Mutter und Kind im Streik

Mit Klacker-Flasche und Schüsseltrommel: Elternvertreterin Karmen Strohbach und Tochter Clara Lotta suchen für den Eltern-Streik alles zusammen, was richtig Krach macht – zum Leidwesen der Hundeohren.
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Mit Klacker-Flasche und Schüsseltrommel: Elternvertreterin Karmen Strohbach und Tochter Clara Lotta suchen für den Eltern-Streik alles zusammen, was richtig Krach macht – zum Leidwesen der Hundeohren.

Im Tarifstreit der Erzieher mit den Kommunen ist kein Ende in Sicht / Heute gehen die Eltern mit auf die Straße

shz.de von
21. Mai 2015, 05:00 Uhr

„Wir wollen richtig Krach machen! Ich glaube, es nimmt kein Ende, wenn wir Eltern jetzt nicht Stopp schreien“, sagt Karmen Strohbach (38). Sie ist Elternvertreterin in der Hasen-Gruppe in der Kindertagesstätte Sude-West und direkt davon betroffen, dass sich die Berufsgruppe der Erzieher und Sozialpädagogen schon seit Wochen mit ihren kommunalen Arbeitgebern streitet und nicht einigen kann.

In diesen Tagen steht bei der Mutter das Telefon nicht still. Viele Eltern rufen sie an. Denn wie in vielen kommunalen Kindertagesstätten im Land herrscht in der städtischen Kita Sude-West auf unbestimmte Zeit der Ausnahmezustand. Es gibt eine Notgruppe, aber keinen regulären Betrieb. Am Telefon der Kita meldet sich nur ein Anrufbeantworter, der vertröstet. Die Aussicht, dass dies bis zu den Sommerferien und länger andauern könnte, ruft jetzt die Eltern auf den Plan. „Wir steigen mit ein ins Boot“, sagt Strohbach, die für alle Eltern der Hasen-Gruppe spricht.

Heute wird sie mit anderen Eltern und den Erziehern zusammen vor der Kita streiken. „Die Erzieher sollen angemessen bezahlt werden, so dass alle am Ende zufrieden sind“, wünscht sich die Mutter – und dass die Verhandlungen mit den kommunalen Arbeitgebern der Kita-Angestellten möglichst zügig zu einem Ergebnis kommen.

Mit ihrer Tochter hat sie für den Streik schon alles, was lärmt, zusammengesucht. „Wir wollen ordentlich Radau machen.“ Um das Elterninteresse zu bekräftigen, würden außerdem bereits Unterschriften gesammelt. In der nächsten Woche wollen die Eltern damit den Bürgermeister im Rathaus aufsuchen, „damit endlich etwas passiert“, so die Mutter.

Wie viele Eltern ist Karmen Strohbach unzufrieden, weil die Verhandlungen bislang keine sichtbaren Ergebnisse bringen. Vom Streik seien an erster Stelle die Kinder betroffen – sie nimmt ihre Tochter Clara Lotta in den Arm. Das Mädchen hätte am Dienstag gerne seinen sechsten Geburtstag im Kindergarten gefeiert – mit Freunden, Kuchen und Papierkrone. Doch dann kam der unbefristete Warnstreik der Erzieher dazwischen, die Kita machte dicht.

Die Gebühren müsse sie trotzdem weiter bezahlen. Es gebe zwar die Notfallgruppe. Doch so eine zusammengewürfelte Gruppe sei für die Kinder nicht das gleiche wie die eigene Gruppe, weiß Strohbach, die ihre Tochter zu Hause behält. Andere Eltern müssten Großeltern und Freunde um Hilfe bitten oder sich zusätzlich eine Tagesmutter leisten. Einige Mütter hätten sich sogar zusammengeschlossen, um ihre Kinder im Wechsel in den Räumen der Kita selbst zu betreuen. Der vierfachen Mutter wäre diese Verantwortung zu groß.

Die Betreuungsfrage sei täglich Thema. In einer Facebook-Gruppe tauscht sich die Elternvertreterin darüber mit anderen Eltern aus. Dabei drehe es sich auch immer wieder darum, dass die Kinder unglücklich seien.

Auch Clara Lotta möchte zurück in die Kita und ihre Rolle als Fee für das Abschluss-Theaterstück proben. Deshalb schlägt sie mit dem Kochlöffel laut auf eine Schüssel. Es scheppert. Mit ihrer Mutter übt sie kräftig für den Streik heute von 11.30 bis 12.30 Uhr vor der Kita Sude-West.

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