Geschäftsaufgabe : Nach 132 Jahren: Otto Paulsen macht endgültig zu

Bei  Geschäftsinhaber  Jens Paulsen gab es alles – auch einzelne Schrauben aus einem riesigen Sortiment.
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Bei Geschäftsinhaber Jens Paulsen gab es alles – auch einzelne Schrauben aus einem riesigen Sortiment.

Eine Marner Institution schließt zum Jahresende: Otto Paulsen, Geschäft für Haushaltswaren und Spielzeug. Die Internet-Konkurrenz ist zu groß.

shz.de von
23. November 2013, 05:00 Uhr

Das letzte Kapitel eines Stücks Marner Geschichte wird derzeit geschrieben. Noch vor zwei Jahren feierte Jens Paulsen mit seinem Team und den Kunden des Geschäftes Otto Paulsen den 130. Geburtstag des Unternehmens. Doch am 31. Dezember wird er endgültig die Tür zum Laden abschließen.

Mit diesem Schritt zieht Paulsen die Reißleine, bevor es zu spät ist. „Aus wirtschaftlichen Gründen schließe ich das Geschäft, bevor uns die Schulden erdrücken“, so Jens Paulsen. Das veränderte Kaufverhalten und er als alleiniger Mieter der Immobilien können die laufenden Kosten nicht auffangen.

„Am 1. August 1881 gründete mein Urgroßvater Otto Paulsen diesen Einzelhandel“, berichtet Jens Paulsen. In vierter Generation betreibt er das Geschäft an der Süderstraße/Ecke Bäckerstraße im Herzen der Marschenstadt. Nach Uropa Otto hatten Opa Paul und sein eigener Vater Otto das Geschäft an die nächste Generation weitergegeben. Während Otto Paulsen im 18. Jahrhundert mit Eisenwaren und Haushaltsartikeln begonnen hatte, ergänzte Paul Paulsen nach dem zweiten Weltkrieg 1945 das Sortiment durch Spielwaren und Zubehör für Modellbau. „Das war immer die umsatzstärkste Abteilung“, berichtet Jens Paulsen, der 1990 seinem Vater nachfolgte.

„Paulsen hat alles“, erklärt der 55-Jährige den Grund, der das Geschäft so besonders gemacht hat. Das bedeutete auch enorme Vorhaltungs-, Lagerungs- und Lieferkosten, ganz zu schweigen von den eigentlichen Warenwerten, die in den Verkaufsräumen standen. Doch genau diese Artikelvielfalt machte eine Rentabilität des Unternehmens auf Dauer unmöglich. „Das Kaufverhalten der Kundschaft hat sich grundlegend verändert“, weiß Paulsen.

Die Beratung und den Service nutzen viele Kunden beim Fachhändler und kaufen dann jedoch bei den großen Internetriesen wie Amazon oder Zalando. „Das macht unsere Geschäfte kaputt“, musste Paulsen erfahren. 35 Jahre war er im eigenen Unternehmen tätig und hat die Gespräche mit den Kunden genossen.

Mittlerweile hat der Räumungsverkauf begonnen. Im November gibt noch 30 Prozent Rabatt auf alles. Ab 1. Dezember wird es dann 50 Prozent Nachlass auf die Restware geben. Nach Absprache mit seinen Geschwistern steht auch das Gebäude für 320 000 Euro zum Verkauf. „Es gibt bereits einen ernsthaften Interessenten“, erklärt Paulsen.

Er selbst hat eine neue Arbeitsstelle im Kreis Schleswig-Flensburg in Aussicht. „Auch wenn ich meinen Wohnort verlege, so bleibt mein Herz doch weiterhin in Marne“, so der Musiker, der mit seiner Band Trollhouse immer wieder in Dithmarschen präsent sein wird.

Doch eines wird es schon in diesem Jahr nicht mehr geben: An den Adventssonntagen half Jens Paulsen in der Vergangenheit stets dem Weihnachtsmann beim Verpacken der Geschenke. „Das war schon etwas Besonderes, wenn die Kinder durch die Schaufensterscheiben zugeschaut haben“, sagt er wehmütig.

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