A20 : NABU: Autobahn gefährdet Artenvielfalt

Ein Hinweisschild bei Kollmar zeigt den geplanten Verlauf der A 20 an.
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Ein Hinweisschild bei Kollmar zeigt den geplanten Verlauf der A 20 an.

Die Glückstädter Naturschützerin Dr. Sybille Petersen hält die A 20 für überflüssig.

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04. Dezember 2014, 17:09 Uhr

Glückstadt | Es ist die Änderung der Änderung, die die Vorsitzende des Naturschutzbundes (NABU), Dr. Sybille Petersen, zu einer siebenseitigen Stellungnahme bewegt. Sie ist eine von zahlreichen Bedenkenträgern in der letzten Runde des Planfeststellungsverfahrens zum Bau einer Elbquerung im Zuge der A 20 (siehe auch Bericht auf Seite 4). Für einen Elbtunnel, der in der Nähe von Kollmar beginnen und nach Drochtersen in Niedersachsen führen soll, sieht die Glückstädter Naturschützerin keinen Bedarf.

Die Planungen für diesen achten Abschnitt des geplanten A 20-Verlaufs begannen im Jahr 2009. Schon damals verfasste Sybille Petersen eine Stellungnahme, genauso zur ersten Planänderung im Frühjahr 2013.

Eine Neuerung in der aktuellen zweiten Änderung ist die Berücksichtigung der Fledermäuse. „Aber nicht in ausreichender Form“, wie Petersen beklagt. Die Behörde habe zwar das Vorkommen von sechs Fledermausarten festgestellt, würde diese aber nicht zu den besonders gefährdeten Arten rechnen. „Dabei sind alle Fledermausarten gefährdet und streng geschützt.“

Die Langenhalser Wettern bei Kollmar sei unter anderem Zufluchts- und Jagdgebiet für Wasser- und Zwergfledermaus. Durch den Bau der Autobahn würden die Tiere, die sich als Insektenfresser nützlich machen, erheblich bedroht. Dass der Schutz der Fledermäuse den Bau einer Autobahn stoppen könne, habe man ja kürzlich im Fall Bad Segeberg gesehen.

Neben den Fledermäusen sind vor allem Rastvögel wie Graugänse und Singschwäne ständige Gäste in der Kollmarmarsch. Am Landweg in der Nähe von Bielenberg beobachte sie regelmäßig große Schwärme von Schwänen, sagt Petersen. Die Behörde komme dagegen zu der Einschätzung, dass es sich nicht um „regelmäßig genutzte essenzielle Rastflächen“ handele. Problem sei, so Petersen, dass nur Daten aus vogelarmen Jahren in die Untersuchung mit eingeflossen seien, die vogelreichen Jahre 2011 und 2012 aber nicht berücksichtigt würden.

Wichtigster Kritikpunkt Petersens bleibt, wie schon in vorherigen Stellungnahmen, dass das Marschland ungeeignet für den Bau einer Autobahn sei. Der Boden sei zu weich, die 31 Meter breite Trasse würde das Entwässerungssystem der Region erheblich stören. „Die Behörde behauptet zwar, alles ausgleichen zu können. Aber das ist zu bezweifeln.“

Neben den Schäden für die Natur beklagt Petersen auch den fehlenden wirtschaftlichen Nutzen der Autobahn. „Die A 20 soll die Wirtschaft voranbringen, aber es findet sich kein Investor, der den Elbtunnel finanziert. Das lässt doch tief blicken.“ Seit dem Jahr 2002 sei keine Kosten-Nutzen-Rechnung mehr für das Autobahn-Teilstück veröffentlicht worden. Die geschätzten Kosten für das Tunnelbauwerk seien aber seitdem von 380 Millionen auf 1,5 Milliarden Euro gestiegen. Auf ihre Forderung nach einer neuen Kosten-Nutzen-Analyse in der vorletzten Stellungnahme sei die Behörde nicht eingegangen.

Petersens Liste mit weiteren Kritikpunkten ist lang: Ihre Einwände reichen vom Fehlen einer Tunnel-Feuerwehr über mangelhafte Ausgleichsmaßnahmen bis hin zur Strapazierung der Anwohner durch den Baustellenverkehr. Kurzum: Das Land brauche keine weitere Autobahn. Ihr Wunsch wäre, die bestehenden Straßen instand zu setzen und den öffentlichen Nahverkehr auszubauen. „Das würde zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen und einer Übernutzung der Natur durch den Menschen entgegenwirken.“

Neben dem NABU reichten unter anderem die Stadt Glückstadt und die Gemeinde Kollmar Stellungnahmen ein. Die Einwände werden in diesen Tagen vom Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr geprüft. Bis Ende des Monats soll ein Planfeststellungsbeschluss stehen.

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