Betrugs-Prozess in Dithmarschen : Mutter und Tochter ergaunern 90.000 Euro

Der 53-Jährige muss zunächst in die Psychiatrie.
Der 53-Jährige muss zunächst in die Psychiatrie.

Das ist mehr als dreist: 353 Mal leiht sich eine Familie aus Linden in Dithmarschen Geld von einem gutgläubigen Rentner-Paar. Die knapp 90.000 Euro sieht es aber nie wieder. Vor Gericht geht es nun auch noch um viele weitere Betrugsfälle.

shz.de von
15. November 2013, 08:14 Uhr

Meldorf | Wie kann man nur so gutgläubig sein, fragte sich  wohl  jeder in Gerichtssaal, als Staatsanwalt Reinhold Neumann die Anklage verlas. Über Jahre hinweg verlieh ein Rentner-Paar aus Meldorf (Dithmarschen) Geld an eine befreundete Familie aus Linden. 353 Mal flossen seit 2008 Geldbeträge, 353 Mal versprach man das Geld zurückzuzahlen. Seit gestern nun müssen sich Ilse Sch. (74) und ihre Tochter Sandra (33) vor dem Schöffengericht Meldorf wegen gewerbsmäßigen Betrugs in 353 Fällen verantworten. Ehemann und Vater Gerd Sch. verstarb 2010.

Insgesamt soll die Familie das befreundete Ehepaar, beide 79 Jahre alt, um 89.587 Euro betrogen haben. Bei der zur Zeit ohne festen Wohnsitz im Raum Heide lebenden Tochter kommen noch 22 weitere Betrugsfälle hinzu. Sie soll Nachbarn, Bekannte, Bewohner aus Linden und Umgebung sowie aus Heide um Beträge zwischen 15 bis 220 Euro betrogen haben. Meistens erzählte sie ihren Opfern etwas von einem Rehunfall, nun brauche sie Geld für ein Taxi. Oder man habe ihr die Handtasche in der Bahn gestohlen, sie brauche nun Geld für eine Fahrkarte nach Pinneberg.  

Gern hätte Amtsgerichtsdirektor Christian Korf pünktlich mit dem Prozess begonnen, doch neben den Strafverteidigern zierte lediglich Sandra Sch. die Anklagebank. Ihre Mutter wollte offenbar nicht kommen. „Dann müssen wir sie gewaltsam vorführen“, sagte der Richter und setzte die Polizei in Marsch. Mit 90 Minuten Verspätung begann der Prozesstag dann und war nach der Anklageverlesung auch schon wieder zu Ende. „Ich sage da nichts zu“, entschied sich Ilse Sch. zu schweigen. Ihre Tochter schloss sich dem an, obwohl sie sich gegenüber der Polizei geständig einließ. So müssen nun zehn Zeugen gehört werden. Der Prozess wird am 25. November fortgesetzt.

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