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Kreisbauerntag : Mutig die Markt-Zukunft gestalten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Chancen und Risiken für Steinburger Landwirte – das waren Themen beim Kreisbauerntag in Wilster.

von
erstellt am 17.Feb.2017 | 05:12 Uhr

Welche Auswirkungen hat der Weltmarkt auf die Landwirtschaft? Welche Chancen können Steinburger Landwirte nutzen? Mit welchen Risiken müssen sie rechnen? Wie können oder müssen sie sich darauf einstellen? Für Antworten darauf erlebten Steinburger Landwirte gestern beim Kreisbauerntag im voll besetzten Saal des Wilsteraner Colosseums ein Rundum-Informationspaket. Der Kreisbauernverband Steinburg hatte dazu als Gastredner Professor Sebastian Hess von der Christian-Albrechts-Universität Kiel, Ernst-Walter Meyer, Lehrer und ein anerkannter Berater vom Berufsbildungszentrum Bad Segeberg, und Niels Bartels aus Kellinghusen vom Verein für landwirtschaftliche Fortbildung eingeladen. Doch der Kreisbauerntag diente auch der Reflexion der Lage in der Landwirtschaft insgesamt. Kritische Worte Richtung Politik und Medien, aber auch an Berufskollegen richteten sowohl Kreisvorsitzender Peter Lüschow als auch Referent Ernst-Walter Meyer und der 2. Vizepräsident des Bauernverbands Schleswig-Holstein Klaus-Peter Lucht.

„Zwei schwere Jahre liegen hinter uns, mit zum Teil katastrophalen Preisen“, sagte Peter Lüschow. Ein wenig hätten sich die Preise erholt. „Wir sehen Licht am Ende des Tunnels.“ Doch bis das Tunnelende erreicht sei, dazu bedürfe es noch einer ganzen Zeit. Neben den schlechten Preisen bereitet den Bauern ein anderes Problem zusätzlich Sorgen: „Wie werden wir in der Öffentlichkeit wahrgenommen?“ Negativschlagzeilen in überregionaler Presse und Agrarwendepolitik machten den Landwirten zu schaffen. Besonders die von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) verkündeten neuen „Bauernregeln“ seien empörend gewesen. „Das war staatliches Mobbing; staatlich bezahlter Wahlkampf auf dem Rücken einer Berufsgruppe“, entrüstete sich Lüschow unter dem Beifall der Landwirte im Saal. Zum Glück hätten sich führende Politiker, auch aus Reihen der SPD, von Hendricks distanziert, und sie habe sich zum Teil entschuldigt.

Doch wenn man öffentlich so permanent gedemütigt werde, sei es kein Wunder, wenn Bauern sagten, sie hätten keine Lust mehr. „Darum müssen wir handeln.“ Lüschow rief seine Berufskollegen auf, gemeinsam zu zeigen wie Landwirtschaft wirklich ist und auch „den Kollegen, die falsch handeln“ das deutlich zu sagen. Die Landwirte sollten sich nicht alles gefallen lassen – und darum sei der Bauernverband dabei, Veränderung zu gestalten. Der dafür zu Papier gebrachte Entwurf werde Ende Februar vorgestellt und soll mit den Landwirten diskutiert werden. Im ersten Schritt zur Image-Werbung soll also deutlich Stellung bezogen werden, parallel entstehen Werbe-Clips und Filme über Arbeit und Produkte in und aus der Landwirtschaft. Einer dieser Filme wurde gestern zum Abschluss des Kreisbauerntags vorgeführt. „Und wir werden weiterhin Aktionen machen“, fügte Peter Lüschow hinzu.

Und auch die Referenten befassten sich mit Perspektiven der Landwirte, machten dazu den Weltmarkt zum Thema. Niels Bartels (29) aus Kellinghusen ist Landwirt und gab seinen Zuhörern Beispiele weltweiter Handelskontakte auf dem landwirtschaftlichen Sektor . Er selbst verbrachte einige Zeit in Neuseeland und Australien, erlebte, dass das Siegel „Made in Germany“ für eine gesicherte Herkunft stehe und wahrgenommen werde. „Wir können ganz klar für den Weltmarkt produzieren“, betonte er. Dabei gelte es, Markt und Preise gut zu beobachten, Ruhe zu bewahren und nicht nervös zu handeln. Er unterstrich die Chancen, die der Weltmarkt biete und betonte: „Wir müssen versuchen, ‚Made in Gemany‘ zu erhalten.“

Wie das Zusammenspiel auf der Weltmarkt-Bühne abläuft, veranschaulichte Sebastian Hess. Der Professor ging auf Wechselwirkungen bei Handelsprodukten und auf die Marktentwicklung ein, die seit 2007 großen Schwankungen ausgesetzt ist. 2015 erfolgten dann die starken Einbrüche beim Milchpreis. Anhand statistischer Darstellungen zu Produktivität, Absatzmärkten und Konsumverhalten machte er die Weltmarktsituation deutlich und unterstrich die Bedeutung von Freihandelsabkommen. Verhalten optimistisch sehe er der Zukunft entgegen. Ähnlich auch Ernst-Walter Meyer, der der Frage nachging, wie Steinburger Landwirte mit dem Weltmarkt umgehen. Mit Preisschwankungen, aber auf niedrigerem Niveau mussten Landwirte immer leben. Schwierig wurde es ab 2007, mit den starken Schwankungen umzugehen – und die extreme Talfahrt in den vergangenen zwei Jahren sei für viele so nicht zu erwarten gewesen. Er appellierte an seine Berufskollegen, Zeiten hohen Preisniveaus zu nutzen und Rücklagen zu bilden. „Das Kostenbewusstsein in guten Zeiten lässt zu wünschen übrig“, meinte er. Die Landwirte müssten zur Kostenkontrolle Strategien überdenken, um Talfahrten gut zu überstehen. Er zitierte abschließend Perikles: „Es ist nicht unsere Aufgabe, die Zukunft vorauszusagen, sondern gut auf sie vorbereitet zu sein.“ Und dafür hatte Meyer zuvor eindringliche Beispiele genannt.

Klaus-Peter Lucht ging speziell noch einmal auf den starken Preisdruck für die Milchbauern ein – und unterstrich, dass sich Discounterbetreiber sowie Vertreter der Meiereien mit den Landwirten wieder an einen Tisch setzen müssen, um sich auf angemessene Milchpreise zu einigen. Zudem wies er auf die Forderung an die Landesregierung hin, für Gebiete wie die Wilstermarsch – geprägt durch Grünland und Milchvieh – wegen der Produktionsnachteile Ausgleichszulagen zu leisten. Den Landwirten rief er zu: „Verlieren Sie nicht den Mut.“

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