten und die Küche genießen. Stammgäste waren außerdem die damals noch reisenden Handelsvertreter. Der letzte Vertreter, der hier übernachtete, war fast 50 Jahre lang bis 2004 Stammgast im „Stückers“ gewesen.

In den 36 Jahren seines Gastwirtelebens hat Jürgen Bock auch den Wandel in der Stadt Wilster miterlebt. Mehrere Einzelhandelsgeschäfte gibt es heute nicht mehr. So hat er viele Jahre sein Gemüse bei Günther Güstrau eingekauft, Brötchen und Brote von Café Egge geholt und den Fleischbedarf für die Küche bei Richard Beimgraben gedeckt. Dann aber traten die Großhändler auf den Plan, die ihn seitdem mit allem für Küche und Hotel belieferten.

In all den Jahren haben sich Jürgen Bock und seine vor zwei Jahren verstorbene Ehefrau Elke auf zuverlässige Mitarbeiter verlassen können. Fast 30 Jahre arbeitete Anke Mikolajczyk im Service – eine Tätigkeit, mit der sie auch dem neuen Mieter der Gaststätte zur Seite stehen möchte. Auf eine 25-jährige Betriebstreue kann die Küchenhilfe Bärbel Jüngling zurückblicken, während Ellen Schlüter seit sechs Jahren den Frühstückstisch für die Hotelgäste deckt.

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