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Mühlenbarbek : Mysteriös: Pferd steht in Blutlache

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Für die Besitzerin und für die Polizei ist es ein Rätsel. Treibt in Mühlenbarbek ein Pferderipper sein Unwesen?

Ein Pferd wird mit einer tiefen Schnittwunde stark blutend aufgefunden. Ein Unfall? Oder war es ein Pferderipper? Die Besitzerin ist alarmiert und mahnt zur Vorsicht. Als Simone Neumann (32) in Mühlenbarbek vorvergangene Woche ihr Freizeitpferd „Sally“, eine 16-jährige Tinker-Stute, von der Koppel holen wollte, wunderte sie sich, dass sie nicht kam. „Als ich sie dann fand, stand sie in einer Blutlache, hatte ein mächtiges, ungefähr 40 Zentimeter tiefes und 20 Zentimeter langes Loch in der Brust“, schildert die Besitzerin.

Simone Neumann, von Beruf Altenpflegerin, ist Tierliebhaberin. „Seitdem ich laufen kann, habe ich Umgang mit Pferden und bin darin geübt“, erzählt sie. Ihr Pferd steht seit einem Jahr als eines von neun Tieren auf einem Reiterhof in Mühlenbarbek im Stall. Das 700 Kilogramm schwere Kaltblut sei auch noch nie ernsthaft krank gewesen. „Es könnte eine Pfahlverletzung sein“, vermutete sie zuerst. „Wir haben das Gelände mehrmals abgesucht, mit mehreren Freunden alles kontrolliert, aber nichts gefunden. Alle Zäune sind intakt. Spitze Gegenstände, die aus dem Boden ragen, scheiden aus.“

Auch eine landwirtschaftliche Maschine könne es nicht gewesen sein. „Seit einem Jahr stand das Tier auf der Weide, kannte sich in der Umgebung schon aus, noch nie vorher ist etwas passiert.“ Deshalb vermutet sie, dass die Verletzung durch eine unbekannte Person mit einem spitzen Gegenstand zugefügt wurde. „Laut Tierärztin muss sich das am frühen Morgen zugetragen haben, denn die Wunde war nicht mehr frisch, als wir sie entdeckten und behandelten.“ Es sei großes Glück gewesen, dass das Pferd das überlebt habe. „Das Tier stand da eine Zeit mit Schmerzen, hat viel Blut verloren, aber der Kreislauf ist stabil geblieben.“ Verletzt worden sei nur Muskelgewebe, der Stich ging knapp an der Arterie vorbei. Bänder und Lunge blieben unversehrt.

Dennoch konnte die Wunde nur verschlossen werden und muss nun „sekundär“ heilen. „Das dauert etwa ein Jahr.“ Jetzt ist das Tier in der Klinik und muss in der Box stehen bleiben. „Wir wissen es nicht hundertprozentig, dass ein Pferderipper war, weil wir keine Beweise haben, aber die Vermutung liegt nahe“, sagt die Besitzerin. „Das Tier ist zutraulich. Wenn es jemand lockt, kommt es auch.“

Polizeisprecher Hans-Werner Heise weist auf die geringe Schutzmöglichkeit hin. „Wenn einer in den Stall will, kommt er auch hinein. Wir können deshalb Verhaltensprävention empfehlen. Man kann nur die Ställe sichern und zumindest das Eindringen dort erschweren.“ Falls doch einmal verdächtige Personen bemerkt werden, sollte der Besitzer am besten die Polizei holen.“ Eine Begehung mit der inzwischen für den Fall zuständigen Polizeidienststelle in Kellinghusen brachte ebenfalls keine neuen Erkenntnisse. Im näheren Umkreis – hieß es auch da – sei bislang nichts derartiges bekannt geworden. Man wolle weiter beobachten.

Die Pferdeklinik in Tappendorf, in der das Pferd behandelt wird, ist in der Bewertung vorsichtig. Nur in etwa einem Prozent der Verdachtsfälle sei die Ursache einer Verletzung durch einen „Pferderipper“ zu erklären. Meistens verletzten sich die Pferde selber an spitzen Gegenständen, oft in der Box. Maßnahmen, wie sich das verhindern lasse, seien schwer umzusetzen. Pferde seien zudem „Fluchttiere“, jagen sich im Spiel gegenseitig und laufen bei vermeintlicher Gefahr „blind“ los. „Auch dabei kann es schon mal zu Verletzungen kommen.“ Einen falschen Verdacht aussprechen will auch Simone Neumann nicht. „Ich will aber alle Pferdebesitzer dafür sensibilisieren, dass sie gut auf die Tiere aufpassen und sich austauschen sollen“, sagt sie. Wer etwas zur Aufklärung beitragen kann, möge sich bei ihr und mit hilfreichen Hinweisen bei der Polizei melden. Auch die Nachbarn im Dorf seien schon unruhig geworden. Allein in Mühlenbarbek und Umgebung gibt es bis zu zehn Reiterhöfe, die alle potentiell gefährdet seien. Als Reaktion wollen sie nun Kamera-Wildfallen aufstellen. „Letztlich kann man Pferde nicht einsperren. Ich will ihnen nicht die Lebensqualität nehmen.“

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