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Ärzte ohne Grenzen : Mutige Hilfe gegen unendliches Leid

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Raina Klüppelberg will helfen – darum war die 28-Jährige zwei Monate für Ärzte ohne Grenzen im Südsudan.

Es sind immer wieder erschütternde Bilder, die uns täglich mit den Nachrichten erreichen. Flüchtlinge ohne Heimat, Verwundete ohne Mut, Kinder ohne Zukunft. Unendlich viel Leid, das nur schwer zu ertragen ist. Doch es gibt Hoffnung. Es sind Menschen wie Raina Klüppelberg, die die Not lindern.

Die 28-jährige Hohenlockstedterin war für Ärzte ohne Grenzen im Südsudan, genauer in Awerial, einer Stadt im Zentrum des Südsudan. 80 000 bis 100 000 Flüchtlinge leben dort auf engstem Raum. Menschen, die Schutz vor den bewaffneten Auseinandersetzungen in ihrem eigenen Land suchen. Zwei Monate hat die Krankenschwester Verletzte versorgt, Kranke behandelt, Kinder geimpft und einheimisches Personal geschult. In Hamburg hat die junge Frau in der Asklepios Klinik Altona gearbeitet. Auf einer Interdisziplinären Station war sie unter anderem als Schichtleitung tätig. Für ihr Engagement mit Ärzte ohne Grenzen hat sie ihr Arbeitgeber für ein Jahr freigestellt.

Und das war auch notwendig. Denn eine kurze Bewerbung bei Ärzte ohne Grenzen reicht bei weitem nicht aus, um zum Einsatz in die Krisenregionen dieser Welt geschickt zu werden. Beim ersten Mal sollte man wenigsten neun Monate verfügbar sein. Bis Raina Klüppelberg im Flieger Richtung Afrika saß, war es ein schwieriger Weg. Schon vor vier Jahren hatte sie sich bei der Organisation beworben. „Es hat mich immer schon gereizt zu helfen. Und das am besten dort, wo ich am dringendsten gebraucht werde. Schon während meiner Schulzeit in Hohenlockstedt habe ich nebenbei im Seniorenheim gearbeitet“, berichtet Klüppelberg. Als Konsequenz wurde sie Krankenschwester. „Das war mir relativ früh klar.“ Aber die 28-Jährige wollte mehr.

Erste Erfahrungen mit Naturkatastrophen machte Raina Klüppelberg – helfen durfte sie nicht. „Das war schrecklich, ich sah die Bilder und dachte, da muss ich was tun. Aber die Gesetze erlauben es nicht, dass man sich dort als Ausländer ohne Auftrag einer Hilfsorganisation engagiert.“

Vor vier Jahren bewarb sie sich kurzerhand bei Ärzte ohne Grenzen – und erhielt eine Absage. „Die stellen recht hohe Anforderungen.“ So sollte man mehrere Jahre Berufserfahrung mitbringe, gern auch in Leitungspositionen. Ein absolutes Muss sind gute Englischkenntnisse, hilfreich ist es auch, wenn man zusätzlich Französisch spricht. Also hat die Hohenlockstedterin nachgelegt, einen Französisch-Kursus an der Volkshochschule besucht, Leitungsfunktionen übernommen und während verschiedener Auslandsaufenthalte in medizinischen Einrichtungen hospitiert. Mit Erfolg: Nach der zweiten Bewerbung im vergangenen Jahr kam die Zusage. Daran schloss sich eine spezielle Trainingswoche an. Als Vorbereitung hat Raina Klüppelberg zudem einen vierwöchigen Tropenmedizinkursus in Tübingen absolvieren. Mit dem Arbeitgeber war bereits eine einjährige Freistellung ab September vereinbart worden. Dann hieß es abwarten. Denn wann und wo die 28-Jährige eingesetzt werden würde, stand nicht fest.

Es war im Februar: „Ich war gerade in Südostasien unterwegs – Vietnam, Myanmar, Kambodscha –, an der Grenze zwischen Laos und Thailand klingelte mein Handy.“ Und dann ging alles ganz schnell. Für ein Emergency-Project, also ein Notfallprojekt, im Südsudan wurden Helfer gesucht. Die junge Frau setzte sich in den Flieger zurück nach Deutschland und kurz darauf ging es weiter nach Afrika.

Was sie dort erlebte war „ganz harter Stoff“. In Minkamman war in kürzester Zeit ein medizinisches Behandlungszentrum hochgezogen worden. 45 Expats (für Expatriats), wie die internationalen Hilfskräfte heißen, arbeiteten unter einfachsten Verhältnissen und teilten sich zwei Kühlschränke. Geschlafen wurde in Gemeinschaftszelten. „Die Privatsphäre war gleich null. Man wusste immer genau, wer gerade welche Probleme hat – aber dadurch war man auch nie allein mit seinen Problemen“ Fließendes Wasser gab es gar nicht, Strom nur zu bestimmten Zeiten. Drumherum entstand ein Lager mit in Spitzenzeiten bis zu 100 000 Flüchtlingen. „Die Menschen schliefen in Zelten oder unter freiem Himmel. Die hygienischen Verhältnisse waren erschreckend, mit dem Ausbruch von Epidemien musste man rechnen“, sagt Raina Klüppelberg.

Sie half bei der medizinischen Versorgung der Vertriebenen und kümmerte sich um die Weiterbildung der der nationalen Mitarbeiter. „Es ist viel effektiver, wenn ich zehn Personen beibringe, wie der Puls gemessen wird, als wenn ich es bei allen Patienten selbst machen muss.“ Hilfe zur Selbsthilfe ist ein wichtiger Bestandteil der Arbeit vor Ort. Auch Hygiene-Schulungen waren wichtig. „Für viele Menschen ist es selbstverständlich, dass sie ihr Geschäft im Fluss verrichten, dort wo sie auch ihr Trinkwasser holen. Das ein Zusammenhang mit Krankheiten besteht, erkennen die Meisten nicht.“ Besonders machten der jungen Frau die Lebensumstände zu schaffen. Wenn eine Mutter mit krankem Kind kam und für die Behandlung ein paar Tage hätte bleiben müssen, hat sie es lieber wieder mitgenommen – auch auf die Gefahr hin, dass es sterben könnte. Daheim mussten schließlich die vielen anderen Kinder versorgt werden.

Von Magen-Darm-Erkrankungen bis zu offenen Wunden, Unterernährung und Kriegsverletzungen – Raina Klüppelberg hat sehr viel Elend gesehen. „Aber ich habe nicht die sterbenden Menschen gezählt. Ich habe mich mit denen beschäftigt, denen ich helfen konnte.“ Das will sie auch künftig machen. Wann und zu welchem Projekt sie aufbrechen wird, steht noch nicht fest. Erst braucht sie Zeit – zum Nachdenken und um die Bilder zu verarbeiten – dann will sie sich entscheiden.

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erstellt am 25.Mai.2014 | 07:52 Uhr

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