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Norddeutsche Rundschau

21. September 2017 | 21:44 Uhr

Arbeitsmarkt : Mutiger Schritt in den neuen Job

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Umschulung – ein Beispiel, wie es nach Prinovis weitergehen kann.

von
erstellt am 02.Apr.2014 | 05:00 Uhr

Drucker hat er gelernt, als Drucker wollte er in Rente gehen. Dann kam das Aus für Prinovis in Itzehoe. Alexander Roscher entschied sich für den Neuanfang. Jetzt absolviert der
43-Jährige eine Umschulung zum Anlagenmechaniker Heizungs-, Sanitär- und Klimatechnik.

Als Aushilfe hatte Roscher bereits bei der Firma SHS-Gebäudetechnik Daugardt & Reiss GmbH in Kellinghusen gearbeitet. „Wir haben lange nach einer passenden Fachkraft gesucht, aber keine gefunden“, sagt Jan Daugardt. Er und Mitinhaber Philipp Reiss hätten nicht lange überlegen müssen, ob sie den etwas älteren Auszubildenden nehmen: „Ihm müssen wir nicht das grundlegende Wissen des Lebens beibringen.“ Die zweijährige Umschulung wird begleitet von finanzieller Unterstützung der Agentur für Arbeit.

Diese Möglichkeit haben neben Roscher noch 20 weitere Kollegen aus dem Prinovis-Werk genutzt, so Ronald Geist, Leiter der zuständigen Arbeitsagentur in Heide. Diese ist seit Mai 2013 mit einem fünfköpfigen Team im Werk, informiert und berät. Bisher waren es fast 700 Einzelberatungen, hinzu kamen unter anderem Bewerbungstrainings, Coachings und Präsentation vakanter Stellen. 122 Mitarbeiter haben einen neuen Job, rund 25 davon im Prinovis-Werk in Ahrensburg. Drei machten sich selbstständig. Gut 100 der einst mehr als 600 Festangestellten werden für den Rückbau weiter beschäftigt, die anderen können zum 1. Mai für ein Jahr in eine Transfergesellschaft gehen.

Diese betreut die Agentur für Struktur- und Personalentwicklung GmbH (AgS) aus Bremen, die unter den Referenzen viele namhafte Firmen und gute Vermittlungsquoten aufführt. Die Prinovis-Mitarbeiter mussten sich bis Ende März entscheiden, ob sie in die Gesellschaft wechseln. Endgültige Zahlen gibt es noch nicht, doch nach derzeitigem Stand seien es rund 350 der Festangestellten und rund 200 Zeitarbeiter, so AgS-Geschäftsführer Oliver Fieber. Im April würden schon Profile der Mitarbeiter, Bedarfe und Vorschläge entwickelt. Dabei strebt die Arbeitsagentur laut Geist eine enge Kooperation an: „Wir haben großes Interesse daran, dass dieses Jahr auch genutzt wird.“ Sehr willkommen seien weitere Betriebe, die an der Aufnahme eines Umschülers interessiert sind.

Ein Übergang könne auch bei den älteren Prinovis-Beschäftigten noch gelingen, betont Geist. Zwei Drittel von ihnen sind zwischen 45 und 65 Jahren alt, da sei es sowohl bei Arbeitgebern als auch bei Arbeitnehmern schwieriger, Akzeptanz zu finden. Viele hätten länger nicht in ihrem eigentlichen Beruf gearbeitet und stammten aus der Nähe, müssten sich aber für andere Regionen und gerade Hamburg mit Umland interessieren, sagt der Leiter der Arbeitsagentur. Ohne Umdenken gehe es nicht.

Alexander Roscher hat es vorgemacht. „Es war ein schwerer Schritt“, gibt er zu. Jetzt aber lernt er ortsnah einen neuen Beruf, der ihm – Stichwort Fachkräftemangel – beste Zukunftaussichten beschert. Die Übernahme nach der Ausbildung sei so gut wie sicher, wenn die Aufträge blieben, sagt sein Chef Jan Daugardt. Auch der Abschied von der Schichtarbeit gefällt Roscher, der verheiratet ist und einen achtjährigen Sohn hat. Der Übergang sei problemlos mit voller Unterstützung der Arbeitsagentur gelaufen. Alles mache Spaß, auch in der Berufsschule mit den viel jüngeren Kollegen. Würde er den Schritt weiterempfehlen? „Auf jeden Fall! Wenn man sich ein bisschen umguckt, werden ja noch viele Leute gesucht in der Gegend, gerade im Handwerk.“

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